“Ständig daran zu denken, würde man nicht überleben” – Wie dieser 17-Jährige trotz Krieg und Flucht durchstartet

Mit 13 Jahren floh Renat Vekhnovskyi aus der Ukraine. Was er seitdem in Vorarlberg geschafft hat, ist bemerkenswert.
Bregenz, Bludenz “Jeden und den ganzen Tag daran zu denken, würde man nicht überleben”, sagt Renat Vekhnovskyi (17) über den Krieg in der Ukraine. Vor vier Jahren floh er von dort nach Vorarlberg. Doch am ukrainischen Unabhängigkeitstag am Montag, 24. August, wird er bewusst an die Lage seines Ursprungslandes denken. “Er steht für Freiheit und ist somit ein wichtiges Datum für unser Volk.”

Große Erfolge
Während seine Eltern in der Ukraine zurückblieben, flüchtete Vekhnovskyi mit seiner Oma (65) und Uroma (92) nach Vorarlberg. “Meinen Eltern würde es leid tun, wenn ich dort geblieben wäre. Weil sie hätten beobachten müssen, wie ihr Kind in einem Land groß wird, in dem Krieg herrscht”, erzählt er in sehr gutem Deutsch. Vekhnovskyi stammt aus Dnipro in der zentralöstlichen Ukraine und lebt nun in Bludenz.
Bei den jüngsten Erhebungen des Landes bildeten Menschen aus der Ukraine mit rund 3000 Personen nach Syrien die zweitgrößte Fluchtgruppe in Vorarlberg. Im Juni waren 1421 davon beschäftigt. Für Vekhnovskyi steht jedoch noch die Ausbildung im Fokus. Aktuell absolviert er ein vierwöchiges Praktikum bei der illwerke vkw AG, und im September kommt er in die vierte Klasse der Höheren Technischen Bundeslehr- und Versuchsanstalt (HTL) Rankweil. Im vergangenen Jahr war er dort Abteilungssprecher für Elektronik und Technische Informatik.

Im Frühjahr schaffte es Vekhnovskyi ins Bundesfinale der österreichischen Physikolympiade. Außerdem war er Teil der European Olympiad of Experimental Science (EOES) – eines naturwissenschaftlichen Teamwettbewerbs in Schweden. Dabei gewann sein Team eine Silbermedaille. Im Zuge dessen wurde Vekhnovskyi ins Bundesministerium für Bildung eingeladen und mit einer Anerkennungsurkunde gewürdigt.

Seit über zwei Jahren erhält er das Start-Stipendium, das sich an engagierte Schüler mit Migrationsgeschichte richtet. Und obwohl er eigentlich noch zwei Jahre bis zur Matura hat, beginnt er schon in weniger als einem Monat, Physik an der Universität Innsbruck zu studieren. Die abgeschlossenen Lehrveranstaltungen werden ihm später angerechnet.
Durch Härte wachsen
Für Vekhnovskyi war die Flucht schwer. Genauso wie der Verzicht auf beide Elternteile mit 13 Jahren. “Aber auch in schwierigen Lebensumständen liegt Schönheit”, sagt er reflektiert. Einerseits hat ihm die Härte zu Wachstum verholfen. Andererseits haben ihm Herausforderungen – wie das Lernen einer neuen Sprache – dabei geholfen, sich vom Krieg abzulenken.
Ein weiterer Nährboden für seine Erfolge sind seine Oma und Uroma. Letztere bestickte ihm vor vielen Jahren ein Tuch mit schwarz-roten Blumen, das ihm bis heute viel bedeutet. “In der Ukraine gilt das als Symbol für Gastfreundschaft. Vorarlberg spiegelt das für mich wider. Ich bin dankbar für alle, die mir hier geholfen haben.”

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“Es gibt noch Krieg?”
Am Sonntag, dem 23. August, veranstaltet der Ukrainische Verein in Vorarlberg (UVV) eine Kundgebung anlässlich des Unabhängigkeitstages der Ukraine in Bregenz. Ziel davon ist es unter anderem, öffentlich zu zeigen, dass der Kampf für die Freiheit der Ukraine weitergeht. “Das Interesse am Krieg und an der Ukraine nimmt von Tag zu Tag ab”, sagt Yuliia Zaiats, Gründerin des UVV. “Manchmal muss ich die Frage beantworten: ‚Was? Der Krieg in der Ukraine dauert immer noch an?‘”

Bei der Kundgebung werden drei Ausstellungen aus den vergangenen Jahren präsentiert: “Dach – Tschernihiw” über den Wiederaufbau von Wohngebäuden, “Was bleibt?” mit Fotografien der ukrainischen Fotografen Libkos sowie “Der Krieg durch Stimmen der Kinder”.

Kundgebung anlässlich des Unabhängigkeitstages der Ukraine
Wann? Sonntag, 23. August, um 14 Uhr
Wo? Am Kornmarktplatz in Bregenz
