Seit 50 Jahren im Katastrophenhilfsdienst vom Roten Kreuz: “Ich bin halt da und helfe”

Menschen / 24.03.2026 • 17:56 Uhr
Seit 50 Jahren im Katastrophenhilfsdienst vom Roten Kreuz: "Ich bin halt da und helfe"
Stolz zeigt Herbert Klas den riesigen Generator, der das ganze Rote Kreuz versorgen kann. VN/DJSHOM

Herbert Klas gehört beim Roten Kreuz Hard zum Inventar – seit einem halben Jahrhundert engagiert er sich ehrenamtlich für Menschen in Not.

Darum geht’s:

  • Herbert Klas engagiert sich seit 50 Jahren im Roten Kreuz.
  • Er erlebte Einsätze in Rumänien, Ex-Jugoslawien und Syrien.
  • Aktuell arbeitet er am neuen Katastrophenzentrum in Hard.

HARD Für Herbert Klas aus Hard ist das Rote Kreuz nie einfach ein Verein gewesen. Es ist ein Ort, an dem er Menschen trifft, die zusammenhalten. “Die Kameradschaft passt einfach, auch nach 50 Jahren”, sagt er.

Notfalleinsätze in ganz Europa

Seine Einsätze haben ihn weit weggeführt. Nach der Revolution in Rumänien 1989 fährt er mit Hilfsgütern ins Ungewisse. Ein paar Jahre später, im ehemaligen Jugoslawien, steht er vor der Aufgabe, ein Flüchtlingslager mit aufzubauen. “Wir hatten keine Erfahrung. Wir haben einfach angefangen”, sagt er. “Ich habe mit einem kleinen Flüchtlingsmädchen Brettspiele gemacht, damit sie ihre Situation vergisst. Sie ist mir die ganze Woche lang im Lager hinterhergelaufen”, erzählt er gedämpft. Doch auch das gehört in seinem Ehrenamt zum Alltag.

klas.jpg
Herbert Klas spielt mit einem Flüchtlingsmädchen “Mensch ärgere dich nicht”. Privat

Am stärksten erinnert er sich an die Zeit der großen Flüchtlingsbewegung 2011 rund um Syrien. In einem ehemaligen Zollamt in Wien kamen Menschen im Minutentakt an – mit Bussen, mit Zügen. “Man kann sich das nicht vorstellen.” Schnell wurden Feldbetten aufgestellt, Essen organisiert, Abläufe improvisiert. “Du schläfst wenig, denkst nicht viel nach. Du funktionierst einfach.” Und trotzdem bleibt ihm etwas anderes im Kopf: “Die Dankbarkeit – das vergisst du nie.”

Seit 50 Jahren im Katastrophenhilfsdienst vom Roten Kreuz: "Ich bin halt da und helfe"
Die Feldküche vom Roten Kreuz hat einen riesigen Spätzler (rechts im Bild) integriert. VN/DJSHOM

Zurück in Vorarlberg, etwa bei der Betreuung ukrainischer Flüchtlinge in Hohenems vor vier Jahren, erlebte er Ähnliches. Immer wieder sind es die kleinen, unerwarteten Situationen: Menschen mit Haustieren, Familien mit besonderen Bedürfnissen, Lösungen, die spontan entstehen müssen. “Wir hatten kein Hundefutter dabei, auf so etwas bist du nie vorbereitet”, erzählt Herbert Klas. Auch Wellensittiche seien dabei gewesen.

Neues Katastrophenzentrum in Hard

Dabei hat alles ganz unscheinbar angefangen. Nach dem “Erste-Hilfe-Kurs” in der Hauptschule entdeckte der ehrenamtliche Helfer seine Lebensaufgabe. Seit 50 Jahren steht er im Dienst des Roten Kreuzes. Was ihn damals motivierte, ist bis heute geblieben: “Helfen, ohne zu fragen, wem”, sagt er.

Aktuell ist Herbert Klas täglich auf der Baustelle des neuen Katastrophenzentrums in Hard. Hier, im ehemaligen Armellini-Areal, gibt es 1.000 Quadratmeter Fläche für das Rote Kreuz. Neben einer Halle für den Fuhrpark, das Aggregat und Einsatzfahrzeuge entsteht hier ein riesiges Zentrum für Schulungen. Auch junge Einsatzkräfte werden hier ausgebildet. Zudem wird eine Großküche für Katastropheneinsätze gebaut.

Seit 50 Jahren im Katastrophenhilfsdienst vom Roten Kreuz: "Ich bin halt da und helfe"
Regallager für Feldbetten, Decken oder große Kochtöpfe. VN/DJSHOM

Wir kochen Tausende Teller an Essen für Flüchtlinge

Heute fährt Herbert Klas keine Rettungsfahrzeuge mehr. Stattdessen steht er in der Küche, organisiert Reisen oder hilft im Katastrophenhilfsdienst. Auch seine Frau ist inzwischen dabei – gemeinsam standen sie während der Pandemie in Impfstraßen.

Seit 50 Jahren im Katastrophenhilfsdienst vom Roten Kreuz: "Ich bin halt da und helfe"
Gebäudeeigentümer Josef Armellini und Herbert Klas in der neuen Industrieküche. VN/DJSHOM

Was sich in 50 Jahren ebenfalls gewandelt hat, ist die Ausbildung. “Früher hast du einen Kurs gemacht und bist losgezogen. Heute dauert die Ausbildung ein Jahr, dazu kommen laufende Fortbildungen”, erklärt Klas. Der Anspruch ist gestiegen – und damit auch die Verantwortung.

Seit 50 Jahren im Katastrophenhilfsdienst vom Roten Kreuz: "Ich bin halt da und helfe"
Auf das Notstromaggregat ist Herbert Klas sichtlich stolz. VN/DJSHOM

Ein guter Einsatz? Für Herbert Klas ist die Antwort klar: “Wenn wir unsere Aufgabe erfüllen und den Menschen helfen können, dann ist das ein guter Einsatz.” Danach folgt die Nachbesprechung – was hat funktioniert, was kann besser werden. Lernen gehöre immer dazu.

Wie viele Stunden er geleistet hat, weiß er nicht. “Das rechne ich nicht”, sagt er. Wichtiger ist für ihn etwas anderes: da zu sein, wenn Hilfe gebraucht wird. Dass er wochenweise von seinem Urlaub für Noteinsätze geopfert hat, ist für den ehrenamtlichen Helfer ganz klar. “Meine Firma war immer kulant, ab und zu musste ich nur die halben Urlaubstage schreiben”, betont er fröhlich und dankbar.