50 Österreicher entschieden über 25 Millionen Euro – Bregenzerin Annemarie Felder war dabei

Annemarie Felder teilt ihre Erfahrungen über den „Guten Rat für Rückverteilung“ und warum ihr die Gemeinschaft so wichtig ist.
Darum geht’s:
- Annemarie Felder moderierte den Bürgerrat für die Rückverteilung von 25 Millionen Euro.
- Die aktive Beteiligung an der Gemeinschaft ist ihr ein Anliegen.
- Auch ehrenamtlich bringt sie ihre Expertise ein.
Bregenz Gemeinschaftssinn und Gemeinwohl liegen Annemarie Felder am Herzen. Dafür braucht es tragfähige Strukturen, denen sich die 56-jährige Bregenzerin beruflich, aber auch ehrenamtlich widmet. Zum Beispiel gestaltet und begleitet sie Gruppenprozesse – wie beim „Guten Rat für Rückverteilung“, bei dem die Millionenerbin Marlene Engelhorn 25 Millionen Euro durch einen Bürgerrat verteilen ließ. „Ich hatte noch nie ein so intensives Projekt. Es hat mich viel gelehrt und zum Hinterfragen gebracht“, erzählt sie.

Vielfältige Tätigkeiten
Felder wuchs in Andelsbuch auf und verbrachte mit ihren vier Schwestern und über 20 Nachbarskindern viel Zeit in der Natur. Gemeinsam bauten sie Baumhäuser und organisierten Sporttage und Wettbewerbe. Dadurch hatte sie schon damals – ohne es zu wissen – erste Praxiserfahrung im Projektmanagement gesammelt. „Es funktionierte nur durch die Beteiligung aller, also durch das Kennenlernen der eigenen Stärken und das Einbringen davon in die Gemeinschaft.“

Die nötige Weitsicht für ihren heutigen Beruf erwarb sich Felder durch mehrere Auslandsaufenthalte: etwa durch ein Auslandsjahr in Amerika und einen halbjährigen Sprachaufenthalt in Frankreich. „Dort habe ich zu schätzen gelernt, dass man sich – wie bei uns in Vorarlberg – untereinander kennt.“

All ihre Erfahrungen bündelte sie vor 19 Jahren, als sie sich als Organisationsentwicklerin und Prozessmoderatorin selbstständig machte. Außerdem ist sie Coach und Supervisorin für Einzelpersonen und Gruppen, führt systemische Aufstellungen durch und ist an diversen Hochschulen tätig. Auch ehrenamtlich bringt sie ihre Expertise ein und unterstützt immer wieder Freunde und Bekannte, zum Beispiel bei der Verbesserung von Vereinsstrukturen.

Dreimal im Jahr bietet sie gemeinsam mit zwei Freunden kostenlose „Inspiring Mornings“ an. Dabei steht jeweils ein Mensch mit seiner Lebensgeschichte im Mittelpunkt, um andere Teilnehmende zu inspirieren und motivieren. Außerdem kreiert sie den nicht gewinnorientierten „Zeitgut“-Coaching-Kalender, der Eigenverantwortung und Selbstwirksamkeit stärken soll und bei dem ihr eine nachhaltige Produktion wichtig ist.

Gemeinsames Gestalten
Vor drei Jahren wurde Felder angerufen und gefragt, ob sie die Millionenerbin Marlene Engelhorn kenne. „Weil ich schon über 30, also die meisten Bürgerräte in Österreich moderiert hatte, bot man mir an, gemeinsam mit sechs anderen Personen den ‚Guten Rat für Rückverteilung‘ zu planen und zu moderieren“, schildert sie. Über ein Jahr dauerte die Organisation. Schlussendlich beschäftigten sich 50 Personen in Form eines Bürgerrates an sechs Wochenenden damit, an welche Initiativen die 25 Millionen Euro rückverteilt werden sollen.

Am 10. Februar teilt Felder ihre Erfahrungen mit diesem Modell der kollektiven Vermögensverteilung. Gemeinsam mit Marlene Engelhorn hält sie jeweils einen Vortrag im Bildungshaus Batschuns sowie im Jugend- und Bildungshaus St. Arbogast.

Auch privat interessiert sich Felder für Demokratie als komplexes, formgebendes System des Zusammenlebens und schreibt gerade ein Buch zu dem Thema. Ähnlich wie beim Spielen in ihrer Kindheit geht es ihr dabei um Beteiligung, Eigenverantwortung und das Einstehen für eigene Werte und Ziele – also das aktive Mitgestalten.
Zur Person:
Annemarie Felder, Prozesskoordinatorin und -moderatorin beim “Guten Rat für Rückverteilung”
• Geboren: 6.6.1969
• Wohnort: Bregenz
• Ausbildung: Doktorat Internationales Management, Schwerpunkt Partizipation
• Beruf: Selbstständige Organisationsentwicklerin und Prozessmoderatorin
• Familie: Ledig
• Hobbys: Aufenthalt in der Natur, Sport, Reisen, Lesen, Zeit mit Freunden und Familie verbringen, vor allem mit ihren 14 Nichten und Neffen
• Lebensmotto: „[…] von Deinen Sinnen hinausgesandt, geh bis an deiner Sehnsucht Rand; gib mir Gewand.“ – R.M. Rilke
