“Ist Künstliche Intelligenz Fluch oder Segen?”

Michael Grahammer über die Auswirkungen des KI-Hypes auf Infrastruktur und Finanzen.
Künstliche Intelligenz (KI) – Fluch oder Segen?
Diese Frage ist nicht einfach zu beantworten. Auf der einen Seite kann KI unser aller Leben wesentlich vereinfachen und einfache bis komplexe kopflastige Tätigkeiten übernehmen, die Routine, Wissen und langjährige Ausbildung erfordern. Auf der anderen Seite zeigt sich zunehmend, dass KI gravierende Risiken für Gesellschaft, Wirtschaft und unser aller Sicherheit mit sich bringt, die am Ende kaum kontrollierbar sind. Autonome KI-Agenten, eine Blasenbildung an den Börsen, die enorme zusätzliche Nachfrage nach Energie und Ressourcen und die Machtkonzentration bei den KI-Unternehmen sind nur einige davon.
Zeichnen sich bereits konkrete finanzielle Folgen ab?
Ja. Neben dem bereits früher erwähnten Börsenhype sind die großen KI-Unternehmen (alle USA) auf immenses Kapital für die Errichtung von Rechenzentren angewiesen. Ein Beispiel ist der Schweizer Kapitalmarkt: Hier wurden (neben allen anderen) allein im heurigen Jahr von Alphabet/Amazon Emissionen über jeweils knapp 3 Mrd. Schweizer Franken (CHF) begeben – die übliche Emission von Schweizer Unternehmen liegt bei ca. 250 Mill. Franken. Durch die zusätzliche Nachfrage tun sich Schweizer Unternehmen schwerer, im eigenen Land Kapital zu beschaffen, und selbst Effekte für den Kurs des CHF sind nicht ausgeschlossen.
Und der Strom?
In sechs Bundesstaaten der USA fließen bereits mehr als 10 Prozent des Stroms in Datacenter; in Virginia sogar 25 Prozent; der weltweite Verbrauch ist bereits gleich hoch wie jener Frankreichs; eine Verdoppelung bis 2030 wird erwartet. Das Problem dabei: Rechenzentren benötigen insgesamt etwa 2–4 Jahre für Entwicklung und Bau. Energieinfrastruktur im Minimum aber sieben bis zehn Jahre. Die Lücke wird also größer und muss zumindest temporär mit teuren CO2-Schleudern (Kohle, Gas etc.) gefüllt werden. Das belastet nicht nur das Klima, sondern verteuert auch den Strom für alle. Ist die KI also Fluch oder Segen? Der kurzfristige Nutzen des Einzelnen kann mittelfristig zum Zauberlehrling für uns alle werden, wenn wir nicht rasch auf globaler Ebene klare Leitplanken setzen. Dass die drei größten KI-Konkurrenten eben das befürworten, ist einerseits beruhigend, andererseits aber auch eine deutliche Warnung vor den Gefahren der KI.