Vier Jahre Herzblut: Angelika Kratzer und die neuen Gewänder für den Gildenball

Hofkämmerin Angelika Kratzer investierte vier Jahre Herzblut in das neue Gewand der Bregenzer Faschingsgesellschaft.
Von Jasmina Erdic
BREGENZ “Ich liebe es, Menschen schön zu machen”, sagt die 57-jährige Bregenzerin Angelika Kratzer über ihre Rolle als Hofkämmerin und Ordensdame in der Bregenzer Faschingsgesellschaft (BFG).
Bald ist es wieder so weit: In Bregenz findet eines der größten Faschingsfeste statt – der Gildenball. Am Freitag werden sich rund 1000 Ballgäste im Bregenzer Festspielhaus versammeln, um Teil dieser Geschichte zu sein. Das diesjährige Thema des Gildenballs lautet “Kiss me quick”, inspiriert von den 1960er-Jahren.
Große Verantwortung im Ehrenamt
Angelika übernimmt dieses Jahr eine große Verantwortung bei der BFG, bei der sie seit 2016 Mitglied ist und seit 2018 die Ämter der Hofkämmerin und Ordensdame bekleidet. “Als Hofkämmerin habe ich die Aufgabe, dafür zu sorgen, dass alle schön gekleidet sind”, erklärt Kratzer. Und es wurde langsam Zeit für neue Gewänder.
Ein vierjähriger Prozess
Ihre Motivation zieht die Bregenzerin aus der Freude am Gestalten: „Es bedeutet mir viel, Teil des großen Ganzen zu sein und unterstützend mitzuwirken.“ Die kreative Ader begleitet sie schon lange – sei es durch 20 Jahre Bühnenerfahrung beim Theater Hörbranz oder in ihrem eigenen Malatelier. Die Aufgabe als Hofkämmerin war für sie daher eine Herzensangelegenheit.
Doch die Aufgabe war nicht immer einfach. “Die Stoffsuche hat viel Zeit in Anspruch genommen. Von der Qualität, der Farbe und der Musterung her wollten wir natürlich, dass es etwas Exquisites wird. Ich habe erst letztes Jahr den richtigen Stoff gefunden”, schildert Kratzer. Besonders wichtig war ihr dabei, dass sowohl die Stoffe als auch die Borten aus der EU stammen – fündig wurde sie schließlich direkt bei Vorarlberger Firmen. Wichtig war der Bregenzerin zudem, dass die neuen Uniformen einen Bezug zur Tradition behalten: “Wir wollten uns nicht zu massiv von den alten Gehröcken unterscheiden.”

Insgesamt arbeitete Angelika vier Jahre an den neuen Gewändern. Zwischen der Stoffsuche und den ersten Skizzen traf sie sich regelmäßig mit den anderen Mitgliedern der Faschingsgesellschaft, um sich auszutauschen und Meinungen einzuholen. Zudem erhielt sie tatkräftige Unterstützung von der Bregenzer Schneiderin Suzanne Pashinyan, die die Uniformen für jede Person individuell und passgenau anfertigte.
Der Moment der Fertigstellung war für sie ein Highlight: “Ich war überglücklich, als ich die Prototypen bekommen habe. Ich erhielt einen Prototyp und der Präsident ebenfalls. Diese haben wir dann bei einem Anlass angezogen und präsentiert.”

Neben der Gestaltung der Kleidung führt sie als Ordensdame das Ordensbuch, ein wichtiges Verzeichnis, um die Übersicht über alle Ehrungen zu behalten. Darin wird genau dokumentiert, welche ausgewählten Mitglieder verschiedener Faschingsvereine einen Orden erhalten und welche ehrenvollen Mitglieder mit einem Freundschaftsorden ausgezeichnet werden. Auf diese Weise wird sichergestellt, dass jeder die verdiente Anerkennung bekommt und sich niemand ausgegrenzt fühlt, denn laut Kratzer ist das Ordensbuch “ein ganz wichtiges Buch, um sicherzugehen, dass alles gerecht abgedeckt ist”.
Ein Blick in die Zukunft
Für Angelika ist dieses große Projekt nun abgeschlossen, doch Ziele für die Zukunft hat sie weiterhin: “Ich wünsche mir, dass wir einfach so eine positive, tolle Gesellschaft bleiben, die viel Engagement und Initiative zeigt und das alles ehrenamtlich leistet.” Unter anderem hat sie für den Ball einen ganz klaren Wunsch: “Ich wünsche mir auch, dass wir das bleiben, was wir sind – dass wir unseren Gästen nach wie vor einen der schönsten Bälle im Westen Österreichs bieten können”, so die Bregenzerin abschließend.
Zur Person
ANGELIKA MARIA KRATZER
GEBOREN 09.06.1968
WOHNORT Bregenz
AUSBILDUNG Bildungswissenschaft
BERUF Mediatorin und Lebens- und Sozialberaterin
HOBBYS Theater, Eislaufen, Schwimmen und Malen