„And the oscar goes to“: Oscar-Nacht endet mit Überraschung

Menschen / 25.02.2019 • 06:07 Uhr / 8 Minuten Lesezeit
 Peter Farrelly nimmt den Preis für den besten Film "Green Book" entgegen.
Peter Farrelly nimmt den Preis für den besten Film „Green Book“ entgegen.

Road-Movie „Green Book“ ist der „beste Film des Jahres“. Mit Podcast des VN-Chefredakteurs Gerold Riedmann.

Los Angeles Das Rassismusdrama „Green Book – Eine besondere Freundschaft“ hat den Oscar für den besten Film gewonnen. Insgesamt erhielt das Werk von Regisseur Peter Farrelly in der Nacht zu Montag drei Auszeichnungen. Der Film erzählt von der ungewöhnlichen Freundschaft zwischen einem schwarzen Musiker und seinem weißen Chauffeur in den USA der 60er Jahre. Als bester Regisseur wurde der Mexikaner Alfonso Cuarón mit der Netflix-Produktion „Roma“ geehrt. Die Hoffnungen der deutschen Filmbranche auf eine Oscar-Statue wurden dagegen enttäuscht.

Am Ende gab es dann doch einen Überraschungssieger: Das Rassismus-Roadmovie „Green Book“ von Peter Farrelly wurde bei der 91. Oscar-Verleihung im Dolby Theatre von Hollywood zum besten Film des Jahres gekürt. Damit komplettierte das in den Südstaaten der 1960er-Jahre spielende Werk ein heuer breites Preisträgerfeld bei der Glamourgala der Filmindustrie.

So konnte „Green Book“ neben der Königskategorie noch zwei weitere Trophäen auf sich vereinen: Die für das beste Originaldrehbuch und die Nebendarstellerkrone an Mahershala Ali als schwarzer Jazzpianist, der mit seinem italostämmigen Chauffeur im US-Süden auf Tournee geht. Auf ebenfalls drei Auszeichnungen kam am Ende das im Vorfeld hoch gehandelte Schwarz-Weiß-Drama „Roma“ des Mexikaners Alfonso Cuaron, der mit zehn Nominierungen gemeinsam mit dem Historienfilm „The Favourite“ als Spitzenreiter ins Rennen gegangen war.

Kein Grund für Trauer, konnte sich Cuaron für seine Netflix-Produktion doch sowohl über den Preis als bester Regisseur sowie als bester Kameramann freuen. Hinzu kam noch der Sieg in der Sparte der besten fremdsprachigen Filme. Yorgos Lanthimos‘ „The Favourite“ indes konnte nur eine seiner zehn Nominierungen in einen Oscar ummünzen: Olivia Colman schlug mit ihrer Leistung als desolate Queen Anne Ko-Favoritin Glenn Close aus dem Feld, die nun bereits sieben erfolglose Oscar-Nominierungen am Konto hat.

An die Spitze der Gewinner setzte sich indes mit der Freddie-Mercury-Biografie „Bohemian Rhapsody“ eine ungleich breitenwirksamere Produktion. Neben drei Ehrungen in den Ton- und Schnittkategorien gab es auch für Hauptdarsteller Rami Malek den begehrten Goldbuben. Und nicht zuletzt reihte sich das ebenfalls an den Kinokassen reüssierte schwarze Actionspektakel „Black Panther“ mit drei Oscars für Kostüme, Soundtrack und Szenenbild in die Liste der Mehrfachgewinner ein.

Alles in allem gestaltete sich die 91. Oscar-Gala mithin als ein Abend der Vielfalt – und das nicht nur, was die breit gestreute Vergabe der Preise betrifft, sondern auch bei den Präsentatoren. Immerhin war es das erste Mal seit 30 Jahren, dass es keinen klassischen Host für die Oscars gab. Dem ursprünglich dafür vorgesehenen Komiker Kevin Hart wurden frühere homophobe Äußerungen zum Verhängnis, weshalb er seinen Job gar nicht erst antrat. Etwas knapper fiel der Abend dadurch letztlich zwar aus – in gut dreieinhalb Stunden war die Sause vorbei -, wirklich kurzweilig war es deshalb allerdings nicht.

Das lag vielleicht auch daran, dass abseits von einem musikalischen Auftakt durch Queen und Adam Lambert sowie vereinzelten humoristischen Einlagen – das Trio Tina Fey, Amy Poehler und Maya Rudolph witzelte sich durch die ersten fünf Minuten – eigentlich nur noch Melissa McCarthy mit einem ausladenden, mit etlichen Stoffhasen drapierten Kleid für einen echten Hingucker sorgte. Ansonsten lieferten Stars wie Serena Williams, Julia Roberts oder Paul Rudd meist trockene, sehr traditionelle Anmoderationen, bevor dann die Preise überreicht wurden. Nach Witz und Esprit suchte man vergeblich.

