Döner, Dürüm und die Familie: Die Bickis feiern 50-jähriges Firmen-Jubiläum

Vor 50 Jahren eröffneten der türkische Koch Cuma Bicki und Zumtobel-Personalchef Günter Pichler den ersten türkischen Lebensmittelladen – eine Geschichte von Ankommen und Erfolg.
Dornbirn Als die ersten türkischen Gastarbeiter nach Vorarlberg kamen, hatten sie große Erwartungen: Sie wollten rasch Geld verdienen und dann zurück in ihr Heimatland. Wie man heute weiß, haben sich viele von ihnen mit ihren Familien in Vorarlberg niedergelassen. Damals hatten die meisten von ihnen ein großes Paket für die Reise ins Ungewisse mitbekommen – Lebensmittel als Gruß der Heimat. “Nach drei Monaten”, schätzt der Dornbirner Unternehmer Murat Bicki, der den bekannten Döner-Grill Sark in Dornbirn führt, “gingen die aber zur Neige.” Und es fehlte der Nachschub. Das merkten auch Arbeitgeber, denn auch die Leistung der Mitarbeiter ging deshalb zurück. Das Bauunternehmen Hilti & Weh sann auf Abhilfe und engagierte Anfang der 1970er-Jahre den türkischen Koch Cuma Bicki für die Kantine.

Gleichzeitig machte sich der damalige Personalchef des Leuchtenherstellers Zumtobel, Günter Pichler, Gedanken darüber, wie man die türkischen Mitarbeiter besser betreuen könnte. Für ihn war bald klar, dass ihre Lebensmittel ein wichtiger Schlüssel zu mehr Zufriedenheit und mehr Leistung sind. Dazu brauchte er Expertise. Und die steuerte Bicki bei. Vor 50 Jahren war es dann so weit: Die beiden Männer gründeten ein Unternehmen für den Import und den Vertrieb türkischer Lebensmittel und Haushaltsartikel. Sie eröffneten das erste türkische Lebensmittelgeschäft und Cuma Bicki wurde vom Kantinenkoch zum Unternehmer. “Als der erste Sattelzug zwanzig Tonnen Konserven aus der Türkei bei uns in der Garage in der Haldenstraße ablud, war das eine regelrechte Sensation und man drohte mir, ich würde als ‚Türkenkönig‘ in d’Rätscho kommen”, erinnerte sich Pichler bei einer Veranstaltung.

Das Geschäft – Sohn Murat Bicki nennt es im Gespräch mit den VN einen “Tante-Emma-Laden” – war der Beginn einer Erfolgsgeschichte, die auf der Kooperation der Gründer und dem Fleiß und Einfallsreichtum der gesamten Familie Bicki gebaut war. Vom ersten Tag an war der Laden für die türkische Community ein Anziehungspunkt. Es folgten weitere Filialen, ein Großhandel, die langjährige Zusammenarbeit mit Vorarlberger Lieferanten und eine Sehnsucht Cuma Bickis, die ihn nie verlassen hat. “Unser Vater war immer noch begeisterter Koch”, erzählt Murat Bicki. “Mama und Papa haben dann begonnen, für Feiern Platten und Gerichte in der kleinen Küche unserer Wohnung zuzubereiten”, berichtet Murat Bicki. Und Bruder Orhan, der in Vorarlberg geboren wurde, erzählt: “Ich bin in unserem Laden aufgewachsen.” Dort betreibt Bruder Ayhan Bicki jetzt ein ebenfalls beliebtes Döner-Lokal – es heißt wie der Vater: Cuma Grill.

Das Catering wurde 1981 mit einer kulinarischen Innovation für Vorarlberg erweitert: “Immer am Samstag wurde vor dem Geschäft ein Döner-Spießgrill in Betrieb genommen.” Döner, Dürüm, Lahmacun sind auch das Fundament für den Döner-Grill Sark, der heute von Murat Bicki, Ehefrau Iclal und Bruder Orhan im Schwefel geführt wird und in dem die Gäste Mittag für Mittag für Andrang sorgen.

Zum 50-jährigen Jubiläum haben die Bickis ihrem Lokal Sark (gesprochen: Schark) ein Update mit neuen Räumlichkeiten und einem modernen Erscheinungsbild verpasst. Ihrem Vater Cuma setzten sie zum Firmenjubiläum ein Denkmal mit seinemPorträt an der Wand ihres Lokals, das längst auch von vielen Vorarlbergern Gästen frequentiert wird – zur Eröffnung des umgebauten Lokals gratulierte Dornbirns Bürgermeister Markus Fäßler der Familie, die sich längst als Dornbirner sieht. “Wenn ich im Urlaub bin, sehne ich mich bald nach Hause – nach Dornbirn”, erzählt Orhan Bicki.
