Über Erben und Gerechtigkeit

ANARTtheater Hard bringt mit „Jeeps“ eine bissige Komödie auf die Bühne.
Hard Nach einer zweijährigen Pause steht das ANARTtheater Hard wieder kurz vor einer Premiere. Am kommenden Samstag, 28. März feiert die neue Produktion „Jeeps“ von Nora Abdel-Maksoud ihre erste Aufführung und markiert damit nicht nur die Rückkehr des Ensembles auf die Bühne, sondern auch einen Neubeginn unter veränderten Bedingungen. Die vergangenen Jahre waren für die Theatergruppe von Umbrüchen geprägt. Besonders einschneidend war der Abschied vom langjährigen Proberaum im Seezentrum. Umso größer ist nun die Freude darüber, dass die Gemeinde einen neuen Raum zur Verfügung gestellt hat. Gemeinsam mit der Seniorentheatergruppe Vorarlberger Spätlese, dem Fotoklub und dem Skiclub Hard belebt das ANARTtheater inzwischen den zweiten Stock der alten Hauptschule Markt. Wo früher unterrichtet wurde, ist heute ein Ort entstanden, an dem engagierte Vereinsarbeit, Kreativität und neues kulturelles Leben zusammenfinden.

Seit einigen Monaten probt das Ensemble intensiv an „Jeeps“, einer rasanten, klugen und pointierten Komödie, die ein hochaktuelles Thema aufgreift: das Erben. Im Zentrum steht die Frage, ob Erben überhaupt gerecht sein kann. Nora Abdel-Maksoud entwirft dafür ein ebenso absurdes wie scharfes Gedankenexperiment. In ihrer Gesellschaftssatire ist das traditionelle Erbrecht abgeschafft. Hinterlassenschaften werden nicht mehr innerhalb von Familien weitergegeben, sondern per Los verteilt. Jede Bürgerin und jeder Bürger erhält die Chance auf einen Anteil an den jährlich vererbten Milliarden. Zuständig für die Umsetzung dieser Reform ist ausgerechnet das Arbeitsmarktservice, das nun nicht nur Arbeitslosigkeit verwaltet, sondern auch Vermögen verteilt.
Viel Tempo und Humor
Mit viel Witz, analytischer Schärfe und satirischer Zuspitzung stellt das Stück grundlegende Fragen unserer Zeit: Wie viel braucht ein Mensch, um abgesichert zu leben? Warum fällt es so schwer, Besitz abzugeben? Und wie gerecht ist ein System, in dem die Geburt noch immer über Lebenschancen entscheidet? Soziale Ungleichheit, Chancengleichheit und das Selbstverständnis einer Gesellschaft werden in „Jeeps“ mit Tempo und Humor verhandelt. Die Autorin Nora Abdel-Maksoud, 1983 in München geboren, ist für ihre pointierten Texte über Macht- und Klassenverhältnisse bekannt. Sie arbeitet seit vielen Jahren als Schauspielerin, Regisseurin und Autorin. Mit „Jeeps“ war sie 2022 für die Mülheimer Theatertage „Stücke“ nominiert. Unter der Regie von Dagmar Ullmann-Bautz spielen Hans Braun, Ulli Filler, Gilbert Hämmerle, Denise Partsch, Christina Gasser, Maria Keckeisen-Felder, Elisabeth Lindner, Teresa Egger, Angela Gangl und Verena Steurer.
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Besonders ist in diesem Jahr auch der Aufführungsort. Da es in Hard nach der Schließung des Seezentrums keinen geeigneten Raum für Eigenproduktionen mehr gibt, findet das Theater in einer Halle der Firma Faigle Textil am Sägenkanal eine neue Heimat auf Zeit. Die leere Halle musste dafür vollständig in einen Theaterraum verwandelt werden, mit Bühne, Tribüne, Technik, Bestuhlung, Gastrobereich und Garderoben.