Gaming für die Bildung: Martin Fleischs digitale Zeitreise in die Schattenburg

Intermedia-Student Martin Fleisch (22) lässt die Schattenburg als 3D-Videospiel auferstehen. Eine Zeitreise per Mausklick.
Von Jasmina Erdic
Frastanz “Ich wollte es in 3D umsetzen, damit man ein Gefühl dafür bekommt, wie es damals wirklich war”, sagt der 22-jährige Frastanzer Martin Fleisch über sein Bachelorprojekt. Die Motivation hinter seiner Arbeit ist eine persönliche Leidenschaft: “Ich war schon sehr lange an Geschichte interessiert und natürlich an 3D-Design und Videospielen. Da habe ich mir gedacht: Warum kombiniere ich das nicht?”

Sein Ziel ist dabei klar definiert: Er möchte vor allem jüngere Generationen für historische Städte und Museen begeistern. Videospiele seien dafür das ideale Medium, da sie “sehr immersiv sind, um Fakten zu vermitteln und echtes Interesse zu wecken.” Das Endergebnis soll es ermöglichen, die Burg so zu erkunden, wie sie im Mittelalter ausgesehen hat.
Ein interaktives Erbe
Seit letztem Jahr arbeitet der Student intensiv an seiner Bachelorarbeit – einem Videospiel, das die Geschichte der Schattenburg lebendig macht. “Ich beschäftige mich mit dem Interesse an und der Erhaltung von kulturellem Erbe und entwickle dafür ein interaktives Spiel. Man soll die Schattenburg so erleben können, wie sie vor 500 Jahren war – historisch möglichst akkurat.”

Da er die Burg im Zustand des 14. Jahrhunderts rekonstruiert, stieß er auf historische Lücken. “Es ist nicht alles glasklar. Man muss Dinge vergleichen und sich an anderen Burgen in Mitteleuropa orientieren”, erklärt Fleisch. Dafür hat sich Martin eng mit dem Team der Schattenburg zusammengeschlossen und gemeinsam mit Experten daran gearbeitet, die historischen Fakten für diesen Zeitraum präzise zusammenzutragen.
Zwischen Forschung und Technik
Rund 500 Stunden Arbeit hat Martin bereits in die Umsetzung gesteckt. Die größte Hürde war dabei nicht nur die Technik, sondern auch der Umfang: “Die größte Herausforderung war die Eingrenzung des Projekts – es ist schwer, es nicht zu sehr auszuweiten.”

Perfektionismus als Hürde
Neben der historischen Recherche war auch die grafische Arbeit eine Mammutaufgabe: “Die schiere Masse an Assets und die technische Umsetzung waren wahrscheinlich die größte Herausforderung.”

Rückhalt fand er während der intensiven Phase bei seinen Bachelor-Betreuern sowie bei Familie und Freunden. Mit einem Augenzwinkern fügt er hinzu: “Sie haben mir wertvolles Feedback gegeben und mich ein bisschen von meinem Perfektionismus weggebracht. Ich nehme mir oft zu viel vor und sollte manchmal lieber weitermachen, statt ewig an Details herumzutüfteln.”

Ausblick und Ausstellung
Trotz der hohen Hürden wurden seine eigenen Erwartungen bereits übertroffen: “Vor allem in dem, was ich dabei gelernt habe”, resümiert Martin.
Für die Zukunft sieht er noch viel Potenzial, das Projekt weiter auszubauen: “Es wäre sehr interessant, die Schattenburg in verschiedenen Epochen darzustellen.” Er zieht zudem in Erwägung, das Spiel auf der Plattform Itch.io zu veröffentlichen. Damit hätte jeder von zu Hause aus die Möglichkeit, die Burg auf eine völlig neue Weise zu erleben. Sogar eine Umsetzung für Virtual Reality (VR) ist eine Option, um das Gefühl, direkt vor Ort zu sein, noch zu verstärken.

Bevor es ins Netz geht, wandert das Projekt jedoch erst einmal ins Museum: Die Planung für die Ausstellung steht bereits. Am 13., 14. und 15. März gibt es die Gelegenheit, die Schattenburg zu besuchen, das Projekt persönlich unter die Lupe zu nehmen und den Studenten bei seiner Arbeit zu unterstützen. Martins Wunsch für das Wochenende ist simpel: “Es wäre cool, wenn viele Interessierte kommen würden.”
zur Person
MARTIN FLEISCH
Geboren 10. Oktober 2003
Wohnort Frastanz
Ausbildung Studiengang InterMedia an der Fachhochschule Vorarlberg in Dornbirn
Hobbys Videospiele, Game Development, 3D-Modellierung, Bouldering, Kunst, Fotografie
Lieblingsspiel Outer Wilds