Zweimal Hoffnung geschenkt

Katharina Klutsarits (24) half einer schwerkranken Frau in Südeuropa zu überleben.
DORNBIRN, FUSSACH Laura (27) aus Bregenz leidet an Leukämie. Ebenso Nina (43) aus Oberösterreich, Selma (53) aus Wien und Christian (45) aus Kärnten. Matteo (12) aus der Steiermark erhielt im vergangenen Jahr die Diagnose hämophagozytische Lymphohistiozytose – eine Erkrankung mit unkontrollierter Immunaktivierung. Pascal (9) aus Tirol kämpft gegen die Stoffwechselkrankheit X-chromosomale Adrenoleukodystrophie. Für diese Menschen und viele andere sucht die Leukämiehilfe Österreich „Geben für Leben“ dringend passende Stammzellspender/innen.
Katharina Klutsarits ließ sich 2020 als Spenderin registrieren. Fünf Jahre später schenkte die heute 24-Jährige mit ihren Stammzellen einer Frau in Südeuropa Hoffnung auf neues Leben.

Treffpunkt Panoramahaus in Dornbirn. Hier, bei der JDL GmbH, der Betreiberin des Messeparks, arbeitet Katharina als Assistentin der Geschäftsführung. Als Kind träumte sie davon, Stewardess zu werden. Ihre damalige Begründung: „Stewardessen haben immer Urlaub und können gratis um die Welt reisen.“ Ihr Berufsweg nahm jedoch einen anderen Verlauf. Nach der Matura an der HLW Marienberg in Bregenz begann sie ihre Laufbahn bei der Dornbirner Eventagentur W3 Create. Nach zwei Jahren wechselte sie zur JDL GmbH: „Ich unterstütze die Geschäftsführung bei allfälligen Projekten“, erklärt die sympathische junge Frau. „Hier habe ich einen breitgefächerten Aufgabenbereich.“

Genetischer Zwilling
In einer ruhigen Ecke abseits der Büros berichtet Katharina, wie sie zur Lebensretterin wurde. Es war im November 2020: „Meine Mutter nahm an einer Typisierungsaktion von ,Geben für Leben‘ im Messepark teil. Ich habe mich dann von zu Hause aus registriert und das entsprechende Set online bestellt.“ Vier Jahre lang hörte sie nichts. „Ich hatte es schon fast vergessen“, sagt sie. Umso überraschender war der Anruf am 1. Jänner 2025: „Ich käme als Stammzellspenderin infrage, hieß es, und es wurde gefragt, ob ich bereit wäre zu spenden.“ Natürlich war sie das. „Ich ließ mir gleich Blut abnehmen.“ Doch kurz darauf folgte die Absage, man benötigte sie doch nicht.

Anfang August meldete sich „Geben für Leben“ erneut. Katharina sei der genetische Zwilling einer schwerkranken Frau in Südeuropa, die dringend gesunde Stammzellen benötigte. Mitte August erfolgte die Voruntersuchung in der Klinik in Gauting (Deutschland). „Der große Tag war Montag, der 1. September 2025“, erzählt Katharina. Begleitet von ihrem Partner Raphael begab sie sich um 8 Uhr Früh zur peripheren Stammzellentnahme. Bei dieser Methode werden die Stammzellen über ein spezielles Verfahren, Apherese genannt, direkt aus dem Blut gewonnen. Der Ablauf ist mit einer Dialyse vergleichbar. Katharina hing etwa sechs Stunden an dem Gerät. „Danach war ich müde, mehr nicht.“ Noch am selben Tag konnte sie heim nach Fußach fahren, wo sie mit Raphael wohnt. Drei Tage späte war sie wieder im Arbeitseinsatz.

Zweite Spende
Doch es blieb nicht bei dieser einen Spende. Am 3. Jänner dieses Jahres wurde Katharina erneut kontaktiert. Die Patientin hatte überlebt, benötigte jedoch ein weiteres Mal Stammzellen. „Zu wissen, dass diese Frau dank meiner Stammzellen noch lebt und ich ihr ein weiteres Mal helfen durfte, hat mich sehr bewegt“, sagt Katharina. Am 26. Jänner war sie erneut ans Apherese-Gerät angeschlossen. Diesmal dauerte die Entnahme nur zwei Stunden.
„Lasst euch typisieren, solange ihr gesund seid“, appelliert Katharina an alle 16- bis 45-Jährigen. „Es ist so einfach: Mund auf, Stäbchen rein, Lebensretter sein. Und es tut nicht weh.“ Sie selbst ist jederzeit bereit, wieder zu helfen.

Zur Person
KATHARINA KLUTSARITS
GEBOREN 21. September 2001
WOHNORT Fußach
BERUF Assistentin der Geschäftsführung JDL GmbH Dornbirn
FAMILIE verpartnert mit Raphael Sturm
FREIZEIT Langlaufen, Reisen, so viel Zeit wie möglich mit Raphael verbringen