“Wer Milch hat, ist bei uns willkommen”

Markt / 27.09.2026 • 14:14 Uhr
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135 Mitarbeitende beschäftigt Vorarlberg Milch in Feldkirch: Durch die Auslastung und die Investitionen der NÖM sind die Arbeitsplätze sicher, sagt das Management.FA

Die Fusion von Vorarlberg Milch mit der NÖM sorgte im Land für Diskussionen. Nach etwas mehr als einem Jahr ist die Produktion gesichert, und die Investitionen sind hoch.

Feldkirch, Baden Vor wenigen Tagen hat die Obersteirische Molkerei Unterschlupf bei der Berglandmilch gesucht und gefunden. In Deutschland versucht die Unternehmensgruppe Theo Müller (Müller Milch), den sächsischen Milchverarbeiter Vogtlandmilch zu übernehmen. Zwei Beispiele für den Strukturwandel in der Milchwirtschaft, der in Vorarlberg schon im vergangenen Jahr vonstattenging. Die Vorarlberg Milch hat sich im Mai 2025 bei der Generalversammlung der Vorarlberg-Milch-Genossenschaft mit großer Mehrheit (96,47 Prozent) für die Einbringung des Produktionsbetriebs in die NÖM entschieden. Zum richtigen Zeitpunkt, so das neue Führungsteam der Vorarlberg Milch.

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Führungsteam der Vorarlberg Milch zieht Bilanz und erklärt die weiteren Pläne (v. l. n. r.): Aufsichtsratschef Norbert Sieber, Genossenschaftsobmann Erich Jochum, COO Helga Stark und Geschäftsführer Lukas Assmair. VN/Scalet

Denn so Norbert Sieber, der die Interessen der 444 Vorarlberger Genossenschafter im Aufsichtsrat der NÖM vertritt: Das Vorarlberger Unternehmen kämpfte mit Schwierigkeiten, die auch mit der Größe des Unternehmens zu tun haben. “Wir waren zu klein, um im Wettbewerb eine entscheidende Rolle zu spielen, und zu groß, um uns als Spezialitätenproduzent zu platzieren.” Das bestätigt auch der neue Obmann der Genossenschaft, Erich Jochum, der seit Mai in dieser Funktion ist. Die Vorarlberger Genossen sind nun NÖM-Aktionäre und halten drei Prozent am Badener Unternehmen.

Arbeiten im Dreischichtbetrieb

In Feldkirch hat sich seit dem Einstieg der NÖM einiges verändert, und das, so Geschäftsführer Lukas Assmair, zeige Konsumenten und Partnern, dass der Vorarlberger Milchproduzent ein wichtiger Standort sei und bleibe. Sieben Millionen Euro wurden in neue Maschinen investiert, gerade wurde die neue Becherabfüllanlage in Betrieb genommen. Damit wird der Ausstoß von Joghurt und Co. auf völlig neue Höhen gehievt. Jetzt können statt wie früher 50.000 und derzeit rund 600.000 Becher bis zu 1,4 Millionen wöchentlich abgefüllt werden. Der größte Teil davon wird an die Latteria NÖM Srl in Bozen geliefert. Die NÖM ist mit ihrer Marke “Milk” im Segment Joghurt Marktführer in Italien.

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Der Vorarlberg-Milch-Standort Feldkirch ist im NÖM-Reich neben dem Käsebereich für den Joghurt-Nachschub für den Exportmarkt Italien nicht mehr wegzudenken. FA

Für die 135 Mitarbeiter der Vorarlberg Milch sei das ebenso wie für die Landwirtschaft eine tragfähige Zukunftsperspektive, so Sieber. In Feldkirch werde im Dreischichtbetrieb im Jahr rund 57 Millionen Kilogramm Milch verarbeitet, “die Arbeitsplätze sind damit langfristig gesichert.” Und nicht nur das: “Früher mussten wir einen Teil der Milch, der von den Landwirten abgeliefert wurde, am Spotmarkt anbieten – in der Regel zu niedrigen Abnahmepreisen”, erklärt Jochum. Jetzt verarbeite man die gesamte Menge zu hochwertigen Endprodukten mit besseren Preisen. Man könnte sogar mehr Milch verarbeiten, als angeliefert werde, deshalb “sind wir offen für neue Betriebe: Wer Milch hat, ist bei uns willkommen. Nach Jahren des Rückgangs wachsen wir wieder.” Das Angebot gelte auch für jene Landwirte, die sich in den vergangenen Jahren von der Vorarlberg Milch verabschiedeten.

Käse-Kompetenz

Trotz des Joghurts bleibe der Käse im Fokus, gibt Geschäftsführer Assmair einen Ausblick auf die Firmenstrategie. Derzeit sei man mit einem der größten Lebensmittelhändler Österreichs in fortgeschrittenen Verhandlungen über den Vertrieb in diesem Bereich; in der Gastronomie könne die NÖM damit ein komplettes Sortiment liefern. Der Heimmarkt Vorarlberg werde dabei keinesfalls vernachlässigt, so Helga Stark. Auch hier wird investiert: Die neuen Ländle-Milch-Produkte erhalten noch heuer einen Design-Relaunch.

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Feldkirch bleibt mit seinen preisgekrönten Käseprodukten das Käsekompetenzzentrum der NÖM.FA