Pflegemama mit Herz: “Ich würde es immer wieder tun”

Menschen / 27.05.2026 • 15:18 Uhr
Pflegemama mit Herz: "Ich würde es immer wieder tun"
Nina Katzenmayer ließ der Wunsch nach einem Pflegekind einfach nicht los. VN/PFE

Im Sommer 2017 ging es plötzlich ganz schnell, viel Zeit zum Nachdenken blieb nicht. Warum Nina Katzenmayer und ihre Familie entschieden haben, einem Pflegekind ein neues Zuhause zu schenken.

von Mona Pfefferkorn

Bartholomäberg Wer Nina Katzenmayer nach ihren Kindern fragt, bekommt eine klare Antwort: “Vier”. Dass eines davon vor acht Jahren als Pflegekind zur Familie dazugestoßen ist, spielt im Alltag längst keine Rolle mehr. Zwischen Schulstress, Vereinsleben und Familienchaos wird gelacht, gestritten, getröstet und diskutiert, wie in jeder anderen Großfamilie auch.

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Der Familienzuwachs wurde von allen voller Liebe aufgenommen. Privat

Der Gedanke entstand bereits im Jahr 2015. “Damals war die große Flüchtlingswelle”, erinnert sich Nina Katzenmayer. Besonders die Schicksale vieler Kinder hätten sie tief bewegt. “Da habe ich mich zum ersten Mal gefragt, wie man so einem Kind helfen kann.” Der Wunsch, einem Kind ein stabiles Zuhause zu geben, ließ sie danach nicht mehr los. Ein geflüchtetes Kind aufzunehmen, traute sich die Familie wegen des schweren traumatischen Rucksacks nicht zu: “Ich habe ja doch noch drei eigene, für die ich auch noch da sein will.”

Der Gedanke, einem Kind zu helfen, blieb jedoch bestehen. Deshalb informierten sich Nina und ihr Ehemann Hannes Katzenmayer schließlich beim Pflegekinderdienst, besuchten erste Informationsabende und absolvierten einen Vorbereitungskurs.

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Nina und Hannes Katzenmayer. PRIVAT

Skepsis im Umfeld

Der Weg zur Pflegefamilie war allerdings nicht immer leicht. Bewerber würden beim Pflegekinderdienst genau geprüft, erzählt Nina Katzenmayer. “Da wird tief in die Familiengeschichte geschaut, man spricht über die Beziehung und über den eigenen Erziehungsstil.” Auch im Umfeld war eine klare Skepsis spürbar. Trotzdem blieb für sie das Gefühl bestehen, einem Kind helfen zu wollen. Gemeinsam entschied sich das Ehepaar schließlich bewusst dafür, einem Kind ein neues Zuhause zu schenken.

Ein Anruf verändert alles

Im Sommer 2017 kam schließlich der erlösende Anruf: Ein zweijähriger Bub suchte dringend einen Platz. “Ab diesem Moment ging alles wahnsinnig schnell”, erinnert sich Nina Katzenmayer. Innerhalb weniger Tage bereitete die Familie alles für den Einzug vor. Viel Zeit zum Nachdenken blieb nicht. “Wir haben einen Kindersitz gekauft, das Auto gepackt und sind direkt gemeinsam in den Urlaub gefahren”, erzählt sie.

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Ausflüge sind ein fester Bestandteil des Familienlebens. PRIVAT

Große Veränderung für die leiblichen Kinder

Die drei leiblichen Kinder, damals zwischen vier und acht Jahre alt, nahmen den kleinen Bruder sofort auf: “Es ist total gut gegangen”, erinnert sich Nina Katzenmayer. “Sie haben wirklich eine volle Gaude gehabt. In dieser Hinsicht gab es nie irgendwelche Probleme.” Doch im Alltag brauchte es viel Geduld, dem Jungen fehlte das Urvertrauen. “Er war sehr verunsichert in der ersten Zeit und hatte viel Angst vor Veränderungen. Ich habe am Anfang nicht einmal allein aufs Klo gehen können”, meint Katzenmayer.

Mit der Zeit wurde aus der anfänglichen Aufregung ein ganz normaler Geschwisteralltag. “Natürlich hat sich irgendwann eine Routine eingeschlichen. Und heute streiten sie auch miteinander – wie Geschwister eben”, sagt Katzenmayer schmunzelnd.

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Auch Bettenmachen gehört zum Alltag von Nina Katzenmayer dazu. VN/PFE

Vorherige Elternerfahrung sehr hilfreich

Für Nina war genau das ein wichtiger Punkt: Nicht jeder Streit bedeutete automatisch, dass etwas nicht funktionierte. “Bei leiblichen Geschwistern denkt man sich nichts dabei. Aber bei einem Pflegekind denkt man plötzlich darüber nach”, sagt sie. Ihre Erfahrung als Mutter habe ihr geholfen, vieles richtig einzuordnen. “Da bin ich froh, dass ich eigene Kinder habe und weiß, was normal ist und was nicht.”

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Ausgleich findet Nina Katzenmayer im Sport. Vor allem beim Volleyball spielen. PRIVAT

“Man sollte sich sicher sein.”

Ihre Entscheidung, ein Pflegekind aufzunehmen, hat Nina noch nie bereut: “Man sollte sich schon sicher sein, dass man das machen will. Ich würde es rückblickend immer wieder tun.” Ein weiteres Pflegekind kommt für sie heute, wo die Kinder älter und selbstständiger werden, aber nicht mehr infrage. Sie lächelt: “Nach vier ist jetzt fertig. Jede Freiheit, die ich jetzt zurückkriege, will ich nicht mehr hergeben.”

Zur Person

Nina Katzenmayer
Geburtstag 20.12.1978
Familienstand verheiratet, 4 Kinder
Wohnort Bartholomäberg
Beruf Physiotherapeutin
Hobbys Sport
Lieblingsessen Beafsteak Tartar