Frauenpower: Sarah Kühne ist Mutter, Forscherin und bald Herausgeberin eines Buches über ihre mutige Oma

Menschen / 10.02.2026 • 11:55 Uhr
Frauenpower: Sarah Kühne ist Mutter, Forscherin und bald Herausgeberin eines Buches über ihre mutige Oma
Auszüge aus der Gra­phic No­vel, mit der Sarah Kühne und ihre Schwester die Lebensgeschichte ihrer Großmutter erzählen.Roland Paulitsch

Sie ließ sich trotz Schwerhörigkeit und Mutterschaft nicht von einer Karriere abhalten und ihre Oma ließ sich trotz Krieg nicht die Menschlichkeit und den Humor nehmen.

Darum geht’s:

  • Sarah Kühne arbeitet seit über zehn Jahren an FHV.
  • Großmutter versteckte Deserteure, wurde verraten und inhaftiert.
  • Kühne setzt Buchprojekt mit Schwester Lydia Maria Arantes um.

Dornbirn Sarah Kühne zeigt beispielhaft, dass auch Frauen ihren Platz in der Wissenschaft gefunden haben. Die 42-Jährige ist Mutter von zwei Kindern und hochgradig schwerhörig, doch beides ist für ihren Beruf als Forscherin kein Hindernis. „In meiner Forschungsgruppe an der Fachhochschule Vorarlberg (FHV) in Dornbirn habe ich mich immer gleichgestellt gefühlt“, erzählt sie. Neben ihrem Beruf arbeitet sie mit ihrer Schwester an einem Buch über ihre bereits verstorbene Großmutter, die im Zweiten Weltkrieg viel Mut zeigte und damit ein Licht auf die weibliche Rolle jener Zeit wirft.

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Sarah Kühne liebt die Themenvielfalt in ihrem Beruf als Forscherin. Roland Paulitsch

Als Frau in der Forschung

„Wenn ich erzähle, dass ich an der FHV arbeite, glauben viele sofort, dass ich unterrichte. Sie sind überrascht, dass man hier auch forscht“, schildert Kühne. Die gebürtige Nenzingerin, die heute in Meiningen wohnt, arbeitet seit über zehn Jahren an der FHV. Ihre Hauptaufgaben sind die Projektakquise (also das Schreiben von Anträgen, um Projektgelder zu bekommen), die Projektumsetzung und das Verfassen von wissenschaftlichen Publikationen.

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Sarah Kühne bei einer Besprechung mit einem Kollegen. Roland Paulitsch

„Die Arbeit bereitet mir wegen der Themenvielfalt viel Freude“, sagt Kühne. Sie ist in der Forschungsgruppe Empirische Sozialwissenschaften tätig. Mit Blick auf den Internationalen Tag der Frauen und Mädchen in der Wissenschaft am Mittwoch, dem 11. Februar, verweist die zweifache Mutter auf die Bedeutung guter Arbeitsbedingungen: „Die FHV ist ein sehr familienfreundlicher Betrieb, deshalb können Frauen mit Familie ihre Karriere in der Wissenschaft gut gestalten.“

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Im Rahmen ihres Doktorats lebte Sarah Kühne 2015 ein Jahr mit ihrem Partner in New York. privat

Auch wenn die Gesundheitswissenschafterin trotz ihrer Schwerhörigkeit im Berufsalltag kaum Einschränkungen hat, sind manche Situationen für sie deutlich anstrengender, da sie zum Beispiel Lippenlesen und häufig Informationen aus dem Kontext herausfiltern muss. Ein wichtiger Ausgleich sind für sie kreative Tätigkeiten wie Malen, Schreiben und Nähen.  

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Malen ist für Sarah Kühne ein wichtiger Ausgleich zur Arbeit. privat

Das “Omile”

Abseits ihrer Arbeit engagiert sich Kühne ehrenamtlich in der Bibliothek Meiningen. Sie hat kürzlich eine Ausbildung zur Vorlesepatin abgeschlossen und macht aktuell eine weitere zur ehrenamtlichen Bibliothekarin.

Darüber hinaus steckt Kühne viel Freizeit in ein Buchprojekt über ihre Großmutter Delphina Burtscher. Diese hat nach dem Tod ihres Ehemannes ein Buch über ihr Leben geschrieben und im Jahr 2005 veröffentlicht. Sarah Kühnes Schwester Lydia Maria Arantes hatte die Idee, die Geschichte durch eine Gra­phic No­vel – also einen Roman in Bildern – auf neue Art und Weise zu erzählen.

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Sarah Kühne mit dem Buch ihrer Großmutter Delphina Burtscher. Roland Paulitsch

In dem Buch geht es unter anderem darum, dass zwei Brüder und der Verlobte von Delphina Burtscher im Zweiten Weltkrieg desertierten. „Sie haben sich versteckt und mein ‚Omile‘ hat sich fürsorglich um sie gekümmert. Das war sehr mutig von ihr, speziell wenn man bedenkt, dass sie erst 17 Jahre alt war.“ Schlussendlich kam es zum Verrat: Ein Bruder und ihr Verlobter wurden hingerichtet, Delphina Burtscher mit 18 Jahren und schwanger inhaftiert.

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Sarah Kühne (li.) mit ihrer Schwester Lydia Maria Arantes (re.) beim gemeinsamen Arbeiten an ihrem Gra­phic No­vel. Privatarchiv

Für dieses Buchprojekt werden über Crowdfunding noch Unterstützer gesucht. Im Juli soll das Buch erscheinen. „Aber wir möchten unser ‚Omile‘ nicht nur auf den Krieg reduzieren“, betont Kühne. „Das Buch zeigt auch, dass selbst im Krieg menschliches Handeln möglich war und sie trotz allem nie ihren Humor verloren hat.“  

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Sarah Kühne (re.) mit ihrer Großmutter (li.), Schwester (zweite v. li.) und Mutter (zweite v. re.).

Zur Person:

Sarah Kühne, Forscherin an der FHV

  • Geboren: 19. Jänner 1984
  • Wohnort: Meiningen
  • Ausbildung: Doktorat in Gesundheitswissenschaften, mit dem Schwerpunkt auf der Lebensqualität von Menschen mit sensorischen Beeinträchtigungen, insbesondere Schwerhörigkeit
  • Beruf: Forscherin an der FHV mit dem Schwerpunkt Gesundheit, Pflege, Kunst und Kultur
  • Familie: Verheiratet, zwei Kinder im Alter von sechs und acht Jahren
  • Hobbys: Kreative Tätigkeiten, etwa Malen und Schreiben

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