Vollautomat statt Kapsel: Jura hat die “Umsteiger” im Visier

8000 Kaffeemaschinen werden jedes Jahr in Röthis serviciert. Umsatz hat sich in zehn Jahren verdoppelt.
Röthis Kaffeezubereitungsmethoden gibt es viele. Jura hat sich ganz den Vollautomaten verschrieben, die per Knopfdruck unterschiedliche Kaffeevarianten zubereiten. Mit Kaffeequalität und der Vielfalt an Möglichkeiten sollen zunehmend auch “Umsteiger” erreicht werden – also jene, die bisher auf Kapsel- oder Filterkaffeemaschinen setzen. “Hier sehen wir Potenzial”, sagt Matthias Konzett, der bei Jura Österreich gerade die Geschäftsführung von Andreas Hechenblaikner übernommen hat.

Das Unternehmen, das aktuell auf einen Jahresumsatz von rund 30 Millionen Euro kommt, konnte diesen in den vergangenen zehn Jahren verdoppeln. “Das liegt an der Preisentwicklung, aber auch an den gestiegenen Stückzahlen”, so Konzett.

8000 Maschinen im Service
Röthis ist der Sitz der Österreich-Zentrale. Deshalb kommen auch Vollautomaten aus ganz Österreich hierher zur Reparatur. 8000 Kaffeemaschinen werden dort pro Jahr überholt, serviciert oder repariert. 4500 Ersatzteile liegen dafür bereit. Spätestens nach 48 Stunden soll das Gerät wieder beim Kunden sein. “Wir bieten eine Servicebereitschaft von 20 Jahren an”, betont Konzett.

In Röthis sind neben der Werkstätte auch alle aktuellen Jura-Geräte zu sehen. Neben der Kaffeequalität spielt dabei das Design eine zunehmend wichtige Rolle. “Lange war Weiß die Trendfarbe, nun sind es eher Grau- oder Schlammtöne. Das hängt stark von den Küchenherstellern ab”, erklärt Hechenblaikner. Auch die Größe ist entscheidend. Ein aktuelles Modell ist beispielsweise nur 19 Zentimeter breit. Damit wolle man Kunden ansprechen, für die ein Vollautomat bisher aus Platzgründen nicht infrage kam.

Von Milch bis Cold Brew
Auch beim Kaffee selbst gibt es immer wieder neue Vorlieben. Milchmischgetränke seien bereits seit Längerem ein großes Thema, aktuell beobachte man etwa eine stärkere Nachfrage nach kalt gebrühtem Kaffee.

Beim Verkauf setzt Jura auf den Fachhandel. “Die Menschen informieren sich zwar im Vorfeld im Internet, kaufen aber gerne stationär”, sagt Annette Göbel, die gerade zur Prokuristin bestellt wurde. Auch der entsprechende Service sei dabei ein wichtiges Verkaufsargument.
75 Prozent der Jura-Kunden sind Privatpersonen, 25 Prozent sind Betriebe. Der Privathaushalt sei das Kerngeschäft, allerdings sehe man auch im Office-Bereich noch Potenzial. “Menschen wollen auch im Büro einen guten Kaffee trinken. Wir bieten hier Maschinen mit einer Kapazität zwischen 50 und 300 Tassen pro Tag sowie die Abrechnungssysteme dazu.”

Start mit Bügeleisen
Seit 1991 konzentriert sich Jura ausschließlich auf Kaffeevollautomaten. Das war nicht immer so: Das 1931 gegründete Schweizer Unternehmen hatte ursprünglich Heizgeräte und Bügeleisen im Sortiment. “Diese waren gerade in Hotels sehr beliebt”, erinnert sich Hechenblaikner, der noch bis Jahresende das Team beratend begleitet und dann in Pension geht.

Die Nachfolgelösung bezeichnet er als “Idealfall”. Konzett sei optimal in die neue Rolle hineingewachsen. “Er kennt die Werte und die Prozesse im Unternehmen. Es ist also ein Privileg, mit ihm und Annette Göbel zwei Talente im eigenen Haus zu haben.”