Die erzählerische Kraft in den Werken einer berühmten Malerin

Die Sommerausstellung im Angelika Kauffmann Museum spürt den Geschichten nach, die Künstlerin in ihren Bildern erzählte.
Schwarzenberg Die neue Sommerausstellung im Angelika Kauffmann Museum Schwarzenberg richtet den Blick auf die erzählerische Kraft in den Werken der berühmten Malerin.
Im Zentrum steht die Frage, aus welchen literarischen Quellen Angelika Kauffmann schöpfte und wie sie deren Inhalte in Bilder übersetzte. Anhand von Gemälden, Zeichnungen und Druckgrafiken aus allen Schaffensphasen wird gezeigt, welche Figuren, Szenen und Textstellen sie auswählte und wie sie diese verdichtete. Ergänzt wird die Präsentation durch Bücher, Erstausgaben, Briefe sowie Ideenskizzen und Ölstudien, die Einblick in ihren Werkprozess geben.

Der thematische Bogen reicht von antiken Epen und Tragödien über Torquato Tasso und William Shakespeare bis zur Aufklärung mit Autoren wie Voltaire sowie Zeitgenossen wie Goethe, Herder und Klopstock. In der Gegenüberstellung von Text und Bild wird deutlich, dass Kauffmanns Werke nicht nur betrachtet, sondern auch gelesen werden wollen.

Mit großformatigen Historiengemälden nach Homer, Vergil, Sophokles oder Euripides behauptete sich Kauffmann in der angesehensten Gattung ihrer Zeit. Anders als viele ihrer männlichen Kollegen stellte sie nicht kämpferische Helden, sondern weibliche Figuren ins Zentrum und wählte bewusst auch selten dargestellte Motive. In London trat sie erstmals öffentlich als Historienmalerin hervor und war als Gründungsmitglied der Royal Academy an deren erster Ausstellung beteiligt. Damit trug sie wesentlich dazu bei, das englische Publikum an diese Gattung heranzuführen. In London wandte sie sich auch Tassos “Befreitem Jerusalem” zu und malte Szenen um Rinaldo und Armida, die durch Nachstiche weite Verbreitung fanden. Viele ihrer Bildthemen setzten damals bekanntes Bildungswissen voraus, das heute oft fehlt. Die Ausstellung will dieses Wissen wieder zugänglich machen.

Ebenso beschäftigte sich Kauffmann intensiv mit Shakespeare und beteiligte sich an der Shakespeare Gallery von John Boydell. Persönliche Kontakte zu Goethe und Herder in Rom sowie die Lektüre zeitgenössischer Werke lieferten weitere Anregungen. Voltaires “Henriade” inspirierte etwa das Gemälde “Heinrich IV. zwischen Ruhm und Liebe”. Erstausgaben, seltene Bücher und Handschriften ergänzen die Präsentation. Kuratiert wurde die Ausstellung von Thomas Hirtenfelder.
„Erlesen. Angelika Kauffmann und die Literatur“: Eröffnung am 1. Mai um 11 Uhr im Angelika Kauffmann Museum in Schwarzenberg
