Mit 78 Jahren noch fit wie ein Turnschuh

Jürgen Bettinazzi läuft seit fast 40 Jahren erfolgreich bei Wettkämpfen mit.
Feldkirch Wenn er mal gerade nicht über seine Leidenschaft – das Laufen – redet, dann findet man ihn auf seiner Trainingsstrecke oder auf diversen Bergläufen. Jürgen Bettinazzi ist 78 Jahre alt und fit wie ein Turnschuh. Der Feldkircher läuft, seitdem er 40 Jahre alt ist, auf Schnee wie auch auf der Straße sowie auf Trails in den Bergen. Sein Alter sieht man ihm nicht an. Auch nicht seiner Frau Maria, die ebenfalls lange als Läuferin aktiv war, nun aber mit 77 Jahren nicht mehr an Wettkämpfen teilnimmt. Jetzt geht sie lieber walken, wandern und Ski fahren. Jürgen, der Mitglied beim ULC Bludenz ist, will dagegen noch bis 80 weiterlaufen. Danach gibt es keine Wertung mehr in seiner Altersgruppe.

Beide sind durch das Langlaufen zum Laufen gekommen. Damit sie über die Sommermonate die Kondition nicht verlieren, fingen die beiden, die übrigens seit 58 Jahren glücklich verheiratet sind, an zu laufen. Angefangen mit einem Wettrennen auf die Ruine Tosters, ging es mit dem Vaduzer Lauf weiter, bevor sie sich an den Halbmarathon und schließlich an den Marathon herantasteten.
Doch nur Marathons zu laufen, wäre für Jürgen zu langweilig. Er ist in den Bergen daheim, war jahrelang Bergretter und ist ein begeisterter Bergsteiger. Da wundert es nicht, dass Jürgen Vorarlberg in einem Staffellauf einmal komplett umrundet hat. Dabei sammelten die fünf Läufer Spenden für den guten Zweck. Und weil Vorarlberg nicht reicht, ist das Ehepaar 1997 zusammen mit drei anderen Läufern von Bregenz nach Wien gelaufen. Alle zehn Kilometer wurde gewechselt. Für „Licht ins Dunkel“ haben sie so 685 Kilometer innert 65 Stunden zurückgelegt. Das Längste, was Jürgen am Stück gelaufen ist, waren 60 Kilometer im Marathon und 80 Kilometer im Langlaufen. Durch ihre Läufe ist das Ehepaar schon viel herumgekommen, neben der Schweiz, Liechtenstein, Deutschland und Österreich auch nach Malmö (Europameisterschaft), Venedig und Marrakesch.

Allein am Engadiner Skimarathon haben die beiden 30-mal teilgenommen. Zehnmal war Jürgen schon beim Großglocknertrail dabei. Auch den Montafon-Arlberg-Marathon hat er mehrmals erfolgreich absolviert. 60 Marathons hat Jürgen bereits hinter sich (circa vier pro Jahr), hinzu kommen etliche Berg- und Langläufe. Jetzt macht er zwar keine Marathonläufe mehr, jedoch fährt er immer noch zu Bergläufen – wohlgemerkt mit öffentlichen Verkehrsmitteln, da das Ehepaar kein Auto besitzt. Ob Marathon, Berg- oder Langlauf: Jürgen ist immer vorne mit dabei. 15 Bergläufe hat er heuer absolviert, vor zwei Jahren waren es sogar 23. In seiner Laufbahn landete er nicht wenige Male auf dem Treppchen. In seinem Arbeitszimmer füllen seine Pokale eine ganze Wand aus. Und wenn er von seinen Erfolgen erzählt, wie zum Beispiel von seinem 1. Rang beim Internationalen Berglaufcup oder von seinem 14. Rang bei der Weltmeisterschaft, liegen so viel Stolz und Begeisterung in seiner Stimme, dass man meinen könnte, der Lauf sei erst gestern gewesen.

Seine Trainingsstrecke verlief früher auf die Drei Schwestern. In seinen besten Jahren hat er dafür eineinhalb Stunden gebraucht, heute sind es zweieinhalb Stunden. „Jetzt bin ich nicht mehr so schnell“, sagt er. Doch das Handtuch werfen ist keine Option: „Jeden zweiten Tag rennt er auf die Paulahütte in Schaanwald“, erzählt Maria. Für die 600 Höhenmeter und zwölf Kilometer braucht er etwas mehr als eine Stunde. „So viel Pulver darf man beim Training nicht verschießen“, lacht er.

Verletzt hat er sich während des Laufens noch nie. Wind und Wetter schrecken ihn auch nicht ab. Beim Langlaufen war es einmal minus 18 Grad kalt. „Da konnten wir nicht einmal mehr reden. Die Oberschenkel liefen blau an“, sagt Maria. Der schönste Lauf war sicherlich der in Marokko, wo sie eine Woche verbrachten und sogar vom König empfangen wurden. Doch auch die Silvesterläufe und der mit 1800 Höhenmetern anstrengendste Lauf in Galtür werden Jürgen noch lange in Erinnerung bleiben. VN-JUN
Zur Person
Jürgen Bettinazzi
Läufer
Geboren 9. März 1943
Wohnhaft Feldkirch, gebürtig aus Lienz
Beruf Schreiner
Familie glücklich verheiratet mit Maria
Hobby Laufen, Skifahren, Wandern