Herzversagen mit 23 Jahren: So hilft Vorarlberg und das Allgäu Claudios Familie und Ziegen

Menschen / 11.03.2026 • 21:00 Uhr
Herzversagen mit 23 Jahren: So hilft Vorarlberg und das Allgäu Claudios Familie und Ziegen
Nach Claudios unvermitteltem Tod schlug der Familie eine Welle der Hilfsbereitschaft entgegen. VN, Gofundme

Claudio Raffl wollte mit 23 Jahren seinen Lebenstraum leben – einen eigenen Ziegenhof in Doren, 200 Tiere, alles aufgebaut mit eigenen Händen. Dann starb er plötzlich an Herzversagen. Was in den Tagen danach passierte, hat selbst seine Familie überrascht.

Doren, Krumbach “Wenn du ihn gesucht hast, hast du gewusst, du findest ihn auf dem Traktor oder sonst irgendwo beim Opa im Stall”, erinnert sich seine Schwester Lisa Sophia Raffl an die gemeinsame Kindheit zurück. Claudios Lebenstraum war die Landwirtschaft, mit dem ersten Lehrgeld kaufte er sich die ersten Ziegen. Jahre an Arbeit, viel Mühe und Geld steckte er in die Gründung seines eigenen Hofs in Doren. “Jetzt war eigentlich alles so weit, dass er durchstarten und davon leben könnte”, kann es Raffl noch nicht fassen. Denn Claudio starb am 1. März mit nur 23 Jahren an Herzversagen.

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Lebenstraum Landwirt

Herzversagen mit 23 Jahren: So hilft Vorarlberg und das Allgäu Claudios Familie und Ziegen
Lisa Sophia Raffl vor dem Bauernhof, den Claudio gepachtet hat. Hier leben an die 200 Ziegen, die versorgt werden müssen. VN/Steurer

Das Bauernhaus in Doren ist alt, der angebaute Stall sichtbar renoviert. Allein über 100 Muttertiere sind hier, hinzu zahlreiche Kitze. Den Anfang machte der Krumbacher vor bald drei Jahren mit etwa 20 Tieren, gerade einmal einen Pferdeanhänger voll. “Es war eigentlich normal, dass er von 4 bis 22 Uhr am Arbeiten war”, spricht Raffl von einem Vollblutbauern.

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Lisa Sophia Raffl ist die Schwester von Claudio inmitten seiner Ziegen. Sie dankt im Namen der Familie für die breite Unterstützung. VN/Steurer

Den Start seines Hofes finanzierte sich der gelernte landwirtschaftliche Facharbeiter, Forstwirt und Zimmerer auf der Montage oder als Skilehrer. Gemeinsam mit dem Vater, selbst Tischlermeister, wurde der Stall saniert: eine neue Bodenplatte gegossen, Boxen und Abdeckungen gezimmert. Überall packte die Familie und die Freundin Sofi mit an. “Er kannte nur ein Gas: Vollgas”, erinnert sich Raffl. “Sein Motto war immer, drauf”.

Tatkräftige Unterstützung

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Die Stallungen wurden von Claudio und seiner Familie mit viel Herzblut hergerichtet. VN/Steurer

Mit dem überraschenden Tod stand die Familie vor einer unvorstellbaren Herausforderung: Der Hof mit über 200 Tieren verlangt nach Betreuung, die trauernde Familie hatte alle Hände voll zu tun. “Ich bin eigentlich Studentin, Mama ist berufstätig, Vater als Tischlermeister selbstständig”, macht Raffl deutlich.

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Dieser Anhänger diente anfangs als mobile Melkstation für die Ziegen. Inzwischen ist er Heimat für die Hühner des Hofs. VN/Rauch

Sofort fand sich tatkräftige Unterstützung: Erfahrene Ziegenhalter unterstützen in ihrer Freizeit im Stall. Es war in Krumbach beinahe unmöglich, Claudio nicht zu kennen. “Er hat für zwei gelebt”, nennt es seine Schwester. Der 23-Jährige war nicht nur im Ziegenzuchtverein Bregenzerwald aktiv, sondern auch bei den Bürgerschützen, der von ihm mitbegründeten Funkenzunft und im Skiverein. Dieses Netzwerk schultert nun einen Teil der Last.

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Vier verschiedene Ziegenrassen leben in dem Stall. VN/Steurer

Der noch junge Betrieb kostet nicht nur Arbeit, sondern auch Geld. Wie jede Neugründung muss anfangs vor allem Gerät und Material eingekauft werden, ein Kredit muss bedient werden. Claudio hatte gerade erst begonnen mit einem Mix an Eigenvermarktung und Zulieferung. Unterstützt von seiner Mutter und Freundin entstand alles von Frischkäse bis Pudding und Wurstwaren. Tante Tanja Vogel startete den Versuch, online Spenden für den Erhalt des Hofs zu sammeln.

Spendenkonto
Werner und Beate Raffl – Crowdfounding Claudio
IBAN AT962060300001157163
Sparkasse der Gemeinde Egg
BLZ 20603

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Auch viele Kitz wachsen in Doren auf. VN/Steurer

Auch wenn Claudio gut vernetzt war, die Reaktion auf den Aufruf ist alles andere als selbstverständlich: Innerhalb weniger Tage spendeten 1500 Menschen über 100.000 Euro. “Jedes Mal, wenn ich die Seite aktualisiert habe, sind mir fast die Tränen gekommen”, ist Raffl mehr als dankbar. Ein Bäcker stand unvermittelt mit kiloweise Brot und einer Geldspende vor der Türe, um zu helfen. Täglich kommen Karten, Kerzen und Spenden an die Familie. “Es ist überwältigend, mir fehlen die Worte.”

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Lisa Sophia Raffl unter den sehr neugierigen Ziegenkitz. VN/Steurer

Mit dem Geld werden die Tiere versorgt und das Notwendigste gemacht. “Das ist alles gar nicht zu begreifen”, betont Lisa Sophia die Dankbarkeit der ganzen Familie. “Ansonsten wären uns finanziell die Hände gebunden gewesen.” Durch die Hilfe aus dem Wald, dem Allgäu und darüber hinaus hat man nun etwas Luft zu entscheiden, wie es für Claudios Lebenstraum weitergehen soll. Bis dahin ist die Familie um jede Unterstützung froh.

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Herzversagen mit 23 Jahren: So hilft Vorarlberg und das Allgäu Claudios Familie und Ziegen
Die Ziegen hoffen auf ein Leckerli.VN/Steurer
Herzversagen mit 23 Jahren: So hilft Vorarlberg und das Allgäu Claudios Familie und Ziegen
Selbstbewusst macht der Nachwuchs den Stall unsicher. VN/Steurer