Neuer Firmensitz zum Geburtstag: Baufirma investiert zweistelligen Millionenbetrag

Größe ist nicht alles: Das zeigt das Dornbirner Bauunternehmen, das auf die Branchenkrise schnell reagieren konnte. Nun steht eine Großinvestition an.
Dornbirn Vergangene Woche wurde in Dornbirn gefeiert – der Bauhof von Winsauer Bau war herausgeputzt, die Gäste natürlich aufgeräumt. Das Fest zum 70-jährigen Jubiläum kommt in einer Unzeit für die Bauwirtschaft, doch das größte Bauunternehmen Dornbirns hat sich früh genug für die nun schon seit Jahren anhaltende Branchenkrise gewappnet, wie Firmenchef Bernd Winsauer betont. Mit dem Jubiläum und einem aufsehenerregenden Neubau will man auch ein optimistisches Signal setzten will. Denn natürlich waren auch bei Winsauer Bau Anpassungen notwendig. “Eine Stärke eines regionalen Mittelständlers ist, dass er viel schneller reagieren kann als große Firmen”, sagt er. Reagiert habe man schon auf die Preisrallye für Grundstücke, die man nicht mehr mitmachen wollte.
Flexibler als Großbetriebe
Als die Aufträge zurückgingen, habe man auch die Zahl der Arbeitsplätze reduziert. Statt 50 Mitarbeitern wie in Boom-Zeiten beschäftigt das Baugeschäft derzeit 35 Mitarbeiter. “Gibt es keine Erträge, können wir keine neuen Mitarbeiter einstellen”, so der Firmenchef, der das Bauunternehmen in dritter Generation leitet. Inzwischen ist mit Justin die nächste Generation in verantwortlicher Position. Derzeit sei man der Lage entsprechend gut aufgestellt, denn das Unternehmen ist in allen Bereichen vom Hoch- und Tiefbau bis zum Spezialtiefbau tätig. “Wir haben die Rheinbrücke pilotiert”, nennt er eine der Baustellen, wo die Spezialtiefbau-Expertise zum Tragen gekommen ist. Im Einsatz sei man “von Tunnel zu Tunnel”, also vom Pfänder- bis zum Ambergtunnel, für Projektentwickler, Immobilienfirmen und institutionelle Bauherren – viele von ihnen sind Stammkunden.

Man sei groß genug, um “komplexe Projekte zu stemmen”, aber auch klein und flexibel, was die Kundschaft sehr schätze, betont Bernd Winsauer, wie Sohn Justin studierter Diplom-Ingenieur und gelernter Baumeister: “Wir sind akademisch ausgebildet, aber praktisch aufgestellt.” Stetige Anpassung an neue Möglichkeiten – derzeit beschäftigte sich das Unternehmen auch damit, ob und wie die Künstliche Intelligenz (KI) nützlich eingesetzt werden kann – halte das Unternehmen immer auf der Höhe der Zeit, nennt der Firmenchef einen Erfolgsfaktor.

Die Leistungsfähigkeit des Unternehmens wird derzeit mit einem eigenen Projekt in die Auslage gestellt. Nur wenige Meter vom aktuellen Firmensitz entfernt zeigt Winsauer, was heute im Baubereich notwendig ist. Direkt an der L190 und damit gut angebunden an die Verkehrsinfrastruktur entsteht mit dem Namen “+tower” ein Bürogebäude in Plusenergiebauweise mit einer gebäudeintegrierten PV-Fassade und -Dachanlage, Heizung und Kühlung über Erdwärmepumpe und automatischen Sonnenschutz-Screens, die bei fortschreitendem Klimawandel immer wichtiger werden. Das Gebäude mit 2500 Quadratmetern und sechs Geschossen wird der neue Firmensitz, informiert Bernd Winsauer. Aber nicht nur: Einzelbüros, Showrooms, Praxen können nicht nur gemietet werden, sondern stehen auch zum Verkauf.
Millionen-Investition
Die bemerkenswerte und gelungene Gestaltung des Hauses ist Ergebnis eines von Winsauer Bau ausgeschriebenen Architekturwettbewerbs. Durchgesetzt hat sich das international tätige Dornbirner Architekturunternehmen Baumschlager Hutter Partners. Rund zwölf Millionen Euro sind dafür budgetiert, so Justin Winsauer. Mit dem Mitarbeiter-Wohnhaus, das unmittelbar neben dem neuen Hauptquartier entsteht, summiert sich die Investition auf 15 Millionen Euro. Bernd Winsauer zum “Jubiläumsbauprojekt”: “Wenn wir was bauen, dann bauen wir was Außergewöhnliches.” Was zweifelsohne mit dem eigenen Hauptquartier gelingen wird.