„Wir haben denselben Geschmack“ – und plötzlich ist das Interview vorbei

Menschen / 24.03.2026 • 10:11 Uhr
„Wir haben denselben Geschmack“ – und plötzlich ist das Interview vorbei
Lisbeth Bischoff wird das Interview mit Scheich Faisal bin Khalid bin Sultan Al Qasimi geführt lange in Erinnerung behalten. Werner Branz

Wie Aufmüpfigkeit gegenüber dem Vis-à-vis zum Fiasko wird.

Schwarzach Da habe ich einen Vorarlberger Fotografen am Telefon, der mir erklärt, DIE Sensationsgeschichte zu haben. Er weile jedes Jahr für sechs Monate in Dubai, um am Königshof die Königlichen Hoheiten zu fotografieren. Und nun komme Seine Hoheit höchstpersönlich nach Bregenz, um eine Ausstellung mit eben diesen Werken zu eröffnen. Ich möchte ein Interview für “Seitenblicke” drehen. Doch es gibt eine große Schwierigkeit. Seine Hoheit lässt sich nicht von einer Frau interviewen.

Doch schlussendlich klappt es. Ich erhalte Instruktionen, wie ich mich, die Journalistin bürgerlicher Herkunft, gegenüber Seiner Hoheit zu verhalten habe. Ich muss Schwarz tragen. Beim Interview hat mein Blick ständig gen Boden gerichtet zu sein. Verstoße ich dagegen, wird das Interview abgebrochen.

Dann steht der 30-jährige Scheich Faisal bin Khalid bin Sultan Al Qasimi vor mir. Und während Seine Hoheit die österreichische Gastfreundschaft lobt, zwinge ich mich, den Blick nicht nach oben schweifen zu lassen. Wenn man sozialisiert ist, seinem Gegenüber beim Gespräch ins Auge zu blicken, keine einfache Übung.

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Als Seine Hoheit von oben herab und zu mir hinunter über schwierige Regierungsgeschäfte erzählt, erblicke ich an seinem linken Handgelenk seine Armbanduhr. Die Seele frohlockt, endlich ein Anknüpfungspunkt für ein etwas persönlicheres Interview. Diese Uhr ziert auch mein Handgelenk. Und schon höre ich mich sagen, dass wir beide offenbar einen ausgezeichneten Geschmack haben, was sich an unserer Uhr offenbart. Ich verstehe kein Wort, was Seine Hoheit seinem Adjutanten aufgeregt ins Ohr schreit. Aber angesichts der Heftigkeit ist mir bewusst, dass ich jetzt offenbar in ein Fettnäpfchen, besser gesagt, in einen ganzen Fettnapf, getreten bin.

Durch die Verletzung der standesgemäßen Distanz verschlägt es dem hehren Interviewpartner die Sprache. Nach so einer geschmacklosen Entgleisung meinerseits gibt es keine Gesprächsbasis mehr. Das Interview und seine Freude am Schweizer Nobel-Chronometer enden abrupt. Ich hätte zu gerne erfahren, was Seine Hoheit und ich sonst noch so gemeinsam haben.

Zum anschließenden Abendessen bin ich zwar geladen, aber ich werde bis heute den Verdacht nicht los, dass ich nur noch eine Geduldete war.

Lisbeth Bischoff ist Adelsexpertin und lebt in Dornbirn