Paukenschlag: Vorarlberger Automotive-Zulieferer beantragt Millionen-Insolvenz

Hohe Entwicklungskosten und ausbleibender Durchbruch: Verbindlichkeiten bei rund 32 Millionen Euro.
Lustenau Die Krise der europäischen Automobilindustrie setzt auch Zulieferer verstärkt unter Druck. Nun trifft es auch ein Vorarlberger Unternehmen, das als Komponentenhersteller und Entwickler von Technologien im Bereich Thermomanagement, Antriebstechnik und für klimaneutrale Kraftstoffe eng mit dem Automobil- und Mobilitätssektor verbunden ist.

Drei Töchter zahlungsunfähig
Konkret sind drei Gesellschaften des Lustenauer Technologieunternehmens Obrist zahlungsunfähig. So weist die Obrist Powertrain Verbindlichkeiten in Höhe von rund 18,9 Millionen Euro auf, die Obrist Technologies rund 6,1 Millionen Euro. Die deutsche Marketing-, Entwicklungs- und Vertriebsgesellschaft Obrist DE mit fünf Mitarbeitenden ist mit rund 6,8 Millionen Euro Verbindlichkeiten ebenfalls insolvent.

Damit summieren sich die Verbindlichkeiten der drei Gesellschaften auf rund 31,8 Millionen Euro. Demgegenüber stehen Vermögenswerte von insgesamt rund 400.000 Euro. Laut Unternehmensangaben entfällt der überwiegende Teil der Verbindlichkeiten auf Banken sowie gruppeninterne Kredite. Ein sehr großer Teil davon sei zudem durch vorhandene Unternehmensimmobilien, Unternehmensinfrastruktur, Sparguthaben und die Gesellschafter selbst besichert. Die Gehälter der betroffenen Mitarbeitenden seien über den Insolvenzfonds gesetzlich abgesichert.
Stammfirma nicht betroffen
In den beiden Vorarlberger Gesellschaften sind insgesamt neun Mitarbeitende beschäftigt, bei Obrist DE in Deutschland fünf. Von der Insolvenz nicht betroffen ist das Stammunternehmen und Kern der Gruppe, die Obrist Engineering mit rund 30 Mitarbeitenden.

Die 2011 gegründete Obrist Powertrain GmbH widmet sich neuen Antriebslösungen wie beispielsweise der HyperHybrid-Technologie. Als deren 100-prozentige Tochter folgte 2012 die Obrist Technologies GmbH. Sie entwickelt Verfahren zur Herstellung klimaneutraler beziehungsweise klimapositiver Kraftstoffe, sogenannte E-Fuels.

Durchbruch blieb aus
Firmengründer Frank Obrist begründet den Gang zum Insolvenzgericht mit hohen Entwicklungskosten über viele Jahre hinweg und einem ausbleibenden nachhaltigen Durchbruch. “Bis zuletzt waren wir noch in aktiven Verhandlungen mit ausländischen Investoren über den Abschluss eines gemeinsamen Joint Ventures”, weist Obrist darauf hin, alles Erdenkliche unternommen zu haben, um den Fortbestand der Unternehmen abzusichern. “Das Scheitern der Gespräche, aber auch die anhaltende Krise der europäischen Automobilindustrie führten uns letztendlich zur Zahlungsunfähigkeit und damit unausweichlich in die Insolvenz.”

Dabei ist er, wie er sagt, weiterhin fest von der Nachhaltigkeit und den Vorteilen seiner Technologie überzeugt: “Mit dem von uns entwickelten, grünen Methanol ist nachweislich klimapositives Fahren möglich.”

Obrist Engineering ist abgesichert
Obrist Engineering indes sei wirtschaftlich stabil und langfristig liquide. “Alle aktuellen Planungen zu Aufwänden, Kosten, Finanzen weisen auf eine positive Entwicklung hin. Vor diesem Hintergrund sind wir auch bestrebt, das Maximum an Know-how für die Obrist Engineering zu erhalten und vor allem Mitarbeitende beziehungsweise Schlüsselpersonal aus den anderen Gesellschaften zu übernehmen”, bekräftigt Frank Obrist.