Vom Sparbuch zum Wertpapier: Was Anleger bei der Veranlagung beachten sollten

Markt / 07.09.2026 • 16:04 Uhr
Vom Sparbuch zum Wertpapier: Was Anleger bei der Veranlagung beachten sollten

Immer mehr Menschen setzen auf Fonds, Aktien und Anleihen. Experten erklären, wie man Risiken streut und typische Fehler vermeidet.

Dornbirn Das klassische Sparbuch verliert als Instrument für den langfristigen Vermögensaufbau seit Jahren an Bedeutung. Immer mehr Österreicher setzen stattdessen auf Wertpapiere. Laut aktuellem Aktienbarometer der Wiener Börse besitzen inzwischen 31 Prozent der österreichischen Bevölkerung ab 16 Jahren Wertpapiere. Besonders verbreitet sind Fonds, gefolgt von Aktien und Anleihen.

Für Gerhard Hamel, Vorstandschef der Volksbank Vorarlberg, und Benjamin Meier, Leiter der Vermögensverwaltung, ist diese Entwicklung nachvollziehbar. “Fondssparen hat das Bausparen ersetzt”, sagen sie. Der entscheidende Vorteil: Auch mit vergleichsweise kleinen Beträgen lässt sich regelmäßig Vermögen aufbauen. Ein Einstieg sei ab 50 Euro im Monat möglich.

Vom Sparbuch zum Wertpapier: Was Anleger bei der Veranlagung beachten sollten
Die Vermögensverwaltung der Volksbank Vorarlberg kommt auch im gesamtösterreichischen Volksbanken-Verbund zum Einsatz.  Stiplovsek Dietmar pauschal

Sparbuch als Reserve

Das Sparbuch oder Sparkonto habe vielmehr eine andere Funktion: jene der finanziellen Reserve. Als Faustregel nennt Hamel zwei bis drei Monatsgehälter, die kurzfristig verfügbar sein sollten, etwa wenn eine größere Reparatur oder eine unerwartete Ausgabe ansteht.

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Wer langfristig Vermögen aufbauen wolle, müsse daher andere Anlageformen in Betracht ziehen. Gerade für Einsteiger stellt sich aber die Frage: Fonds oder Einzelaktien? Meiers Antwort fällt eindeutig aus. Fonds hätten den Vorteil, dass das Risiko breit gestreut werde, weil sie viele verschiedene Unternehmen und Märkte in einem Produkt bündeln.

Bei Einzelaktien sei das anders. “Um dieselbe Streuung zu erreichen, bräuchte man in einem Einzelaktiendepot 30 bis 40 unterschiedliche Titel”, sagt Meier. Das erfordere deutlich mehr Kapital.

Vom Sparbuch zum Wertpapier: Was Anleger bei der Veranlagung beachten sollten
Gerhard Hamel, Vorstandsvorsitzender der Volksbank Vorarlberg: “Geld am Sparbuch verliert real an Wert.” M.HagEN

Breit streuen

Wichtig bei allen Entscheidungen sei die persönliche Situation wie Einkommen, Vermögen und laufende Ausgaben sowie der anvisierte Anlagehorizont. “Langfristigkeit ist letztlich immer das Erfolgsmodell”, sagt Meier. Bei einem Anlagehorizont von zehn oder 20 Jahren könnten zwischenzeitliche Kursrückgänge besser ausgehalten werden.

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Wenn die Psychologie zuschlägt

Auch die Psychologie spiele bei Börsenentscheidungen eine große Rolle. Ein typischer Fehler sei das sogenannte Herdenverhalten. “Ich lese etwas und springe auf den Trend auf, über den alle sprechen. Meistens ist es aber dann schon viel zu spät”, sagt Meier. Gerade starke Kursanstiege würden Anleger dazu verleiten, einem vermeintlich sicheren Trend hinterherzulaufen. Als Beispiel dafür nennt Meier unter anderem Wirecard.

Ein zweiter Klassiker sei die Selbstüberschätzung, auch als “Overconfidence” bezeichnet. Anleger überschätzten dabei ihre eigenen Fähigkeiten, handelten häufiger und konzentrierten ihr Depot stärker auf einzelne Titel. Beides könne die Risiken deutlich erhöhen.

Vom Sparbuch zum Wertpapier: Was Anleger bei der Veranlagung beachten sollten
enjamin Meier leitet die Vermögensverwaltung der Volksbank Vorarlberg. B

Auch der sogenannte Ankereffekt sei zu beobachten. Viele Menschen wollten eine Aktie nicht mit Verlust verkaufen, weil sie darauf warteten, wieder den eigenen Einstiegskurs zu erreichen. Meier empfiehlt deshalb eine andere Frage: “Würde ich mit dem heutigen Wissen diese Aktie zu diesem Kurs kaufen?”

Bei Kryptowährungen wie Bitcoin ist die Volksbank Vorarlberg hingegen zurückhaltend. “Wenn wir selbst ein Produkt nicht zu hundert Prozent verstehen, investieren wir auch nicht”, sagt Meier. Entsprechend gibt es bei der Bank keine Beratung zu Bitcoin.

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Gold als Beimischung

Gold wiederum sieht Meier als sinnvolle Beimischung zur Diversifizierung in jedem Portfolio. Seine Empfehlung liegt bei etwa fünf bis sechs Prozent des Anlagevolumens.

Vom Sparbuch zum Wertpapier: Was Anleger bei der Veranlagung beachten sollten
Gold ist ein sinnvoller Bestandteil in jedem Depot. apa

Dass die Politik den Kapitalmarkt stärker für die private Vorsorge nutzen will, begrüßen Hamel und Meier. Das von Bundeskanzler Christian Stocker angekündigte “Zukunftsdepot” sehen sie positiv. Nach den bisherigen Plänen sollen Eltern für ihre Kinder jährlich bis zu 5000 Euro in Wertpapiere investieren können, ohne dass auf die Erträge Kapitalertragsteuer anfällt.