Vom Ländle an die Weltspitze der Forschung

Karolin Luger trägt mit ihrer Forschung zur Entwicklung neuer Medikamente gegen Krankheiten wie Krebs bei.
Darum geht’s:
- Karolin Luger leitet ein Forschungsteam in den Vereinigten Staaten.
- Sie fördert unterprivilegierte Studierende durch Preisgeld.
- Wurde von Familie in Vorarlberg immer unterstützt.
Schwarzach „Als Mikrobiologin kannst du dann in einer Brauerei oder Kläranlage arbeiten“, bekam Karolin Luger immer wieder scherzhaft von ihrer Familie zu hören. Tatsächlich setzt die 63-Jährige, die heute in den USA lebt, ihr Wissen für ganz andere Themen ein: Ihre Forschungen leisteten etwa einen Beitrag zur Entwicklung innovativer Medikamente gegen Krankheiten wie Krebs.

Bahnbrechende Studie
Die Forscherin wuchs in Dornbirn auf und war schon als Kind neugierig: „Ich habe viel gepflanzt, weil es mich faszinierte, wie aus einem Samen eine Pflanze wird – vor allem Kastanien, die sich zu einem großen Baum entwickeln.“ So war es kaum überraschend, dass sie später den Bachelor in Mikrobiologie und den Master in Biochemie an der Universität Innsbruck machte.

Lugers anschließende Zeit in der Schweiz war in vielerlei Hinsicht prägend: Sie machte dort das Doktorat, lernte ihren zukünftigen Ehemann kennen und begann 1990 an der Eidgenössischen Technischen Hochschule Zürich zu arbeiten, wo sie an einer bahnbrechenden Studie beteiligt war. „Dabei hat man zum ersten Mal gesehen, wie die DNA im Menschen organisiert ist“, erklärt Luger stark vereinfacht. „Das war ein extrem schwieriges Projekt, weil die Strukturbiologie zu dieser Zeit noch nicht so weit entwickelt war.“

Die Erkenntnisse der Studie sind in Lehrbüchern zu finden. Außerdem erhielt Luger gemeinsam mit zwei Kollegen dafür den „World Laureates Association Prize“ – eine internationale wissenschaftliche Auszeichnung, die mit rund 1,2 Millionen Euro dotiert ist. Lugers Anteil betrug demnach um die 400.000 Euro.
Wissen weitergeben
Im Jahr 1999 zog die Biochemikerin in die Vereinigten Staaten, da es dort mehr Freiheiten und Möglichkeiten für Jungforscher gab. Sie erhielt eine Stelle an der Colorado State University, wo sie schlussendlich unterrichtete und das Forschungsgebiet der Strukturbiologie aufbaute.

Abseits der Arbeit schätzt sie in Colorado vor allem die Natur, die für sie ein wichtiger Ausgleich ist. Durch den Bundesstaat verläuft etwa die Gebirgskette der Rocky Mountains. Die Liebe zu den Bergen begleitet sie seit ihrem Aufwachsen in Vorarlberg.


Rund 15 Jahre später wechselte Luger an die University of Colorado Boulder. Dort leitet sie heute ein Forschungsteam von rund 20 Personen. Während ihre Forschung bereits wichtige Innovationen bei der Entwicklung von Krebsmedikamenten ermöglichte, arbeitet sie weiterhin daran, neue Erkenntnisse in diesem Bereich zu gewinnen. „Einerseits geht es dabei um die Forschung und Resultate, andererseits um die praktische Ausbildung der nächsten Generation von Wissenschaftlern.“

Vor Kurzem gewann Luger den Vilcek-Preis in Biomedizin für ihre bedeutende Arbeit in der Nukleosomenforschung. „Aber hinter meinem Erfolg stehe nicht nur ich, sondern mein Forschungsteam mit vielen jungen talentierten Leuten.“ Bei dieser Einstellung überrascht es wenig, dass Luger den Großteil dieses Preisgeldes von rund 90.000 Euro zur Förderung unterprivilegierter Studierender verwendet habe.

Ihre Familie in Vorarlberg und ihr Ehemann haben sie auf ihrem Lebensweg immer unterstützt, und heute gibt sie diese Unterstützung weiter, indem sie gewissermaßen Samen in der jungen Generation pflanzt – ein bisschen so wie früher mit ihren Kastanien.
Zur Person:
Karolin Luger, diesjährige Gewinnerin des Vilcek-Preises in Biomedizin
- Geboren: 1963
- Wohnort: Boulder (Colorado, Vereinigte Staaten)
- Ausbildung: Bachelor in Mikrobiologie und Master in Biochemie an der Universität Innsbruck, sowie das Doktorat an der Universität Basel
- Beruf: Professorin und Forscherin an der University of Colorado Boulder
- Familie: Verheiratet und eine Tochter
- Hobbys: Wandern, Skitourengehen, Kajakfahren, Lesen
- Webseite: lugerlab.org