“Wer Auswirkungen des Tourismus mitträgt, sollte bei den Preisen profitieren können”

Markt / 08.10.2026 • 19:00 Uhr
"Wer Auswirkungen des Tourismus mitträgt, sollte bei den Preisen profitieren können"
Investitionen wie diese am Walmendinger Horn sollen das Skiland Vorarlberg konkurrenzfähig halten und den Gästen ein umfassendes Skierlebnis ermöglichen. VN/Paulitsch

Die Seilbahnen stehen in den Startlöchern für die Wintersaison. Man sei gerüstet, auch Schnee werde es geben. Der Seilbahn-Sprecher hofft auf ein baldiges EU-Ja zu Einheimischentarifen.

Schwarzach 32 Skigebiete, 303 Bahnen und Lifte, rund 1000 Kilometer Pisten: Das ist das Skiland Vorarlberg. Direkt bei den Bahnen sind rund 1000 Mitarbeiter beschäftigt, 150 Millionen Euro wurden 2025/26 in Infrastruktur und neue Bahnen investiert. Stolze Zahlen, die aber noch getoppt werden. Denn ohne gut ausgebaute und attraktive Skigebiete wären auch Hotel und Gastronomie in diesem Ausmaß und in dieser Qualität nicht denkbar. Die Gesellschaft für Angewandte Wirtschaftsforschung (GAW) hat im Rahmen des Prozesses zur Entwicklung der Tourismusstrategie 2030 erhoben, dass die Tourismusbranche rund 31.000 Arbeitsplätze generiert.

Grundangebot an Schnee

Jene 1000 Personen, die bei den Seilbahnbetreibern tätig sind, schauen derzeit täglich in den Himmel. Sie warten auf den ersten Schnee. Im Gespräch mit den VN für “Vorarlberg Live” beruhigt der Sprecher der Bergbahnen, Andreas Gapp, und verweist auf entsprechende wissenschaftliche Studien, die zeigen, dass Vorarlberg auch in den kommenden 30 Jahren genug Schnee zum Skifahren anbieten könne. “Die technische Beschneiung wird dabei weiter an Bedeutung gewinnen” – einerseits sei das notwendig, um den Gästen Planungssicherheit zu geben, andererseits eben, um das Grundangebot Schnee langfristig abzusichern. Trotz der langen Trockenperioden seien die Speicherteiche voll. Dem Eindruck, dass nur noch Kunstschnee für weiße Pisten sorge, widerspricht er: “Im Durchschnitt wird während der Saison nur acht Tage beschneit.”

"Wer Auswirkungen des Tourismus mitträgt, sollte bei den Preisen profitieren können"
Tourismus-Experte Prof. Hubert Siller (re.) und der Sprecher der Vorarlberger Seilbahnen, Andreas Gapp (Mitte), im Gespräch mit Andreas Scalet (VN). VN

Ein regelmäßiges Thema sind die Ticketpreise, die heuer zwischen drei und sechs Prozent steigen. “Die Gäste erwarten heute hohe Qualität, Komfort und Verlässlichkeit. Die Vorarlberger Bergbahnen entwickeln ihre Angebote daher laufend weiter und investieren kontinuierlich in moderne, leistungsfähige Infrastruktur”, so Gapp. Untermauert wird das von Hubert Siller, FH-Professor und langjähriger Leiter des MCI-Tourismus, europaweit anerkannter Experte für Tourismus im Alpenraum. “Man muss die Preise auch einordnen”, so der Professor. Denn immer weniger Menschen kaufen sich eine Tageskarte, sehr viele Gäste haben Wochenkarten, wenn sie auf Urlaub kommen. Viele auch Saisonkarten. Damit reduziere sich der Preis für das Skivergnügen deutlich.

Einheimischen-Tickets

Für die Einheimischen soll es außerdem bald wieder einen speziellen Preis geben, erklärt Gapp. Im vergangenen Jahr waren die Vorarlberger Bergbahnen führend daran beteiligt, eine Initiative für die Lockerung der EU-Geoblocking-Regeln einzubringen. Diese Regeln untersagen, dass unterschiedliche Preise und Konditionen aufgrund des Wohnsitzes oder der Staatsangehörigkeit angeboten werden dürfen. “Wir sind auf einem guten Weg, dass diese Lockerungen bald in Kraft treten” und damit Einheimische wieder günstigere Konditionen erhalten. “Denn wer die Auswirkungen des Tourismus im Alltag mitträgt, sollte auch von entsprechenden Angeboten vor Ort profitieren können”, so der Sprecher der Vorarlberger Seilbahnwirtschaft.

Das Vergnügen beim Skifahren spiele weiterhin eine zentrale Rolle: “Die Verbindung aus Naturerlebnis, Bewegung und Emotion sorgt nach wie vor für eine starke Bindung. Die Aufgabe besteht darin, genau diese Begeisterung auch unter veränderten Rahmenbedingungen lebendig zu halten.” Auch bei jungen Menschen, so Tourismus-Experte Siller. Die Faszination des Skifahrens bezeichnet er als Flow, doch erwarten sich die Skifahrer der nächsten Generation ein “Gesamterlebnis”, das neben dem Ski- oder Snowboardfahren Events, Gastronomie und eben Gemeinschaftserlebnis beinhalte.