Dafür wurde es aber mehrfach gesellschaftspolitisch: Nicht nur Javier Bardem sprach sich in einem auf Spanisch gehaltenen Statement für eine offene Gesellschaft des Miteinanders aus. Und immer wieder kamen die kreativen Leistungen von Minderheiten zur Sprache, holte sich außerdem der auch mit 61 noch sehr angriffslustige Spike Lee einen Oscar für das beste adaptierte Drehbuch („BlacKkKlansman“) ab und dachte dabei schon an die Zukunft: „Die 2020 Präsidentenwahl steht vor der Tür“, so Lee: „Trefft die moralische Wahl zwischen Hass und Liebe.“

Nicht nur sein Sieg zeigte, dass die OscarssoWhite-Diskussion vor ein paar Jahren Nachwirkungen hatte: Schwarze Frauen und Männer haben mittlerweile ihren festen Platz bei der Gala gefunden. Mit Malek, Ali und der als beste Nebendarstellerin ausgezeichneten Regina King („If Beale Street Could Talk“) ging erstmals eine Mehrheit der Darstellerpreise an Schauspieler mit nicht-weißer Hautfarbe. Wie King kämpfte später auch Lady Gaga mit den Tränen. Die Popsängerin hat sich mit ihrer Leistung in „A Star is Born“ nicht nur eine Nominierung als beste Hauptdarstellerin erkämpft, sondern konnte schlussendlich einen Goldbuben für den besten Song („Shallow“) mitnehmen. „Das ist wirklich harte Arbeit“, rief sie in Erinnerung, dass man alles erreichen könne, wenn man nur wirklich daran glaube. Eine Botschaft, die an diesem Abend wohl viele unterschreiben würden. Die 91. Oscars haben jedenfalls gezeigt, dass es für jeden einen Platz gibt.

Rami Malek bester Hauptdarsteller

Der US-Amerikaner Rami Malek gewann für seine Darstellung des Queen-Sängers Freddie Mercury in „Bohemian Rhapsody“ die Auszeichnung als bester Hauptdarsteller; der Musikfilm wurde insgesamt vier Mal geehrt. Die Britin Olivia Colman bekam den Hauptrollen-Oscar für ihre Verkörperung der englischen Königin Anne in der Historiengroteske „The Favourite – Intrigen und Irrsinn“.

Filmschaffende oder Produktionen aus Deutschland gingen allesamt leer aus. Das Künstlerdrama „Werk ohne Autor“ von Florian Henckel von Donnersmarck hatte gleich zwei Chancen: In der Kategorie „nicht-englischsprachiger Film“ und für den Kameramann Caleb Deschanel. Beide Auszeichnungen gingen an Cuaróns Werk „Roma“. Der dreifach ausgezeichnete Schwarz-Weiß-Film erzählt von einer Familie im Mexiko der 70er Jahre und ist eine Hommage an die Kindermädchen aus Cuaróns Vergangenheit. Henckel von Donnersmarck hatte 2007 mit dem Stasi-Drama „Das Leben der Anderen“ den Auslands-Oscar gewonnen.

Die deutsch-syrisch-libanesische Produktion „Of Fathers and Sons – Die Kinder des Kalifats“ des in Berlin lebenden Syrers Talal Derki hatte in der Kategorie „beste Dokumentation“ das Nachsehen; auch die deutsche Make-up-Artistin Pamela Goldammer, die für ihre Arbeit in dem Fantasyfilm „Border“ nominiert gewesen war, ging leer aus.

In den Nebendarsteller-Kategorien wurden zwei afro-amerikanische Darsteller geehrt: Regina King gewann mit ihrer Rolle einer kämpferischen Mutter in dem Drama „If Beale Street Could Talk“; Mahershala Ali holte sich nach „Moonlight“ seinen zweiten Oscar für „Green Book“.

Die 91. Oscar-Verleihung hatte diesmal keinen festen Moderator, dadurch fiel die Gala deutlich straffer und geschäftsmäßiger aus als früher. Lediglich zu Beginn der Show im Dolby Theatre in Los Angeles kam Stimmung auf, als die Band Queen mit der Rockhymne „We will rock you“ die Zuschauer begeisterte.

Neues Show-Konzept. Die Oscar-Nacht war heuer deutlich kurzweiliger.
Neues Show-Konzept. Die Oscar-Nacht war heuer deutlich kurzweiliger.

Link zum Podcast des VN-Chefredakteurs Gerold Riedmann. Das sind die Gewinner der 91. Oscar-Verleihung

https://m.soundcloud.com/vnat/das-sind-die-gewinner-der-91-oscars