Wandern für mehr Klicks: “Für Social Media gehen viele Wanderer zu weit”

Menschen / 28.05.2026 • 15:33 Uhr
Wandern für mehr Klicks: "Für Social Media gehen viele Wanderer zu weit"
Wanderführerin Elisabeth Lesgi weiß, worauf es ankommt. Privat

Zu wenig Vorbereitung, falsche Selbsteinschätzung und schlechtes Material: Immer mehr Menschen geraten in Bergnot. Mehr als 100 sterben.

Darum geht’s:

  • Wanderunfälle nehmen in Vorarlbergs Bergen zu.
  • Social Media fördert Selbstüberschätzung der Wanderer.
  • Gute Vorbereitung und Ausrüstung essenziell für Sicherheit.

Hohenems Vorarlbergs Berge boomen – und mit ihnen leider auch die Zahl der Wanderunfälle. Für Mario Amann, Geschäftsführer von “Sicheres Vorarlberg”, liegt einer der Hauptgründe in der Unterschätzung der Situation. “Wandern gilt bei vielen noch immer als etwas Leichtes. Man kennt es aus der Kindheit und vergisst dabei schnell, welche Gefahren im alpinen Gelände tatsächlich lauern”, sagt Amann.

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Auf Social Media sieht alles so leicht aus

Ein Stolperer, eine falsche Selbsteinschätzung oder mangelnde Kondition reichen oft aus, damit aus einer Wanderung ein Notfall wird. Besonders problematisch sei dabei die eigene Überschätzung. “Viele sehen beeindruckende Touren auf Social Media und denken sich: Wenn der das schafft, schaffe ich das auch”, erklärt Amann. Dabei werde oft vergessen, die eigene Fitness, Trittsicherheit oder die Fähigkeiten der Gruppe realistisch einzuschätzen.

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Mario Amann, Geschäftsführer von Sicheres Vorarlberg. VN/DJSHOM

Gerade in Gruppen müsse das Tempo immer an jene Person angepasst werden, die am langsamsten unterwegs ist. “Es macht einen großen Unterschied, ob ich auf die Hohe Kugel wandere oder die Drei Türme gehe”, betont der Sicherheitsexperte.

Orientierung geben soll dabei der sogenannte “PEAK-Berg-Check”. Die Eselsbrücke steht für Planung, Einschätzung, Ausrüstung und Kontrolle. Wer sicher unterwegs sein wolle, müsse bereits vor der Tour ehrlich einschätzen, was körperlich und technisch möglich sei. Während der Wanderung gehe es dann darum, regelmäßig zu kontrollieren: Wie geht es mir? Wie entwickelt sich das Wetter? Bin ich noch konzentriert oder bereits erschöpft?

Wandern für mehr Klicks: "Für Social Media gehen viele Wanderer zu weit"
Der PEAK-Infoflyer soll Wanderer zur Vorsicht animieren. VN/DJSHOM

“Viele bleiben zu lange im roten Bereich”, warnt Amann. Atemnot, Unsicherheit beim Gehen oder völlige Erschöpfung seien klare Warnzeichen. Dann müsse man auch bereit sein, umzudrehen. “Das ist keine Niederlage, sondern vernünftig.”

Besonders wichtig sei außerdem die richtige Einschätzung der Wanderwege. In Vorarlberg reicht die Beschilderung von einfachen gelb-weißen Wegen bis zu anspruchsvollen weiß-blau-weißen alpinen Steigen. Während gelb-weiße Wege oft familienfreundlich sind, brauche es auf weiß-blau-weißen Routen Trittsicherheit, Schwindelfreiheit und alpine Erfahrung. “Ein Sturz dort kann tödlich enden”, sagt Amann deutlich.

Eine gute Sohle gibt dem Wanderer Halt

Auch Wanderführerin Elisabeth Lesgi erlebt immer wieder, dass Menschen zu unvorbereitet in die Berge starten. “Viele informieren sich vorher zu wenig über Wetter, Strecke oder die richtige Ausrüstung”, sagt sie. Besonders beim Schuhwerk oder bei einer kleinen Notfallausrüstung würden Wanderer oft zu sorglos losgehen.

Wandern für mehr Klicks: "Für Social Media gehen viele Wanderer zu weit"
Je nach Untergrund kann der Schuh auch leichter ausfallen. Privat

Dabei müsse ein sicherer Wandertag nicht teuer sein. “Es braucht keinen extrem teuren Bergschuh, sondern einfach einen guten Schuh mit vernünftiger Sohle”, erklärt Lesgi. Dazu empfiehlt sie ausreichend Getränke, eine Regenjacke und ein kleines Erste-Hilfe-Set. Selbst einen Biwaksack hat die Wanderführerin immer dabei – nicht nur für Notfälle. “Wenn ein Kind eine Pause machen möchte und alles nass ist, kann man sich damit trocken hinsetzen.”

Wetter im Auge behalten

Ein großes Thema in Vorarlbergs Bergen bleibt zudem das Wetter. “Gewitter können extrem schnell entstehen”, erklärt Amann. Er selbst nutzt unter anderem “Meteo Schweiz”, betont aber gleichzeitig, dass keine Wetter-App eine laufende Beobachtung vor Ort ersetzen könne.

Wenn ein Gewitter überraschend auftaucht, sollte man Gipfel, Felswände und Klettersteige möglichst rasch verlassen. Besonders wichtig: Gruppen sollten Abstand zueinander halten. “Wenn ein Blitz einschlägt, ist die Gefahr größer, dass mehrere Personen gleichzeitig betroffen sind”, erklärt der Geschäftsführer von “Sicheres Vorarlberg”. Darum müsse man sich im Gelände aufteilen und ausharren, bis das Wetter vorüberzieht.