Brücken zwischen Menschen

Vildan Ucar setzt sich für kultursensible Pflege und gelebte Menschlichkeit ein.
Hohenems Drei Tage lang war Vildan Ucar kürzlich bei der 125-Jahr-Feier in Dornbirn im Dauereinsatz. Gemeinsam mit ihrem Team des Vereins HaK (Heimat aller Kulturen) bereitete sie türkische Spezialitäten zu und kam mit zahlreichen Besuchern ins Gespräch. “Die vielen Begegnungen und die große Wertschätzung haben uns sehr gefreut”, erzählt die Hohenemserin. Begegnungen mit Menschen sind es auch, die ihre ehrenamtliche Arbeit ausmachen.

Die Powerfrau ist Obfrau des Projekts “Engel ohne Flügel”, das sich der kultursensiblen Pflege und Begleitung älterer Menschen widmet. Mit ihrem Team besucht sie jeden ersten Samstag im Monat Seniorinnen und Senioren in Pflege- und Altersheimen in Vorarlberg. Oft sind es keine großen Gesten, sondern gemeinsame Zeit, Gespräche in der Muttersprache oder einfach ein offenes Ohr, die den Menschen Freude schenken.

Integrationspreis
Geboren wurde Ucar in Bludenz, aufgewachsen ist sie in Vorarlberg. “Das Ländle ist meine Heimat”, sagt sie. Schon früh entwickelte sie den Wunsch, das gesellschaftliche Miteinander aktiv mitzugestalten. Beruflich arbeitet sie heute im sozialen und administrativen Bereich. Zuvor leitete sie bei der Stadt Hohenems mehrere soziale Projekte. Für “Zusammen leben in Hohenems” wurde das Projektteam mit dem Integrationspreis des Landes Vorarlberg ausgezeichnet. Gemeinsam mit Andrea Gross rief sie außerdem die Privatinitiative “Bewegung und Begegnung” ins Leben, die mit dem zweiten Preis des Österreichischen Integrationsfonds gewürdigt wurde.

Vor rund zweieinhalb Jahren fand sie im Verein HaK eine Plattform, die ihre Werte von Zusammenhalt, Vielfalt und gegenseitiger Unterstützung teilt. Gleichzeitig begann sie als Ersatzkammerrätin der HaK ihr Engagement in der Arbeitnehmervertretung. Die regelmäßigen Besuche in Senioren- und Pflegeheimen gab es allerdings schon davor. Gemeinsam mit HaK entwickelte das Team daraus schließlich das Projekt “Engel ohne Flügel”, das seither kontinuierlich wächst.
“Gerade ältere Menschen mit Migrationshintergrund haben oft sprachliche und kulturelle Bedürfnisse, die im Pflegealltag nicht immer berücksichtigt werden können”, erklärt Ucar. Genau hier möchte ihr Verein Brücken bauen. Als Obfrau koordiniert sie die Einsätze, hält Kontakt zu den Einrichtungen und übernimmt organisatorische Aufgaben. Gleichzeitig ist sie selbst oft bei den Besuchen dabei. “Der direkte Kontakt mit den Menschen ist mir besonders wichtig.”

Zeit schenken
Die ehrenamtliche Arbeit bringt viele bewegende Momente mit sich. Ein Gespräch in der Muttersprache, eine Umarmung oder ein gemeinsames Lachen können oft mehr bewirken als viele Worte. Gleichzeitig gehört auch der Umgang mit Krankheit, Einsamkeit und Abschied dazu. “Das ist emotional nicht immer einfach. Trotzdem überwiegt die Freude über das, was wir gemeinsam bewirken können”, sagt sie.
Rückhalt findet die dreifache Mutter bei ihrer Familie. Gemeinsam mit ihrem Mann Yavuz und den Kindern Sevde, Semih Kaan und Oğuzhan lebt sie in Hohenems. Dass ihr Mann im Herbst selbst eine Ausbildung zum Altenpfleger beginnt, passt für sie bestens zu den gemeinsamen Werten. “Soziale Verantwortung und Menschlichkeit gehören für uns einfach zum Leben.”




Für die Zukunft wünscht sich Ucar, dass das Bewusstsein für kultursensible Pflege weiter wächst und noch mehr Menschen bereit sind, sich ehrenamtlich einzubringen. Ihr persönliches Lebensmotto bringt ihre Haltung auf den Punkt: “Menschlichkeit und Fürsorge kennen keine Kultur- oder Sprachgrenzen.” CTH
Zur Person
Name Vildan Ucar
Geburtstag 27. März
Wohnort Hohenems
Familienstand verheiratet, drei Kinder
Hobbys Familie, Reisen, Freunde