“Wie eine warme Umarmung”: Expat V hilft beim Ankommen

Menschen / 17.02.2026 • 15:53 Uhr
"Wie eine warme Umarmung": Expat V hilft beim Ankommen
Claudia und Jakob arbeiten seit 2023 als Team zusammen, um die Expats zu unterstützen.VN/JAE

Über 500 Mitglieder nutzen den Expat Service Vorarlberg, um sich im Ländle zu integrieren und willkommen zu fühlen.

Von Jasmina Erdic

Bregenz “Es ist mehr Zufall, dass wir uns so gut ergänzen”, sagt die 41-jährige Claudia Neumayr über die Zusammenarbeit mit dem 35-jährigen Jakob Sieber. Gemeinsam bilden sie das Team des Expat Service Vorarlberg (Expat V), einer Initiative, die seit März 2023 Fachkräfte beim Ankommen in der Region unterstützt.

Wohlfühlen als Bleibeargument

Gegründet von der Industriellenvereinigung und der Wirtschaftskammer, verfolgt Expat V ein klares Ziel: Internationale Fachkräfte sollen nicht nur kommen, sondern bleiben. Jakob Sieber erklärt die Motivation: “Die Hauptmotivation war es, dass sich die Fachkräfte im Land wohlfühlen, hierbleiben, neben dem Job Kontakte knüpfen und das Land kennenlernen.” Aktuell nutzen über 500 Mitglieder das Angebot, das Einzelpersonen und Familien bei der Integration unterstützt. Zusätzlich bietet Expat V eine WhatsApp-Gruppe mit verschiedenen Themen-Channels an. Hier können sich die Mitglieder unkompliziert austauschen – von sozialen Events bis hin zur gegenseitigen Hilfe bei Übersetzungen.

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Zwei Persönlichkeiten, ein Ziel

Die unterschiedlichen Profile – Claudia als Familienmensch, Jakob als sportlich Aktiver – bieten den Expats je nach Lebenssituation den passenden Ansprechpartner.

Beide kennen die Herausforderungen des Ankommens aus eigener Erfahrung. Claudia war viele Jahre in verschiedenen Ländern tätig: “Ich war selber ein Expat. Ich hatte mir es oft selber auch gewünscht, dass es so etwas gibt.” Sie weiß, dass besonders die “täglichen Herausforderungen oft sehr frustrierend, mühsam und zeitaufwendig sind.”

"Wie eine warme Umarmung": Expat V hilft beim Ankommen
Der Expat Service Vorarlberg bietet Neuankömmlingen die Möglichkeit, sich zu integrieren und sich im Land wohlzufühlen.Aurelian Böhler

Auch Jakob kennt die Perspektive eines Expats gut: Er hat im Ausland studiert, unter anderem in Russland und Frankreich. Heute schätzt er es, die Vorzüge seiner Heimat zu vermitteln: “Mir macht es Spaß, Menschen zu zeigen, was es in Vorarlberg alles gibt. Da ist viel mehr Urbanität in der Region, als man es vermuten würde.”

"Wie eine warme Umarmung": Expat V hilft beim Ankommen
Gemeinsame Treffen und Events sind fester Bestandteil der Organisation und dessen, was sie für die Expats bewirken.Aurelian Böhler

Ein Wendepunkt für Pooja Jain

Wie wichtig diese Arbeit ist, zeigt das Beispiel von Pooja Jain. Die 30-jährige Inderin zog 2024 zu ihrem Ehemann, der selbst auch 2023 umgezogen ist, nach Vorarlberg. Trotz ihrer beeindruckenden Karriere im Finanzbereich beim Unternehmen Blackstone in Indien war der Anfang schwer: “Ich hatte Angst, rauszugehen. Ich kannte die Sprache nicht, und Englisch sprechen die Menschen hier nicht”, so Pooja.

"Wie eine warme Umarmung": Expat V hilft beim Ankommen
Pooja ist seit 2024 Mitglied bei Expat V; für sie war dieser Schritt ein echter Wendepunkt.VN/JAE

Für sie war der Verein der entscheidende Faktor, um die Isolation zu durchbrechen: “Expat V war für mich ein Wendepunkt. Ich habe Menschen kennengelernt, die eine ähnliche Erfahrung gemacht haben oder durchmachen wie ich.” Die 30-Jährige nutzt intensiv die interne WhatsApp-Gruppe: “Es gibt verschiedene Channels, sei es für Wandern, Schwimmen oder Feiern gehen. Es ist sehr cool, weil du einfach dazu joinen kannst und dich mit anderen treffen kannst”, so Pooja. Die Unterstützung ging dabei weit über das Soziale hinaus: Während Jakob den Kontakt zum Finanzamt koordinierte, stand Claudia für alle Alltagsfragen bereit. “Es fühlt sich wie eine warme Umarmung an”, beschreibt Pooja ihre Erfahrung.

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Spaß und wertvolle Kontakte (Connections) sind wichtige Grundpfeiler der Expat-V-Community.Melyssa Briceno

Hürden überwinden

Trotz vieler Erfolge sieht das Team auch Barrieren. Jakob möchte das Bild der Zuwanderung korrigieren: “Das Thema Migration ist oft sehr negativ behaftet, aber es gibt unglaublich viele positive Beispiele bei den Expats, die bei uns Mitglied sind und sich in der Gesellschaft einbringen wollen.”

Die Sprache bleibt die größte Hürde. Fehlende Übersetzungen bei Dokumenten erschweren den Alltag. Claudia betont: “Es schränkt ein – in Meetings etwas zu sagen oder auf die Nachbarn zuzugehen.” Hier setzt Expat V an, um Vorurteile abzubauen und zu zeigen, wie sehr internationale Fachkräfte die Gesellschaft bereichern.