Alle Wege führen zum Käse

Menschen / 09.09.2021 • 18:28 Uhr
Simon Wohlgenannt verkauft Produkte, die ihm am Herzen liegen.
Simon Wohlgenannt verkauft Produkte, die ihm am Herzen liegen.

Ein Wolfurter versorgt Wien und Umgebung mit bestem Käse aus dem Ländle.

Wien Am Yppenplatz in Ottakring findet man, immer der Nase nach, Simon Wohlgenannt hinter seinem Markstand. Wer richtig guten Käse will, der kommt zu ihm. „Mir sind zwei Dinge wichtig. Meine Produkte müssen von bester Qualität sein und sie müssen mir selber richtig gut schmecken. So kann ich hinter dem stehen, was ich verkaufe.“ Hinter bestem Vorarlberger Käse steht Wohlgenannt tatsächlich, bei seinen Markständen in Wien, Baden und Pfaffstätten. Sein Weg zum Käse war allerdings kein gerader.

Nach dem Studium arbeitete der 39-Jährige in der Wiener Kulturszene. „Der Kulturbetrieb ist weniger spannend, als ich dachte. Ich hatte genug von Projekt­arbeit und Filmeinreichungen.“

Idee musste reifen

Der Weg zum Käse war auch ein Ausweg. „Mir taugt, was ich jetzt mache. Ich bin immer im Freien, kann mit meiner Kundschaft direkt reden und muss nicht mehr so viele Mails schreiben“, lacht er.

Die Idee des Käsehändlers musste, wie das bei guten Dingen üblich ist, eine Zeit lang reifen. Die Faszination für Käse war hingegen immer schon da. „Als Vorarlberger ist das ja naheliegend. Als ich zu Beginn des Studiums meinen ersten Käse in Wien kaufte, war das schrecklich. Es gab damals einfach keinen guten. Mein Vater scherzte, ich soll den Käse gleich selbst verkaufen. Der Gedanke ließ mich nicht mehr los.“ Ein weiterer Anstoß kam vom damaligen Mitbewohner. Der Lebensmitteltechnologe hatte ein Faible für Milchprodukte. Wohlgenannt besuchte ihn auf der Alp beim Sennen. „Das hat mir die Augen geöffnet. Dort sah ich, dass Käse eben nicht nur was zum Essen ist. Er ist vielfältig, ist Teil unserer Tradition und er schmeckt.“

Sortiment blind verkostet

Der Weg zum Käse führte dann in den Bregenzerwald. Der Wolfurter begab sich derart inspiriert auf die Suche. „Ich bin durch den Bregenzerwald gefahren und habe Kostproben besorgt, die dann Freunde bei einer Blindverkostung probierten. So habe ich mein erstes Sortiment gefunden.“ Seine Lieferanten kennt der 39-Jährige größtenteils persönlich. „Ich will wissen, dass es den Kühen gut geht, es sollen kleine Sennereien sein. Der Kontakt zu den Bauern ist wichtig. Denn ich könnte auch Produkte verkaufen, die mehr Geld bringen, aber ich verkaufe nur, was ich selbst toll finde. Es ist leicht in Vorarlberg guten Käse zu finden. Mein Job ist, den sehr guten zu finden und an die Kunden zu bringen.“

Wenn es dann mal nicht um Käse geht, spielt Wohlgenannt Gitarre und Bass. „An guten Tagen klingt es nach Blues, an weniger guten nach Punk Rock.“ Die Beatles oder The Clash begleiten ihn in den Feierabend. Und am Wochenende kommen Freunde zum Käsknöpfle-Essen. Weil alle Wege führen dann doch wieder zurück zum Käse. TON

Es ist leicht in Vorarlberg guten Käse zu finden. Mein Job ist, für die Kunden den sehr guten zu finden.“

Frisch aus dem Reifekeller, vom Ländle nach Wien.
Frisch aus dem Reifekeller, vom Ländle nach Wien.
Simon Wohlgenannt wollte immer sein eigener Chef sein: „Ich bin eine One-Man-Show.“
Simon Wohlgenannt wollte immer sein eigener Chef sein: „Ich bin eine One-Man-Show.“
2018 wechselte der erste Käse die Seite der Theke. Natter (2), Wohlgenannt
2018 wechselte der erste Käse die Seite der Theke. Natter (2), Wohlgenannt

Zur Person

Simon Wohlgenannt

Geboren 1. März 1982 in Lustenau

Wohnort Wien, Hernals

Ausbildung BORG Lauterach, Studium Theater-, Film- und Medienwissenschaft (Wien)

Beruf Käsehändler/Marktfahrer

Kontakt Samstags bis 13:00 Uhr am Brunnenmarkt (Yppenplatz/Weyprechtgasse 4)