Vorarlberg gegen den Österreich-Trend: “Für kleine Kinos ist das eine Hungerpartie”

Menschen / 15.01.2026 • 10:22 Uhr
Vorarlberg gegen den Österreich-Trend: "Für kleine Kinos ist das eine Hungerpartie"
Pierre Fenkart von der Kinothek in Lustenau spricht von deutlichen Besucherrückgängen. VN/Paulitsch

Bundesweit melden Kinos starke Zuwächse bei den Besucherzahlen. In Vorarlberg zeigt sich ein gänzlich anderes Bild.

Darum geht’s:

  • Kinos in Österreich verzeichnen Umsatz- und Besucherzuwächse.
  • Vorarlberger Kinos liegen unter dem Vorjahresniveau.
  • Kinothek Lustenau kämpft mit deutlichem Besucherrückgang.

Schwarzach Der Kinoaufschwung ist da, zumindest auf dem Papier. Österreichs Kinos haben 2025 wieder zugelegt: Laut Österreichischem Filminstitut stiegen die Kinobesuche um 8,1 Prozent im Vergleich zum Vorjahr, der Umsatz um elf Prozent. Mit mehr als elf Millionen verkauften Tickets und 124,6 Millionen Euro Box Office nähert sich die Branche wieder dem Niveau von 2023 an. In Vorarlberg zeigt sich hingegen ein ganz anderes Bild.

Kinobetreiber und -sprecher Michael Wieser schlägt Alarm: Über ein Drittel weniger Zuschauer als im Vor-Corona-Jahr 2019 machen den Kinos zu schaffen.  VN
Rund drei Prozent weniger Besucher kamen letztes Jahr ins Kino Bludenz. JS

“Wir liegen sogar leicht unter dem Vorjahr”, sagt Michael Wieser, Vorarlberger Kinosprecher. Rund drei Prozent betrage das Minus in seinen Kinos in Dornbirn und Bludenz. Von einer Krise will Wieser dennoch nicht sprechen. Vielmehr zeige sich einmal mehr, dass der österreichweite Trend regional nicht eins zu eins umsetzbar ist. Kinofilme wie “Aufputzt is’” seien zwar gespielt worden, hätten aber nicht dieselbe Resonanz ausgelöst wie im Osten des Landes. “Wenn es nicht der Josef Hader ist, sind die Wiener für uns eher wurscht”, so Wieser, der ergänzt, dass bayerische Filme in Vorarlberg oft leichteres Spiel hätten.

Streamingdienste sieht der Kinosprecher nicht als große Konkurrenz. “Dort werden vor allem Serien konsumiert, während Kinofilme nach wie vor auf der großen Leinwand funktionieren.” Einzelne Kassenerfolge hätten zuletzt gezeigt, dass Kino nach wie vor die Nummer eins ist. “Aber dafür müssen eben auch die Rahmenbedingungen wie zum Beispiel das Wetter passen.” Entsprechend optimistisch blickt Wieser auf das laufende Kinojahr.

Minus 20 Prozent in der Kinothek Lustenau

Wesentlich angespannter ist die Lage in Lustenau. Dort kämpft das Kino seit Längerem mit deutlichen Besucherrückgängen. “Letztes Jahr hatten wir noch 20.600 Besucher, heuer sind es nur noch knapp 16.000”, sagt Betreiber Pierre Fenkart. Das entspricht einem Minus von rund 20 Prozent. Besonders spürbar sei der Rückgang bei den Abendvorstellungen. “Seit Corona haben wir da Riesenprobleme. Vor allem Erwachsene gehen deutlich seltener ins Kino”, beobachtet Fenkart. Streamingdienste und die Gewohnheit, Filme zu Hause zu schauen, hätten das Verhalten nachhaltig verändert. Eine Trendwende hält er zwar für möglich, “aber das wird sicher noch ein paar Jahre dauern”.

“Jeder Besucher, der uns fehlt, tut richtig weh”

Hinzu komme die starke Konkurrenz im Unterland. “Wir sind von Kinos umzingelt”, sagt Fenkart und verweist auf mehrere Standorte in der Umgebung und der benachbarten Schweiz. Wirtschaftlich sei die Situation für kleine Kinos heikel. “Jeder Besucher, der uns fehlt, tut richtig weh”, sagt Fenkart. Ein Mehrsaal-Kino brauche rund 20.000 Besucher pro Jahr, sagt der Kinobetreiber. “Alles darunter wird eine Hungerpartie.” Dass das Kino in Lustenau dennoch weitergeführt werden kann, liege auch an der Unterstützung durch die Gemeinde, die die Förderung zuletzt erhöht habe.

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Das Cineplexx hingegen spricht von einer Aufwärtsbewegung in Vorarlberg. “Das vergangene Jahr hat einmal mehr gezeigt, welches Potenzial Kino entfalten kann, wenn das Filmangebot stimmt”, teilt ein Cineplexx-Sprecher auf VN-Anfrage mit. Insgesamt wurden in Vorarlberg über 550.000 Tickets gelöst, davon rund 500.000 bei Cineplexx Hohenems und Lauterach. “Für 2026 rechnen wir mit einer weiteren Steigerung von etwa 10 Prozent. Damit sollte auch die 600.000er-Marke erstmals überschritten werden.”