Lisbeth Bischoff über eine Krönungszeremonie ohne Krone

Feierlichkeiten anlässlich der Volljährigkeit von Prinz Hisahito.
Tokio Wie sein Vater und seine männlichen Vorfahren erlebt der Zweite der Chrysanthemen-Thronfolge eine traditionelle Krönungszeremonie, das sogenannte “Kakan-no-Gi”, um seinen Eintritt in das Erwachsenenalter zu markieren. Am 6. September wurde er 19 Jahre alt. Doch zelebriert wird heuer sein 18. Geburtstag. Denn letztes Jahr wollte er sein Studium nicht unterbrechen, und daher werden die Feierlichkeiten um ein Jahr verschoben. Vom 6. bis 10. September dauert die Krönungszeremonie. Die Geburt von Hisahito sorgt im Kaiserhaus für großes Aufatmen. Denn seit der Hochzeit des heutigen Kaisers Naruhito lastet eine hohe Erwartungshaltung auf dessen Ehefrau Masako, einen Sohn zu gebären. 2001 kommt “nur” eine Tochter zur Welt: Aiko. Der Druck, einen Sohn zu gebären, belastet Masako weiter psychisch. Erst als Naruhitos jüngerer Bruder Akishino für einen männlichen Nachkommen sorgt, entspannt sich die Situation.

Prinz Hisahito ist das erste Mitglied des Kaiserhauses, das mit 18 volljährig ist. Bis 2022 war die Volljährigkeit in Japan auf 20 Jahre festgelegt. Hisahito erhält das “Kanmuri”, eine traditionelle schwarze Kopfbedeckung, die speziell für ihn angefertigt wird. 15.000 Euro sind dafür budgetiert. Um die Kosten gering zu halten, trägt Hisahito Kleider seines Vaters von dessen Volljährigkeitszeremonie 1985. Ein Wechsel von Kinderkleidung in das von erwachsenen Männern getragene Kostüm “Sokutai” ist Teil der Zeremonie. Obwohl keine Krone im Spiel ist, hat sich der Begriff “Krönung” international durchgesetzt.

Von seinem Onkel Naruhito, dem Kaiser, erhält Hisahito den “Chrysanthemen-Orden”, den höchsten Orden Japans, gestiftet 1876 von Kaiser Meiji. Er steht für Langlebigkeit und Glück im Leben. Die Chrysantheme ist das kaiserliche Symbol, das Thron, Siegel und Reisepass ziert. Übrigens: Wenn Prinzessinnen im japanischen Kaiserhaus volljährig werden, erhalten sie ihr ganz persönliches Diadem.
Lisbeth Bischoff ist Adelsexpertin und lebt in Dornbirn