Staatsoberhaupt hat jetzt Amtssitz in Vorarlberger Holzhaus

Bundespräsident zieht aus seinem Amtssitz im Schloss aus und in Holzbau von Vorarlberger Branchenführer um. Offizielle Eröffnung am Montag.
Reuthe, Berlin Die Eröffnung dieses Gebäudes in bester Berliner Lage ist auch für Christian Kaufmann etwas ganz Besonderes. Denn seit gut einem Monat hat sich der deutsche Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier in seinem neuen Sitz eingerichtet, am Montag ist die offizielle Eröffnung des Amtsgebäudes, das bis zu acht Jahren für Steinmeier bzw. seine Nachfolgerin oder seinen Nachfolger – die Amtszeit von Steinmeier endet am 18. März 2027 – das Zentrum seiner Aktivitäten sein wird.

Mit dem Bürogebäude für Bundesbehörden in Berlin-Moabit ist ein zukunftsweisendes Verwaltungsgebäude entstanden, das nachhaltige Holzmodulbauweise mit hoher Funktionalität und architektonischem Anspruch verbindet, sind sich Fachleute in Deutschland einig. Auf rund 18.700 Quadratmetern Bruttogrundfläche wurde das Gebäude in nur 20 Monaten realisiert und inzwischen bezogen, berichtet Christian Kaufmann. Das aufsehenerregende Gebäude – die Kosten werden mit 205 Millionen Euro beziffert – wurde vom Vorarlberger Modulbau-Pionier und Marktführer Kaufmann Bausysteme realisiert. Das Bundespräsidialamt arbeitet im neuen Bau während der geplanten Sanierungsarbeiten am eigentlichen Amtssitz des Bundespräsidenten, Schloss Bellevue. Anschließend wird es dauerhaft weiteren Einrichtungen des Bundes Quartier bieten.
Nachhaltiger Holzbau
Die präzise Vorfertigung der Holzmodule ermöglichte eine effiziente Umsetzung, kurze Bauzeiten und eine gleichbleibend hohe Qualität. “Planung, Produktion und Montage greifen dabei nahtlos ineinander – für ein Gebäude, das den Anforderungen moderner Arbeitswelten gerecht wird”, erklärt Kaufmann im Gespräch mit den VN. Die Projektplanung wurde am Hauptsitz in Reuthe durchgeführt, gefertigt wurden die Holzmodule an den Produktionsstandorten Berlin-Köpenick und Berlin-Herzfelde. Das Bauprojekt, das in Zusammenarbeit mit Sauerbruch Hutton Architekten und dem Hamburger Projektentwickler Primus Developments, beides Partner bei etlichen Kaufmann-Großprojekten in Deutschland, realisiert wurde, zeige eindrucksvoll, wie nachhaltiger Holzmodulbau auch komplexe öffentliche Bauaufgaben mit Effizienz, Flexibilität und architektonischer Qualität verbinde.

Der Umzug aus dem Schloss Bellevue ins Vorarlberger Holzhaus war nicht ohne, wie die Deutsche Presseagentur (DPA) berichtet: 950 laufende Meter Akten, 900 Umzugskartons, Schreibtische, Stühle, Regale, Computer und Büropflanzen des Bundespräsidenten und seiner rund 220 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mussten vom eigentlichen Amtssitz zum vorübergehenden gebracht werden. Dazu kamen 76 laufende Meter Personalakten mit Sicherheitseinstufung. Und gegenüber der DPA zog der Bundespräsident auch einen ersten Vergleich mit seinem bisherigen Amtssitz: “Es ist anders als in Bellevue. Aber wir haben natürlich in diesem modernen, eher funktionalen Gebäude gar nicht versucht, den Stil zu kopieren.”

Der Bau ist für das Bregenzerwälder Unternehmen natürlich ein Prestigeprojekt am Hauptmarkt Deutschland, doch lange nicht das einzige. Fertiggestellt wurde auch die Hochschule des Bundes für öffentliche Verwaltung in Rostock-Lichtenhagen, eines der größten Holzmodulprojekte Europas. Über 1000 vorgefertigte Raummodule bilden das Herzstück des Baus, der Maßstäbe setzt. Auch beim Auftragsvolumen von 240 Millionen Euro. “Bei uns läuft es auch weiterhin großartig”, gibt der Firmenchef einen Ausblick, “aktuell sind wir neben den großen Schulprojekten in Berlin (die VN berichteten) an einem großen Studentenwohnheim in Regensburg mit 450 Modulen an der Realisierung dran”. Und auch in Erftstadt in Nordrhein-Westfalen entsteht am Hochschulcampus ein Komplex mit über 500 Modulen.