Ein Leben im Schatten der Herzensdame

Menschen / 16.04.2021 • 21:55 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Lisbeth Bischoff weiß, wie es hinter den Palastmauern zugeht. ORf
Lisbeth Bischoff weiß, wie es hinter den Palastmauern zugeht. ORf

Prinz Philip wünschte sich Beerdigung ohne viel Aufsehen.

London Die Queen höchstpersönlich hat den Dresscode für das Begräbnis ihres Ehemannes festgelegt: schlichte Trauerkleidung, keine Uniform. Die Prinzen Andrew und Harry hätten nicht in ihrer Admirals- bzw. Militäruniform teilnehmen können. Andrew ist von allen Repräsentationspflichten entbunden, seit er mit dem Skandal rund um den inzwischen verstorbenen Jeffrey Epstein in Verbindung gebracht wird, und Harry wurden wegen des Megxit seine militärischen Ehrentitel aberkannt. Die Kleiderordnung ist ein diplomatischer Schachzug, um zusätzliche familiäre Spannungen zu vermeiden.

Prinz Philip bekommt kein Staatsbegräbnis – das ist den Monarchen vorbehalten. Das Begräbnis folgt jenem Ablaufplan, der für den Tod von Queen Mum (gestorben 30.3.2002) bereits seit 1982 fertig in der Schublade liegt. Das entspricht auch den persönlichen Wünschen des Herzogs von Edinburgh, der sich für seine letzte Reise kein Tamtam gewünscht hat.

Der Sarg wird vom ersten Bataillon der „Grenadier Guards“ abgeholt. Es ist eines der fünf Leibregimenter der Queen, dem Philip 42 Jahre lang als Ehrenoberst angehört hat. In einem extra umgebauten Land Rover, an dessen Entwurf Prinz Philip noch selbst mitgearbeitet hat, wird der Sarg transportiert. Vertreter der Royal Navy, der Royal Marines, The Highlanders, des 4th Battalion Royal Regiment of Scotland und der Royal Air Force säumen den letzten Weg von Prinz Philip.

Abschied an besonderem Ort

Es ist der erste Besuch von Prinz Harry in seiner alten Heimat nach dem Interview im US-Fernsehen, das weltweit für Aufsehen gesorgt hat. Seine schwangere Frau Meghan ist auf Anraten der Ärzte nicht mitgekommen. Am 19. Mai 2018 hat Harry seine Meghan in der St. George’s Chapel geheiratet. Jetzt nimmt er an diesem Ort Abschied von seinem Großvater. Wenn sich die Türen schließen, pfeift die Royal Navy Piping Party „Carry On“. Vor dem Altar sind die an Prinz Philip verliehenen Medaillen und Auszeichnungen, der Feldmarschallstab und die Royal Air Force Wings auf einem Kissen drapiert. Der Gottesdienst beginnt mit einer Schweigeminute.

„Toleranz im Überfluss“

Prinz Philip, der Herzog von Edinburgh, wird für seine 70-jährige Arbeit für die Queen, für Großbritannien und das Commonwealth gewürdigt. Ein Leben im Schatten der Herzensdame war er gewohnt, seit er am 20. November 1947 „Lilibeth“ in der Westminster Abbey heiratete. Vom mittellosen dänisch-griechischen Prinzen deutscher Abstammung, der am 10. Juni 1921 als Philip von Schleswig-Holstein-Sonderburg-Glücksburg auf der griechischen Insel Korfu zur Welt kam, wird er durch Heirat zum Herzog von Edinburgh, Graf von Merioneth und Baron Greenwich.

Die Queen verliert mit Philip, dem dienstältesten Prinzgemahl in der Geschichte des britischen Königreichs, ihre wichtigste Stütze, ihren Ehemann und Vater ihrer vier Kinder. „Die wichtigste Erfahrung, die wir gemacht haben“, sagte Philip, „ist die, dass Toleranz der entscheidende Bestandteil jeder glücklichen Ehe ist. Sie können mir glauben: Die Queen verfügt über Toleranz im Überfluss.“