Alberschwender Ingenieur entwickelt Prüf-Software, die mit KI immer besser wird

Was man mit Künstlicher Intelligenz (KI) alles machen kann? Vorarlberger Startup zeigt auf, wie man damit Metallprodukte fehlerfrei macht.
Alberschwende Vorarlberg kann Innovation. Auch wenn derzeit die Wirtschaft im Land gegen die multiplen Krisen kämpft und die notwendige Transformation der Unternehmen stemmen muss, zeigt sie, dass ihr Innovationswille ungebrochen ist. Aufhorchen lässt nach den Millionendeals von Photeon und Henn auch ein Vorarlberger Startup, dessen Entwicklung großes Potenzial hat.
Umfassende Kontrolle
Stefan Maier, gelernter Oberflächentechniker und studierter Physiker, hat sich mit der Qualität und Produktsicherheit eines kleinen Metallbauteils auseinandergesetzt, das für Unternehmen enorme Folgen haben kann. Wenn es denn nicht in der Qualität produziert wird, wie es gefordert wird. Blättert nämlich die hauchdünne Schutzschicht einer Schraube oder einer Bremsleitung beim Kunden ab, drohen im schlimmsten Fall millionenschwere Rückholaktionen.

Hier setzt das Startup secure galvano ai von Stefan Maier an: Das in Alberschwende ansässige Unternehmen entwickelt KI-gestützte Software, die Produktionsprozesse in der Galvanik anhand vorhandener Sensordaten analysiert, Fehlerursachen frühzeitig identifiziert und so Ausschuss und Reklamationen reduziert. Während klassische Überwachungssysteme jeden Messwert einzeln auswerten, analysiert die Software von secure galvano ai das Zusammenspiel hunderter Parameter gleichzeitig. Das sorgt für eine umfassende Kontrolle, denn häufig liegen alle Einzelwerte im grünen Bereich – “erst ihre Kombination kann zu Qualitätsproblemen führen”, informiert Maier. “Mithilfe von Machine Learning erkennt das System solche Muster frühzeitig, lokalisiert die Ursache und reduziert Millionen von Messwerten auf wenige aussagekräftige Hinweise.”
Prozesssicherheit
Für die Kunden entscheidend ist, dass die Daten komplett im Unternehmen bleiben und direkt dort ausgewertet werden. “Ziel ist es, Galvanikbetrieben einen geringeren Ausschuss, weniger Ressourcenverbrauch und mehr Prozesssicherheit zu ermöglichen”, sagt der Start-up-Gründer. Die Einführung erfolge bewusst praxisnah: Gemeinsam mit den Betrieben identifiziert secure galvano ai zunächst jene Bereiche, in denen der größte wirtschaftliche Nutzen erzielt werden kann. Anschließend werde die Software schrittweise eingeführt – von der nachträglichen Fehleranalyse über die Echtzeiterkennung bis hin zur Vorhersage möglicher Qualitätsabweichungen.
Pilotauftrag abgeschlossen
Dass die Entwicklung auch hält, was sie verspricht, zeige der erste Pilotauftrag. Der wurde bereits erfolgreich abgeschlossen und werde nun schrittweise weiter ausgebaut. “Eine Galvanik wächst über Jahrzehnte – da kommt man nicht mit einer fertigen Lösung herein”, sagt Maier. “Wir verankern die Software gemeinsam mit dem Betrieb dort, wo sie den größten Nutzen bringt, und erweitern sie von Anlage zu Anlage. Aus solchen Partnerschaften entsteht über Jahre ein Prozessverständnis, das man nicht kaufen kann.” Mittelfristig wolle das Start-up auf diesem Weg einige wenige Betriebe begleiten – “bewusst in der Tiefe statt in der Breite”, so Maier.

Wie die Lösung in der Praxis funktioniert, zeigt Maier im Rahmen der KI Days Vorarlberg, die vom 28. bis 30. September im Forum Vorarlberg am Campus V in Dornbirn stattfinden.