Die Welt ein bisschen besser machen

Was ein Vorarlberger Pfarrer vor drei Jahrzehnten begann, führt nun Bernhard Köb weiter.
Dornbirn, BREGENZ Vor 34 Jahren rief der Vorarlberger Pfarrer Franz Winsauer die Privatinitiative „Projekt Albanien“ ins Leben. Sein Ziel war es, den Menschen in der Region Mirdita zu helfen. Die Hoxha-Diktatur, die von 1946 bis 1985 herrschte, hatte besonders in dieser nordalbanischen Bergregion große Not hinterlassen.

Extreme Armut
Unzählige Male reiste der Priester persönlich dorthin. Ließ Kindergärten und Schulen bauen oder renovieren, Wasserleitungen verlegen, richtete Gesundheitsstationen ein, gründete ein Inklusionszentrum für Menschen mit Behinderung. Als er sich 2016 aus gesundheitlichen Gründen zurückzog, übernahm Bernhard Köb die Obmannschaft des mittlerweile als Verein geführten „Projekt Albanien“. Der 69-jährige Dornbirner engagiert sich seit 2014 ehrenamtlich im Verein. In jenem Jahr hatte er Pfarrer Winsauer auf einer Reise nach Albanien begleitet. Ziel war Rrëshen, eine Kleinstadt in Mirdita. „Dort besuchten wir bedürftige Familien“, erzählt Köb. „In dieser einen Woche habe ich extreme Armut gesehen.“

Damals arbeitete er noch bei der Hypobank, wo er seit seinem Handelsschulabschluss beschäftigt war. Eigentlich hatte er geplant, sich erst nach der Pensionierung ehrenamtlich zu engagieren. „Doch das, was ich in Albanien erlebte, hat mich so beeindruckt, dass ich beschloss, sofort beim ‚Projekt Albanien‘ mitzuarbeiten.“
„Das, was ich in Albanien erlebte, hat mich so beeindruckt, dass ich beschloss, sofort mitzuarbeiten.“
Bernhard Köb, Obmann „Projekt Albanien“
Heute zählt der Verein fünf aktive und zwölf passive Mitglieder. Die Hilfsmaßnahmen wurden im Lauf der Zeit an die aktuelle Situation vor Ort angepasst. So betreibt das „Projekt Albanien“ unter anderem mehrere Betreuungszentren in Rrëshen und Shkodra, unterstützt Integrationsklassen an Schulen, finanziert medizinische Hilfe, stellt Lebensmittel und Kleidung zur Verfügung. Außerdem setzt sich der Verein für die Gleichberechtigung von Frauen ein – ein wichtiges Anliegen in einem patriarchal geprägten Land. „Mit unseren Projekten leisten wir Hilfe zur Selbsthilfe“, betont Köb.

Ein Schwerpunkt der Arbeit liegt derzeit auf den Inklusionszentren in Rrëshen und Shkodra. Die ca. 100 in Shkodra betreuten Kinder erhalten kostenlose Lernhilfe von sogenannten Zukunftslehrern. „Das sind Schüler der Abschlussklasse der Österreichischen Schule in Shkodra mit besonders guten Noten, die dafür ein Taschengeld erhalten“, erklärt Köb. „Noch vor wenigen Jahren planten fast alle Absolventen, nach Österreich oder Deutschland auszuwandern, weil sie in Albanien keine Perspektive sahen. Heute entscheiden sich die meisten zu bleiben und tragen so zur Verbesserung des Bildungssystems bei.“
Noch keine Nachfolge
Im Mai feiert Köb seinen 70. Geburtstag. „Dann würde ich gerne in die zweite Reihe zurücktreten“, sagt er. Doch noch sei niemand bereit, seine Nachfolge anzutreten. Deshalb nimmt ihn das „Projekt Albanien“ weiterhin stark in Anspruch.
Nebenbei hat der dreifache Vater, der mit seiner Frau Beate in einem alten, sanierten Bauernhaus in Dornbirn-Haselstauden lebt, noch so einiges zu tun. Ein Teil der Freizeit gilt der Verarbeitung von Obst zu Schnaps. Eine eigene Brennerei besitzt er nicht: „Als Mitglied einer fahrenden Brennanlage kann ich sie mir ausleihen.“ Außerdem räuchert er Speck, „so wie man es früher gemacht hat“.

So oft wie möglich verbringt das Ehepaar Zeit in seinem Zweithaus in Laterns. Im Winter wird Ski gefahren, in der wärmeren Jahreszeit gewandert und geradelt. „Ich war immer schon gern in der Natur“, sagt der ehemalige Pfadfinder, dessen persönliches Motto vom Gründer der Pfadfinderbewegung, Robert Baden-Powell, stammt: „Versucht, die Welt ein bisschen besser zurückzulassen, als ihr sie vorgefunden habt.“
Zur Person
BERNHARD KÖB
GEBOREN 18. Mai 1956
WOHNORT Dornbirn
BERUF Bankangestellter, Pensionist seit 2017
FAMILIE verheiratet mit Beate, drei Kinder, vier Enkel
KONTAKT www.projekt-albanien.at
