Die Jungen wollen wachsen – trotz Krise

Nur wenige Jungunternehmer erwarten wirtschaftlichen Aufschwung. Für die eigenen Betriebe bleiben sie dennoch optimistisch.
Dornbirn Stimmungsbilder sind angesichts der konjunkturellen Lage und der geopolitischen Rahmenbedingungen derzeit meist von wenig Zuversicht geprägt. Auch jenes der Jungen Wirtschaft Vorarlberg, für das in Zusammenarbeit mit der FHV die Mitglieder befragt wurden, zeigt: Nur 18,7 Prozent erwarten, dass sich die wirtschaftliche Lage im Land in den kommenden zwei Jahren verbessert. Mehr als die Hälfte (52,3 Prozent) rechnet mit einer Stagnation, weitere 29 Prozent mit einer Verschlechterung. Damit fällt die Einschätzung deutlich pessimistischer aus als noch im Vorjahr.

Zuversicht für eigenen Betrieb
Doch der Blick auf die eigene unternehmerische Zukunft fällt wesentlich positiver aus. Trotz schwieriger Rahmenbedingungen glauben die jungen Wirtschaftstreibenden an die Entwicklung ihrer eigenen Unternehmen. „Dass so viel Zuversicht herrscht, ist ein riesiges Asset für Vorarlberg. Es zeigt, dass die jungen Unternehmer daran glauben, trotz schwieriger Rahmenbedingungen weiter zu wachsen“, sagt Alexander Deuring, Unternehmer und Vorsitzender der Jungen Wirtschaft Vorarlberg.

Kostendruck steigt
Eine große Herausforderung sehen die Jungunternehmer bei den steigenden Standortkosten. Drei Viertel der Befragten (75,8 Prozent) betrachten diese als große Belastung. Es fehle also nicht am Unternehmergeist, betont Deuring, vielmehr nehme der Kostendruck auf die Unternehmen zu.

Auch die Künstliche Intelligenz beschäftigt die jungen Wirtschaftstreibenden. Drei Viertel der Befragten sehen die Integration und den sinnvollen Einsatz von KI im Unternehmen als eines der Top-Themen. Gleichzeitig bleibt die Suche nach qualifizierten Arbeitskräften eine Herausforderung. Mehr als die Hälfte der Jungunternehmer empfindet diese als schwierig oder sehr schwierig. „Sie suchen meist spezialisierte Fachkräfte im digitalen Bereich, diese sind nicht leicht zu finden“, sagt JWV-Geschäftsführerin Marie-Christine Häfele.
Ausgebuchte Formate
Die Ergebnisse des Stimmungsbarometers nimmt die Junge Wirtschaft zum Anlass, ihr Veranstaltungsangebot an den Bedürfnissen ihrer Mitglieder auszurichten. „Formate wie die KI-Werkstatt sind komplett ausgebucht“, sagt Häfele. Während im vergangenen Jahr der Vertrieb zu den Top-Themen zählte, stehen heuer Künstliche Intelligenz und finanzielle Absicherung im Mittelpunkt. Auch das Mentoring-Programm wird fortgeführt. „Auch dieses ist ausgebucht.“

Ein wichtiger Rückhalt ist für die Junge Wirtschaft ihr Netzwerk. Seit heuer verfügt sie im Postgarage-Gebäude am Campus V in Dornbirn über einen eigenen Raum für Austausch und Veranstaltungen. Sechs Coworking-Plätze stehen den Mitgliedern dort ebenfalls zur Verfügung. Insgesamt zählt die Junge Wirtschaft Vorarlberg 600 Mitglieder und versteht sich damit als starke Stimme für unternehmerisch denkende Menschen im Land.
Politisches Gehör
Deuring und Häfele ist es deshalb wichtig, den Anliegen ihrer Mitglieder auch politisch Gehör zu verschaffen. „Wir pflegen einen starken Austausch mit allen politischen Parteien in Vorarlberg“, sagt Deuring. Die Zuversicht der jungen Unternehmer sei eine Stärke, die nicht verspielt werden dürfe. „Wir wollen nicht jammern, aber klar sagen, dass es Bedingungen braucht, die unternehmerische Entwicklung ermöglichen.“
Dass die jungen Unternehmer trotz der schwierigen wirtschaftlichen Lage an ihre Zukunft glauben, motiviere ihn auch persönlich, sagt Deuring. „Bei jeder unserer Veranstaltungen spüre ich diese positive Energie.“ Entscheidend sei nun, dass die Rahmenbedingungen mit dieser Zuversicht Schritt halten.