Digital statt Laufzettel: Warum Lkw nun nicht mehr nach Wolfurt müssen

Für eine Entwarnung ist es noch etwas zu früh, doch der Verkehrskollaps rund um Wolfurt hat dank “Smart Border Austria” ein Ablaufdatum – vor der geplanten Zeit. Das hat sich geändert.
Bregenz Der Lkw hält an der Haltelinie vor dem Bildschirm, parallel zur Normalspur. Es dauert nur wenige Minuten, bis auf dem Bildschirm ein grüner Kreis mit einem weißen Haken erscheint. Während es für den Lkw am Grenzübergang Mäder in Richtung Vorarlberg weitergeht, steht ein anderer auf dem Kontrollplatz gegenüber. Für ihn geht es vor der Weiterfahrt in die Schweiz zu den Zollbeamten im Grenzhäuschen.

Dies ist die für die Öffentlichkeit sichtbarste Veränderung durch die digitale Zollverwaltung. Künftig sollen durch das Projekt “Smart Border Austria” die Fernfahrer die Zollabfertigung an den dafür eingerichteten Warenorten beginnen. Diese befinden sich bei größeren Speditionen etwa direkt beim Firmensitz. Bei den dafür freigegebenen Grenzübergängen fahren die so vorbereiteten Lkw auf eine Kamera zu, die das Kennzeichen des Lkw scannt. Per Bildschirm wird den Fernfahrern mitgeteilt, ob die Weiterfahrt möglich ist oder ob sie sich am Kontrollplatz beim Zoll zu melden haben.

“Das Ziel des Ganzen ist klar: Wir wollen eine vollkommene Digitalisierung erreichen”, erklärt Landeshauptmann Markus Wallner auf VN-Anfrage an das Land. Es könne nicht sein, dass man im Jahre 2026 noch Laufzettel für den Grenzübertritt brauche. Mitte Mai begannen die Umbauarbeiten an jenen Grenzübergängen, die für den Schwerverkehr freigegeben sind. Den Anfang machte Feldkirch-Tisis; hier begann der digitale Betrieb im Juli. Es folgten die Umbauten der Grenzstellen Höchst, Lustenau, Mäder und Meiningen. Den Abschluss bildet der Grenzübergang Hohenems.

Regelbetrieb
Der Zoll als Hauptbetreiber investierte in das Projekt knapp 20 Millionen Euro, das Land weitere 900.000 Euro in die Baumaßnahmen an den Zollstellen. “Wir sind hier mittlerweile im Regelbetrieb”, betont Wallner. In Meiningen und Hohenems gibt es noch andere Baustellen, etwa in der Verkehrsführung. Auch mit dem Schweizer Zoll müssten noch einzelne Fragen geklärt werden.

Problemloser Start
“Es läuft problemloser als erwartet”, erklärt Michael Zimmermann, Sprecher der Vorarlberger Transportwirtschaft. Er könne von keinen Schwierigkeiten mit der digitalen Voranmeldung des Warenverkehrs berichten, es seien alle Beteiligten gut vorbereitet in die Umstellung gestartet. Zimmermann geht wie Wallner davon aus, dass bis Dezember auch die letzten Hürden ausgeräumt sind – was laut dem Land beinahe eineinhalb Jahre vor dem gesetzten Ziel wäre.

Und auch abseits der Grenzübergänge soll dies zu einer Entlastung führen: Der Güterbahnhof Wolfurt war bislang eine der wichtigsten Anlaufstellen für ortsfremde Spediteure. Hier wurden ihnen die notwendigen Laufzettel ausgestellt und ein Grenzübergang zugewiesen. Gerade in kurzen Arbeitswochen bedeutete dies eine Überlastung der L 190 und einen Kollaps der Anschlussstelle Dornbirn Nord. Selbst eine eigens geschaffene Standspur parallel zur Landesstraße brachte nicht immer Abhilfe.

Zollamt Wolfurt mit Ablaufdatum
Auf dem Papier sollte dies der Vergangenheit angehören. Mit 15. September wurde das Laufzettelverfahren über Wolfurt offiziell eingestellt. Kurzfristig soll die Laufzettelwirtschaft über Wolfurt aber noch als Ausweichlösung möglich sein. “Die Kameraerkennung hat noch ein paar Kinderkrankheiten da und dort”, spricht Wallner von einer 99-prozentigen Erfolgsquote. Auch könne es Speditionen von außerhalb geben, die die Umstellung noch nicht mitbekommen haben. Langfristig werde das Zollamt Wolfurt damit seine Aufgabe erfüllt haben; der Landeshauptmann erwartet mittelfristig eine Auflassung der Dienststelle am Güterbahnhof Wolfurt.