Herbe Niederlage für Boris Becker

Menschen / 08.04.2022 • 22:05 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Boris Becker verließ mit seiner Freundin Lilian de Carvalho Monteiro und Sohn Noah das Gerichtsgebäude. Reuters
Boris Becker verließ mit seiner Freundin Lilian de Carvalho Monteiro und Sohn Noah das Gerichtsgebäude. Reuters

Der Ex-Tennisstar wurde im Strafprozess wegen Insolvenzverschleppung in mehreren Anklagepunkten schuldig gesprochen.

London Nach zähen Stunden des Wartens auf den zugigen Fluren des Southwark Crown Court geht auf einmal alles ganz schnell. Einer der Geschworenen im Londoner Strafprozess gegen Boris Becker (54) erhebt sich und rattert im Sekundentakt die einstimmige Entscheidung der Jury in 24 Punkten der Anklage herunter. Viermal lautet das Urteil: „schuldig“. Nur wenige Zentimeter trennen Beckers Gesicht von der Glasscheibe, vor der die Worte gesprochen werden, die über seine Zukunft entscheiden. Der junge Mann, der im Namen der gesamten Jury das Urteil verkündet, trägt ein schwarzes T-Shirt, Becker Nadelstreifenanzug. Das Gesicht des Ex-Profis ist gerötet.

Theoretisch drohen Becker bis zu sieben Jahre Haft. Ob er tatsächlich hinter Gittern landet, entscheidet die Berufsrichterin. Bis zum 29. April geht das große Zittern weiter, dann will Richterin Deborah Taylor ihr Strafmaß verkünden. Becker kann danach noch immer Einspruch einlegen. Die Anklage hatte Becker in 24 Anklagepunkten vorgeworfen, in seinem Insolvenzverfahren Teile seines Vermögens – darunter Immobilien, Konten und einige der wichtigsten Trophäen seiner Karriere – verschleiert zu haben und die Schuld seinen Beratern zuzuschieben, die sich ihm zufolge um seine Finanzen gekümmert haben. Becker selbst stritt die Vorwürfe ab. Sein Verteidiger erklärte, sein Mandant sei zwar naiv, aber unschuldig. Es sei kein Verbrechen, sich auf Berater zu verlassen. In 20 von 24 Punkten folgte die Jury dieser Argumentation.

Staatsanwältin zufrieden

Doch der Schuldspruch in vier Punkten könnte ausreichen, um Beckers Leben zu verändern. Staatsanwältin Rebecca Chalkley, die den Angeklagten im Prozess scharf angriff, zeigt sich erleichtert. Ob sie zufrieden damit sei? „Ja, bin ich“, sagt sie auf Nachfrage und nickt lächelnd. Seit Mittwochnachmittag hatten die Geschworenen diskutiert.

Nach dem Urteil bleibt Becker, der tagein, tagaus draußen Blitzlichtgewitter über sich ergehen ließ, schmallippig. Auf Reporterfragen antwortet er nicht. Seine Strategie, sich auf seinen Namen und die Erfolge seiner Vergangenheit zu verlassen, ist vorerst ans Ende gekommen. Auf dem schnellsten Weg macht er sich am Freitagnachmitag mit seiner Freundin Lilian de Carvalho Monteiro und seinem Sohn Noah im Taxi auf den Weg. Beide hatten ihn in den Tagen des Zitterns im Gericht unterstützt und mit ihm stundenlang ausgeharrt. Tagein, tagaus hatte Becker zuvor seit Beginn des Prozesses vor knapp drei Wochen im für den Angeklagten reservierten Glaskasten in der Mitte des Gerichtssaals 3 gesessen. Ob sein künftiger Aufenthaltsort wohnlicher sein wird, ist fraglich.

Ein Taxi holte den Ex-Tennisprofi nach dem Urteil in London ab.

Ein Taxi holte den Ex-Tennisprofi nach dem Urteil in London ab.

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