Menschen und die Erde spüren

Menschen / 18.02.2022 • 17:50 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Gruppenbild mit Bischof Abraham und Jugendlichen einer Schule in Meki.
Gruppenbild mit Bischof Abraham und Jugendlichen einer Schule in Meki.

Seit bald 30 Jahren arbeitet Martin Hagleitner-Huber in der Caritas-Auslandshilfe.

Dornbirn „Du bist wieder da!“, zeigt sich die Kollegin sichtlich erfreut. Martin Hagleitner-Huber (56) nickt zustimmend und verspricht, demnächst bei einem Kaffee von seiner Reise nach Äthiopien zu erzählen. Eben erst ist der Leiter der Caritas-Auslandshilfe aus dem Projektgebiet im Boronaland zurückgekehrt. Viel Gutes hat er nicht zu berichten. Neben dem Bürgerkrieg setzt auch eine Dürre den Menschen im Süden zu. Das Vieh, ihre Lebensgrundlage, stirbt ihnen gnadenlos unter den Händen weg, die Lebensmittelpreise steigen ins Unendliche, sogar Milch ist schon zum Luxusgut geworden. „Es ist eine furchtbare Sache“, fasst Martin Hagleitner-Huber seine Schilderungen zusammen und spricht von Äthiopien als dem größten Sorgenkind.

Fokus auf die Mädchen

Derzeit läuft wieder eine Spendenaktion, welche helfen soll, die ärgste Not zu lindern. Es geht um Futtermitteltransporte, um wenigstens einen Teil des Viehbestandes durchzubringen, sowie um eine finanzielle Unterstützung der Bewohner dieser Region. Ein weiteres wichtiges Anliegen ist, die Kinder und da vor allem die Mädchen in den Schulen zu belassen. „Sie werden in Krisenzeiten als erste aus der Schule genommen, und dann nimmt ihr Leben eine ganz andere Wende“, weiß Hagleitner-Huber. Damit verbunden ist auch die Sicherung von Schulausspeisungen. Für die Kinder bedeuten sie meist die einzige warme Mahlzeit am Tag. Martin Hagleitner-Huber spricht von einer Tragik, im 21. Jahrhundert noch Schulausspeisungen am Leben erhalten zu müssen auf einem Planeten, dem es an Nahrungsmitteln eigentlich nicht mangeln würde. Er ist deshalb „heilfroh und dankbar“, dass die Vorarlberger weiterhin bereit sind, mit ihren Spenden einen Beitrag zur Verbesserung der Situation dieser Menschen leisten. Im vergangenen Jahr konnten die Spendenerträge sogar gesteigert werden.

Prägende Erfahrung

Martin Hagleitner-Huber arbeitet schon seit 1994 in der Auslandshilfe der Caritas Vorarlberg. Ein Aufenthalt in Ecuador während des Studiums ließ in ihm den Wunsch reifen, in diesem Feld tätig zu werden. „Es war eine prägende Erfahrung“, erinnert sich der Lustenauer. Sie sensibilisierte ihn nachhaltig, sich für soziale Gerechtigkeit einzusetzen. So führte ihn der Weg nach dem Studium der Theologie und Geschichte direkt zur Caritas, die damals gerade dabei war, eine Abteilung für die Auslandshilfe aufzubauen und eine entsprechende Stellenausschreibung lanciert hatte. Inzwischen kennt Martin Hagleitner-Huber das Geschäft in- und auswendig. Abgestumpft hat ihn seine langjährige Tätigkeit aber nicht. Im Gegenteil. „Es ist eine schöne Arbeit“, sagt er voller Überzeugung. Dabei gehe es nicht nur um individuelle Förderung, sie trage auch Licht und Zuversicht in die Gesellschaft dieser Länder.

Eine Veränderung hat der Vater von zwei Töchtern jedoch sehr wohl an sich wahrgenommen. „Ich bin dünnhäutiger und mir selbst gegenüber kritischer geworden“, räumt er ein. Immer mehr beschäftigt ihn der Umstand, dass die Handlungen, die wir hier setzen, für andere dramatische Folgen haben können. Ein Zweifler wurde Martin Hagleitner-Huber deshalb aber nicht. Aus Begegnungen mit Menschen und deren Lebensfreude schöpft er Zuversicht, ebenso aus dem, was aus der vielfältigen Hilfe erwächst, selbst, wenn dies nur in kleinen Schritten geschieht. Auch den regelmäßigen Austausch mit Kollegen empfindet er als wertvolles Geschenk: „Ich muss Menschen und die Erde spüren.“ VN-MM

„Ich bin heilfroh und dankbar über die Spendenbereitschaft der Vorarlberger.“

Die Begegnung mit fremden Kulturen empfindet Martin Hagleitner-Huber stets als Bereicherung.
Die Begegnung mit fremden Kulturen empfindet Martin Hagleitner-Huber stets als Bereicherung.
Martin Hagleitner-Huber (l.) mit dem Kardinal von Addis Abeba, Berhaneyesus Demerew, und Tierarzt Hermann Aschl.Caritas, VN/Steurer
Martin Hagleitner-Huber (l.) mit dem Kardinal von Addis Abeba, Berhaneyesus Demerew, und Tierarzt Hermann Aschl.Caritas, VN/Steurer
Emil Nachbaur und Hagleitner-Huber bei der Besprechung von Architekturskizzen für Emils Kleine Sonne in Armenien.

Emil Nachbaur und Hagleitner-Huber bei der Besprechung von Architekturskizzen für Emils Kleine Sonne in Armenien.

Zur Person

Martin Hagleitner-Huber

Alter 56

Ausbildung Studium der Theologie und Geschichte

Werdegang Leiter der Caritas-Auslandshilfe

Familie 2 Töchter (22 und 17 Jahre)

Wohnort Lustenau