Kauffmann, Goethe, Felder

Kultur / 01.05.2026 • 11:26 Uhr
Kauffmann, Goethe, Felder

VN Kommentar von Walter Fink.

Seit Jahren ist der 1. Mai ein Festtag für das Angelika-Kauffmann-Museum in Schwarzenberg. An diesem Tag wird jeweils die neue große Ausstellung zu Angelika eröffnet – in diesem Jahr „Erlesen. Angelika Kauffmann und die Literatur“. Ein weites Feld, das sich die Verantwortlichen – Kurator Thomas Hirtenfelder und Obfrau Sabine Haag – vorgenommen haben. Immer wieder hat Angelika Kauffmann in ihren Bildern Themen aus der Weltliteratur aufgegriffen, von Shakespeare über Torquato Tasso bis natürlich zu Johann Wolfgang von Goethe. Mit ihm hatte sie ja während seiner Romreise 1786 bis 1788 eine innige Freundschaft. Goethe, der sich unter dem Pseudonym Johann Philipp Möller als Maler ausgab, wohnte in Rom in der Via del Corso 18, unweit vom Wohnsitz von Angelika Kauffmann auf dem Pincio über der Spanischen Treppe. Regelmäßig an Sonntagen fanden Treffen und gemeinsame Ausstellungsbesuche statt.

Goethe war damals schon so etwas wie ein Star, trotz seiner erst 37 Jahre war er nach dem „Werther“ und dem „Götz von Berlichingen“ eine literarische Größe, außerdem war er schon Minister am Weimarer Hof. Und Angelika war die berühmteste Malerin ihrer Zeit. Zudem war Angelika an Literatur interessiert, Goethe aber malte auch – und zwar ziemlich gut. So halfen sich die Freunde gegenseitig: Angelika Johann Wolfgang beim Verstehen von Malerei, Goethe ihr bei literarischen Versuchen, wobei er sie durchaus auch als Kritikerin seiner Texte akzeptierte. Angelika malte in dieser Zeit auch ein Portrait von Goethe, das ihn allerdings nicht wirklich erfreute: „Angelika malt mich auch, daraus wird aber nichts; es verdrießt sie sehr, dass es nicht gleichen und werden will. Es ist immer ein hübscher Bursche, aber keine Spur von mir.“ Trotzdem hängt das Bild heute im Goethe-Haus in Weimar.

Es gibt also viel, was Angelika Kauffmann mit Goethe verbindet, sogar bei uns in Vorarlberg. So gibt es zum Beispiel Straßennamen zur Malerin in Dornbirn und in Hohenems, in Schwarzenberg neben dem Museum auch den Angelika-Kauffmann-Saal. Ebenso gibt es in Dornbirn, Lustenau und Hohenems Straßen, die nach Goethe benannt sind, obwohl der Dichterfürst ja tatsächlich kaum etwas mit Vorarlberg zu tun hat. Aber immerhin nächtigte er vom 2. auf den 3. Juni 1788 auf seiner Rückreise von Rom im Gasthaus „Krone“ in Fußach. Das genügte für Straßenerwähnungen.

Da geht es einem anderen großen Dichter, nämlich dem wichtigsten Vorarlberger des 19. Jahrhunderts, schlechter. Er wird in Bregenz nach wie vor mit falschem Straßennamen geehrt: „Michl-Felder-Straße“ heißt es in Bregenz, ebenso ist die Busstation benannt. Nur: Felder heißt Franz Michael – aber das will man in Bregenz nicht anerkennen. Ich aber habe mir vorgenommen, jedes Jahr zwischen Geburtstag und Todestag von Felder (13. Mai und 26. April) auf diese Schande aufmerksam zu machen. So lange, bis auch die Landeshauptstadt dem großen Dichter die Ehre des richtigen Namens zuerkennt. Angesichts der Standhaftigkeit, mit der falsche Positionen vertreten werden, kann das allerdings noch lange dauern.