Viel Leidenschaft für den Job

Karin Zangerle-Wiederin und Andrea Lampert arbeiten seit über 40 Jahren in der Pflege.
Hohenems Zwischen den Frauen herrscht eine tiefe Vertrautheit. Sie ist in jedem Wort und jeder Geste spürbar. Gewachsen in einer bald 15-jährigen Zusammenarbeit. Karin Zangerle-Wiederin (60) und Andrea Lampert (59) ticken beruflich im Gleichklang: “Man kann viel lernen, aber Pflege muss in erster Linie von Herzen kommen.” Nach mehr als vierzig Dienstjahren in der Langzeitpflege wissen Zangerle-Wiederin und Lampert, wovon sie reden. Für beide stand schon früh fest, in die Pflege zu gehen. Karin fing als Stockmädchen im Krankenhaus an, nachdem sie nach nur einem Jahr von der Krankenpflegeschule geflogen war. Andrea hoffte als Schulanwärterin, für die Psychiatrieausbildung in Rankweil geeignet zu sein. Beide sind ihren Weg gegangen. 2027 führt er in die wohlverdiente Pension.

Kein Zaudern
Getroffen haben sich Karin und Andrea 2012 im Sozialzentrum Markt der SeneCura in Hohenems. Karin ist Pflegedienstleiterin, Andrea hat eine Wohnbereichsleitung inne. Ihre Funktionen im gehobenen Dienst halten sie nicht davon ab, bei den Heimbewohnern präsent zu sein. “Es ist wichtig, auch als Führungskraft für die Menschen sichtbar zu bleiben”, betont Zangerle-Wiederin. Bereut haben sie ihre Entscheidung bis heute nicht. “Die Pflege ist mein Beruf”, bekräftigt Andrea Lampert. Auch bei Karin gab es kein Zaudern: “Ich werde Krankenschwester”, hatte sie sich bereits als Jugendliche vorgenommen. “Die Pflege war für uns Berufung”, ergänzen sie ohne Pathos. Heute sei sie vielfach einfach ein Beruf. Sie meinen das nicht despektierlich. Es sind Erfahrungen aus Bewerbungsgesprächen.

Verantwortung für Menschen
Für viele sei die Aussicht auf einen krisensicheren Job mit gutem Gehalt die Triebfeder. Oft unterschätzt werde, dass Pflege die ganze Woche sowie an Sonn- und Feiertagen stattfinde und vor allem Verantwortung für Menschen bedeute. Ebenso brauche es Grundwerte wie Höflichkeit, Freundlichkeit, Respekt und den Willen zur Teamarbeit. “Auch die Frage, ob ich Menschen und die Kommunikation mit ihnen mag, benötigt eine ehrliche Antwort. Deshalb sollte die Entscheidung für diesen Beruf gut überlegt sein”, betont Karin Zangerle-Wiederin. Ihr sind die obligaten zwei Schnuppertage eindeutig zu wenig, denn: “Geblieben sind uns letztendlich jene, die immer wieder in den Ferien hier gearbeitet oder ein soziales Jahr absolviert haben.”

Mehr Wert der Langzeitpflege
Die Frauen blicken wenige Monate vor der Pension dankbar zurück. Andrea Lampert spricht von ihrer Warterunde als Schulanwärterin von einer “wertvollen Zeit”. 1990 bekam sie dann das Diplom ausgehändigt. Nach der Geburt ihrer zwei Kinder fing sie im Sozialzentrum Markt mit Nachtdiensten an. “Ich konnte die Arbeitszeiten nach Bedarf einteilen”, erzählt Andrea Lampert. Was sie ebenfalls schätzte bzw. schätzt: “Das Gehalt hat mir immer ein eigenständiges Leben ermöglicht.” Etwas, das sie nie missen wollte. Karin Zangerle-Wiederin musste nach ihrem Rausschmiss aus der Krankenpflegeschule als Stockmädchen ganz unten anfangen. Sie zog es trotzdem eisern durch: Altenpflegeschule, Diplom, Bachelor, Master. Bedeutend war beiden jedoch immer der Teamgedanke: “Es ist das Team, das einen hält.” Das sei gerade während der Pandemie besonders spürbar geworden. Was sich die engagierten Pflegerinnen für den Beruf wünschen? “Dass die Langzeitpflege gegenüber der Akutpflege nicht mehr unter Wert gehandelt wird, zumal die Herausforderungen höher sind, und der Gedanke des Kümmerns um Bewohner und Mitarbeitende wieder an Gewicht gewinnt.”
Zur Person
KARIN ZANGERLE-WIEDERIN
ALTER 60
BERUF Pflegedienstleiterin im SeneCura-Sozialzentrum Hohenems-Markt
WOHNORT Mäder
FAMILIENSTAND verheiratet, zwei Kinder, Enkelkinder
HOBBYS Radfahren, Reisen, der Garten
Zur Person
ANDREA LAMPERT
ALTER 59
BERUF Wohnbereichsleiterin im SeneCura-Sozialzentrum Hohenems-Markt
WOHNORT Götzis
FAMILIENSTAND verheiratet, zwei Kinder, ein Enkelkind
HOBBYS Reisen, Geselligkeit