Alle Wege führen zum Käse

Ein Wolfurter versorgt Wien und Umgebung mit bestem Käse aus dem Ländle.
Wien Am Yppenplatz in Ottakring findet man, immer der Nase nach, Simon Wohlgenannt hinter seinem Markstand. Wer richtig guten Käse will, der kommt zu ihm. „Mir sind zwei Dinge wichtig. Meine Produkte müssen von bester Qualität sein und sie müssen mir selber richtig gut schmecken. So kann ich hinter dem stehen, was ich verkaufe.“ Hinter bestem Vorarlberger Käse steht Wohlgenannt tatsächlich, bei seinen Markständen in Wien, Baden und Pfaffstätten. Sein Weg zum Käse war allerdings kein gerader.
Nach dem Studium arbeitete der 39-Jährige in der Wiener Kulturszene. „Der Kulturbetrieb ist weniger spannend, als ich dachte. Ich hatte genug von Projektarbeit und Filmeinreichungen.“
Idee musste reifen
Der Weg zum Käse war auch ein Ausweg. „Mir taugt, was ich jetzt mache. Ich bin immer im Freien, kann mit meiner Kundschaft direkt reden und muss nicht mehr so viele Mails schreiben“, lacht er.
Die Idee des Käsehändlers musste, wie das bei guten Dingen üblich ist, eine Zeit lang reifen. Die Faszination für Käse war hingegen immer schon da. „Als Vorarlberger ist das ja naheliegend. Als ich zu Beginn des Studiums meinen ersten Käse in Wien kaufte, war das schrecklich. Es gab damals einfach keinen guten. Mein Vater scherzte, ich soll den Käse gleich selbst verkaufen. Der Gedanke ließ mich nicht mehr los.“ Ein weiterer Anstoß kam vom damaligen Mitbewohner. Der Lebensmitteltechnologe hatte ein Faible für Milchprodukte. Wohlgenannt besuchte ihn auf der Alp beim Sennen. „Das hat mir die Augen geöffnet. Dort sah ich, dass Käse eben nicht nur was zum Essen ist. Er ist vielfältig, ist Teil unserer Tradition und er schmeckt.“
Sortiment blind verkostet
Der Weg zum Käse führte dann in den Bregenzerwald. Der Wolfurter begab sich derart inspiriert auf die Suche. „Ich bin durch den Bregenzerwald gefahren und habe Kostproben besorgt, die dann Freunde bei einer Blindverkostung probierten. So habe ich mein erstes Sortiment gefunden.“ Seine Lieferanten kennt der 39-Jährige größtenteils persönlich. „Ich will wissen, dass es den Kühen gut geht, es sollen kleine Sennereien sein. Der Kontakt zu den Bauern ist wichtig. Denn ich könnte auch Produkte verkaufen, die mehr Geld bringen, aber ich verkaufe nur, was ich selbst toll finde. Es ist leicht in Vorarlberg guten Käse zu finden. Mein Job ist, den sehr guten zu finden und an die Kunden zu bringen.“
Wenn es dann mal nicht um Käse geht, spielt Wohlgenannt Gitarre und Bass. „An guten Tagen klingt es nach Blues, an weniger guten nach Punk Rock.“ Die Beatles oder The Clash begleiten ihn in den Feierabend. Und am Wochenende kommen Freunde zum Käsknöpfle-Essen. Weil alle Wege führen dann doch wieder zurück zum Käse. TON
Es ist leicht in Vorarlberg guten Käse zu finden. Mein Job ist, für die Kunden den sehr guten zu finden.“



Zur Person
Simon Wohlgenannt
Geboren 1. März 1982 in Lustenau
Wohnort Wien, Hernals
Ausbildung BORG Lauterach, Studium Theater-, Film- und Medienwissenschaft (Wien)
Beruf Käsehändler/Marktfahrer
Kontakt Samstags bis 13:00 Uhr am Brunnenmarkt (Yppenplatz/Weyprechtgasse 4)