Simplon-Geschäftsführer: “Ich bin positiv gestimmt, dass wir das hinbekommen”

Produktionsgesellschaft stellt Antrag auf Sanierung, rund 50 Mitarbeiter betroffen, Christoph Mannel bleibt aber optimistisch.
Hard Die 2Rad Produktions GmbH hat am 2. September 2026 einen Antrag auf Eröffnung eines Sanierungsverfahrens ohne Eigenverwaltung gestellt. Das Unternehmen mit aktuell rund 50 Mitarbeitern ist die Produktionsgesellschaft des Fahrradherstellers Simplon.
Das Ziel sei aber klar: “Wir wollen auf jeden Fall weitermachen”, betont Simplon-Geschäftsführer Christoph Mannel.
Übernahme vor 18 Monaten
Bereits im September 2024 hatte die Simplon Fahrrad GmbH einen Antrag auf Sanierung gestellt. Die Verbindlichkeiten lagen damals bei rund 30 Millionen Euro. Im Dezember übernahm dann der österreichische Finanzinvestor SOL Capital Management das Unternehmen. Bei der Produktionsgesellschaft haben sich nun rund fünf Millionen Euro an Verbindlichkeiten angesammelt.

Dass die 2Rad Produktions GmbH den Gang in die Sanierung antreten muss, habe mehrere Gründe, erklärt Mannel. Hauptgrund sei die Liquidität. Einerseits seien die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen im Fahrradmarkt weiterhin herausfordernd. Die Branche kämpfe mit verhaltener Nachfrage, hohen Lagerbeständen sowie erheblichem Preis- und Margendruck.
Insolvenz von größtem Hersteller
“Mit der Insolvenz der Accell-Gruppe, Europas größtem Fahrradhersteller, hat sich die Situation aber noch einmal verschärft. Dadurch haben uns die Zulieferer die Zahlungsziele gestrichen. Das wiegt bei uns doppelt schwer, weil wir durch die laufende Sanierung ohnehin keinen Kreditrahmen bei den Banken mehr haben.”

Zu Beginn der Fahrradsaison und damit vor den umsatzstarken Monaten wäre die Situation weniger problematisch, sagt Mannel. “Jetzt ist es natürlich schwieriger.” Deshalb habe man sich zur Einleitung des Sanierungsverfahrens entschlossen. Betroffen sei ausschließlich die 2Rad Produktions GmbH, betont der Geschäftsführer. Die anderen Simplon-Gesellschaften seien nicht von der Sanierung betroffen.
Suche nach Investor
Da die Fahrradbranche sehr cash-intensiv sei und sich die Rahmenbedingungen bei Kreditlinien und Lieferanten nicht kurzfristig ändern würden, suche man nun nach einem neuen Investor. Dieser soll vor allem zusätzliche Liquidität zur Verfügung stellen.
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Für die Zukunft des Fahrradherstellers zeigt sich Mannel dennoch optimistisch. “Ich bin positiv gestimmt, dass wir das hinbekommen. Wir haben in den vergangenen 18 Monaten gute Schritte gesetzt und sind auf einem guten Weg.” So produziere man mittlerweile im Schnitt mehr Fahrräder pro Mitarbeiter. Zudem gebe es zahlreiche Anfragen anderer Marken, die ihre Räder bei 2Rad fertigen lassen wollen. “Wir haben rund 35 Prozent neue Kunden und eine gute Grundorder. Unsere Bemühungen tragen also Früchte.”

Auch der Fahrradmarkt zeige wieder Erholungstendenzen. Die enormen Bestände, die während des Corona-Fahrradbooms aufgebaut worden seien, hätten sich reduziert. “Wir kommen wieder auf das Niveau von 2018”, sagt Mannel. Prognosen gingen inzwischen von einem jährlichen Marktwachstum von rund drei Prozent aus.
Mitarbeiter “geschockt, aber gefasst”
Die betroffenen Mitarbeiter wurden über die Sanierung informiert. Die Stimmung beschreibt Mannel als “geschockt, aber gefasst”. Besonders beeindrucke ihn die Moral der Belegschaft. “Seither wurde nicht ein Rad weniger produziert, eher mehr. Alle sind da und arbeiten mit. Denn sie sehen schon auch unsere Bemühungen der vergangenen Monate.”
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Eine weitere Reduktion der Mitarbeiterzahl sei derzeit nicht vorgesehen. In der gesamten Gruppe sei die Zahl der Beschäftigten in den vergangenen eineinhalb Jahren bereits von rund 170 auf unter 100 gesunken – vor allem in der Verwaltung. “In der Produktion brauchen wir die Leute, sonst könnten wir weniger Räder produzieren.”
Simplon produziert rund 13.000 Fahrräder pro Jahr.