Artur Köb: Nach 4000 Einsatzflügen ist nun Schluss

Menschen / 05.05.2024 • 06:00 Uhr
Artur Köb
Artur Köb prägte die Flugrettung in Vorarlberg und Österreich für ein gutes Vierteljahrhundert. VN/Rauch

Er prägte die Flugrettung im Land wie kaum ein anderer. Nun übergibt Artur Köb die Führung in neue Hände.

Au, Nenzing Am Dienstag saß Artur Köb zum letzten Mal als Flugretter im Christophorus 8 der Vorarlberger Flugrettung. In 30 Jahren absolvierte er an die 4000 Einsätze. 24 Jahre war er Flugrettungsreferent, davon sieben Jahre Bundesflugrettungsreferent. Und nicht nur, dass er zweimal den Stützpunkt wechselte, er verantwortete mit Nenzing 2006 und Zürs 2016 zwei Stützpunkt-Neubauten. Nun geht er in Pension.

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Angefangen hat alles vor über 40 Jahren in der Ortsstelle Au. “Dort habe ich dann die Weiterbildung zum Alpinausbilder gemacht”, erinnert sich Köb. “Da war es aber schon mein Ziel, Flugretter zu werden.” Der damalige stellvertretende Landesausbildungsleiter machte die Weiterbildung zum Notfallsanitäter, um sich bewerben zu können. “Ich habe mich als Flugretter beworben und bin auch Flugretter geworden. Das hat sich dann aber alles ganz anders entwickelt.” 1999 wurde er dann sogar Flugrettungsreferenten.

Artur Köb
Artur Köb an seinem Arbeitsplatz: Der Flugretter sitzt im Helikopter links neben dem Piloten. VN/Rauch

Damals stellte noch die Polizei den Rettungshubschrauber. Von Montag bis Donnerstag stellte die Alpinpolizei die Flugretter, am Wochenende und Feiertagen die Bergrettung. Da konnte es passieren, dass der Hubschrauber von einer Verkehrsüberwachung kommend schnell die Flugretter aufnahm und in den Rettungseinsatz wechselte. Für den jungen Referenten kam zur Jahrtausendwende die erste Herausforderung: Das Innenministerium gab die Flugrettung ab. “Als sich das abzeichnete, haben wir gleich das Gespräch mit dem ÖAMTC gesucht”, erinnert sich Köb. In Vorarlberg trägt nun die Bergrettung die Verantwortung, der ÖAMTC stellt die Maschine und Piloten. Es folgten die Umschulungen auf den zweimotorigen EC 135 und eine Standortsuche. Über Frastanz kam man dann 2006 zum neugebauten Standort in Nenzing. Inzwischen dienen die ehrenamtlichen Bergretter auf drei Hubschrauber, jeder an die 90 Tage im Jahr – was auch eine Herausforderung für sich ist.

“Vor 15 Jahren flog der Hubschrauber nur, wenn es um Leben und Tod geht”, betont Köb. Durch die vielfältigen Versicherungsmöglichkeiten ist dies heute anders. Und eine schnelle Bergung der Verletzten verringert das Risiko von Folgeverletzungen. Auch die Ansprüche an die Flugretter veränderte sich. “Er ist für die Absicherung des Hubschraubers zuständig, muss den Notarzt unterstützen und dazu schauen, dass er sicher aussteigt und im alpinen Gelände im Auge behalten”, zählt Köb auf. So kann sich der Pilot ganz auf den Flug konzentrieren. “Das ist nicht wie beim Rettungsauto, wir können nicht mal eine Beule fahren.”

Artur Köb
Artur Köb sorgte jahrzehntelang dafür, dass für die drei Rettungshubschrauber auch die notwendigen ehrenamtlichen Flugretter der Bergrettung verfügbar sind. VN/Rauch

Umso erstaunlicher, dass Köb nie einen Kratzer davon trug. “Wir sind eine Crew, da ist es wichtig, dass es harmoniert”, betont er. Sprich, man trifft die Entscheidungen im Sinne der Sicherheit, ohne einander Druck zu machen. Und es geht nicht immer gut aus. “Ich kann mich an einen Tag erinnern, da hatten wir fünf Tote”, weiß Köb zu berichten. Man lebe aber für die anderen Tage: “Reanimationen, die eine große Baustelle waren, aber für den Patienten gut ausgingen – das sind für uns die schönen Einsätze.”