„Zu dritt schaffen wir es nicht, ernst zu bleiben“

Michael „Bully“ Herbig, Christian Tramitz und Rick Kavanian im Interview.
Berlin. (lh) Häuptling Winnetou wünscht sich einen Stammhalter. Das Kaiserpaar Sissi und Franz bezieht eine mysteriöse Immobilie. Lutz und Löffler mischen die Börse auf. 20 Jahre nach der legendären „bullyparade“ schlüpfen Michael „Bully“ Herbig, Christian Tramitz und Rick Kavanian in einer Kinoversion in insgesamt 26 vertraute und neue Rollen.
Welche Bedeutung hat die „bullyparade“ heute noch für Euch?
Herbig: Sie war gleichzeitig meine Filmhochschule und der Urknall meiner cineastischen Laufbahn.
Kavanian: Für mich war’s die Ursuppe meiner gesamten späteren Arbeit.
Tramitz: Wir sind, auch vom Alter her, drei völlig verschiedenartige Menschen. Jeder hat zur „bullyparade“ beigetragen, ohne dass wir uns gegenseitig bevormundet oder behindert hätten.
Wie lange hat es gedauert, bis man sich über das Kinoprojekt einig war?
HERBIG: Die einfachste Entscheidung war, einander wieder zu treffen. Dann ging es nur noch darum, ob wir uns wieder ans Werk machen, etwas „aufstellen“ wollten.
TRAMITZ: Wir haben lange diskutiert, in welche Richtung wir gehen sollten. Am einfachsten wäre natürlich eine Fortsetzung von „Der Schuh des Manitu“ gewesen. Doch wir wollten es nicht einfach, sondern kompliziert.
Hattet Ihr keine Angst, dass sich dieser oder jene Scherzvariante überlebt hat oder nicht mehr zeitgemäß ist?
HERBIG: Die langweiligste Frage, die es gibt, ist, ob etwas noch zeitgemäß ist. Denn zeitgemäß ist es ja womöglich schon morgen nicht mehr.
TRAMITZ: In dieser Situation waren wir auch damals nicht, weil wir bei der Ausstrahlung nicht tagesaktuell waren. Wir haben ja immer im vornherein produziert. Manche der alten Sketches kann man sich heute vielleicht nicht mehr anschauen, auf andere sind wir jedoch noch immer stolz, weil sie so innovativ waren.
Wie habt Ihr die Sache dann in Angriff genommen?
TRAMITZ: Indem wir einfach losgeschrieben haben. Begonnen haben wir mit Old Shatterhand und Winnetou. Da fand ich es am einfachsten, reinzukommen.
HERBIG: Wir haben die Figuren ausgewählt, nachdem wir die Wünsche des Publikums über Facebook abgefragt hatten. Dann
galt es nur noch, sie in
Rahmenhandlungen zu stellen.
Zu Ihrer Raumschiff Enterprise/“Star Trek“-Parodie. Inzwischen gibt es ja bereits eine Menge „Star Trek“- Kinofilme?
HERBIG: Die liebe ich, und ich hatte das Gefühl, dass wir die zumindest zitieren mussten. So wie wir damals in den Neunzigern, „Raumschiff Enterprise“ aus den Sechzigern parodiert haben. Den neuen Look haben wir den modernen Sehgewohnheiten angepasst.
Bully ist natürlich wieder Sissi. Wäre Christian Tramitz in keiner Frauenrolle vorstellbar?
HERBIG: Nein, weil er als Frau wie eine Mischung aus Lisa Fitz und Arnold Schwarzenegger ausschaut.
KAVANIAN: Er ist einfach zu kantig, zu männlich.
TRAMITZ: Aber Bully als Sissi im roten Kostüm fand ich sehr sexy. Und die Bettszene hat mir besonders gut gefallen.
Sie, Bully, drehen als nächsten Film die Flucht von zwei Familien aus der DDR mit einem Heißluftballon in die Bundesrepublik.
HERBIG: Die Entwicklung dieses Projekts dauerte drei bis vier Jahre. Die Story wurde nun auf sehr traurige Art und Weise zur Aktualität. Denn wieder lautet für viele Menschen die Frage: Wie weit bist du bereit zu gehen, um deine Familie und deine Kinder zu retten?
Die Geschichte beruht auf wahren Ereignissen. Sicher haben Sie dafür auch die Stasi-Akten gecheckt?
HERBIG: Und dabei wurde mir klar, wie gefährlich diese Flucht letztendlich war.
Sie werden in diesem Film nicht mitwirken?
HERBIG: Nein, nur Regie führen. Keiner von uns dreien spielt mit. Unabhängig voneinander könnte natürlich auch jeder jederzeit eine ernste Rolle darstellen. Aber zu dritt würden wir es nie schaffen, ernst zu bleiben.