Darum gibt es heuer in diesem Schloss keinen Heurigen

Infrastrukturverbesserung im Schloss geht nach hinten los: Bürokratie verhindert zeitgerechte Betriebsgenehmigung.
Feldkirch Von Freitag, 28. August, bis Sonntag, 30. August sollte im Schloss Amberg in Feldkirch ein Popup-Heuriger stattfinden. Ein Termin, den sich viele Menschen bereits rot im Kalender angestrichen haben, denn der Heurige im Vorjahr hatte trotz Regen über 400 Genießer angelockt. Genießer, die zum einen die Produkte der Amberg-Landwirtschaft, vom Sekt über Wein und Cidre bis hin zu Apfelsaft, genießen wollten, und andererseits diesen historischen Ort erleben wollen. Damit wird es aber nichts. Die Familie Scheyer, Schlossherren in dem über 500 Jahre alten herrschaftlichen Gebäude, zog die Notbremse und hat den Termin abgesagt, verspricht aber, dass es den Heurigen im nächsten Jahr wieder geben wird.
In Atem gehalten
Die Absage ist der bisherige Schlusspunkt in einer Angelegenheit, die Jutta und Matthias Scheyer sowie ihre Töchter Julia und Anna nun schon gut eineinhalb Jahre in Atem hält. Sie hatten nämlich das Ziel, das denkmalgeschützte Gebäude und die gastronomische Infrastruktur für Events wie den Heurigen, aber auch für Feiern oder Seminare jeglicher Art, auf den neuesten Stand zu bringen. Bei der Küche, die schon in den 1960er-Jahren für den damals eröffneten Gastronomiebetrieb Schlossschänke Amberg installiert wurde, bedeutet das eine Verlegung in einen neuen Raum, nur wenige Meter entfernt von der ursprünglichen Gastroküche.

Dass dafür die Behörden grünes Licht geben müssen, das war der Familie klar, wie Jutta und Matthias Scheyer im Gespräch mit den VN berichten. Doch schließlich betonte Landeshauptmann Markus Wallner im April 2026, dass über 70 Prozent aller gewerberechtlichen Verfahren im Land innerhalb von zwölf Wochen abgeschlossen wurden. Und bei einer Vorlaufzeit von rund 78 Wochen war es nicht voreilig, den Heurigen-Termin anzusetzen. Auch wenn Matthias Scheyer beim ersten Termin in der BH Feldkirch eine zwei Seiten umfassende To-do-Liste ausgehändigt bekommen hat, waren die Schlossbesitzer guter Dinge, dass die endgültige Betriebserlaubnis rechtzeitig erteilt wird.

Doch da täuschte sich die Gastgeberfamilie. Die diversen Begutachtungen, die erforderlichen Arbeiten und die damit verbundenen Behördenverfahren dauerten – und dauern. Konkret: Bis nach dem geplanten Heurigen. Das Ansuchen um die Baubewilligung und die gewerbebehördliche Genehmigung wird nämlich erst am 3. September vor Ort verhandelt. “Wir wollten und konnten das nicht übergehen”, erklärt Matthias Scheyer. Er betont, dass die BH-Bediensteten (die in Vorarlberg ja nicht beamtet sind, sondern vertragsbedienstet) stets korrekt gehandelt haben. Was er aber kritisiert, ist der hohe bürokratische Aufwand, den vergleichsweise kleine Veränderungen verursachen, zumal sie eine eindeutige Verbesserung darstellen.

Klar stellt Jutta Scheyer außerdem, dass es der Familie nicht darum gehe, jetzt einen großen Gastronomiebetrieb zu etablieren – die Räumlichkeiten sind mit rund 40 Sitzplätzen begrenzt, auch im Garten können rund 40 Gäste gleichzeitig Platz nehmen. Der Popup-Heurige ist über zwei Tage verteilt die größte Veranstaltung. Man wolle aber das, was man schon jetzt anbiete, eben Feiern oder Meetings sowie kulturelle Veranstaltungen und Weinverkostungen in höchstmöglicher Qualität durchführen. “Damit sollen die Kosten für die Erhaltung des denkmalgeschützten Gebäudes erwirtschaftet werden”, so Matthias Scheyer. Auf öffentliche Förderungen habe man übrigens immer verzichtet, obwohl man das Schloss über die Jahre von Grund auf und in Absprache mit dem Denkmalschutz saniert habe. Für die Stadt Feldkirch gibt es einen weiteren Aspekt: Amberg mit seiner langen Geschichte ist zweifelsohne eine Attraktion für Gäste.