Warum ein Pater aus Polen für Vorarlbergs Klöster so wichtig wurde

Menschen / 29.08.2026 • 17:00 Uhr
Warum ein Pater aus Polen für Vorarlbergs Klöster so wichtig wurde
Pater Wenzeslaus ist mit 73 Jahren der älteste Ordensbruder im Franziskanerkloster Bludenz. Der jüngste ist Mitte 30.Roland Paulitsch

Pater Wenzeslaus wurde nach Vorarlberg geschickt, um Klöster zu erhalten. Das steckt dahinter.

Bludenz Pater Wenzeslaus Dabrowski (73) stammt aus Nordpolen und hat gemeinsam mit anderen Ordensbrüdern verhindert, dass drei Vorarlberger Klöster geschlossen werden. Außerdem ist der Guardian, also Vorsitzender des Franziskanerklosters Bludenz, Mitinitiator des Klostermarktes, der am 11. und 12. September sein 30. Jubiläum feiert.

Warum ein Pater aus Polen für Vorarlbergs Klöster so wichtig wurde
Pater Wenzeslaus gemeinsam mit Pater Adrian bei der Klostermarkteröffnung vor 30 Jahren. Privat

Freiheit in der Religion

Pater Wenzeslaus wuchs in einem christlichen Haushalt im damals kommunistisch geprägten Polen auf. Speziell in der Schule spürte er den Druck in Richtung des kommunistischen Kollektivs. “Es ging nicht darum, selbst zu denken, sondern sich steuern zu lassen”, erinnert er sich.

Wer sich gegen dieses System stellte, sei gefangen genommen, gefoltert oder getötet worden. “In der Kirche ist im Gegensatz zu dieser kommunistischen Denkweise das Gemeinwohl wirklich wichtig. Der Mensch wird geschätzt, anerkannt und beschützt”, schildert der Franziskaner.

Warum ein Pater aus Polen für Vorarlbergs Klöster so wichtig wurde
Für Pater Wenzeslaus Dabrowski hat sich die Kirche nie begrenzend angefühlt.Roland Paulitsch

Für ihn bedeutete Religion schon früh Freiheit. “Zum Beispiel kann man sich in der Kirche frei aussprechen”, sagt er. Viele Menschen würden heutzutage nicht nur die Kirche als begrenzend ansehen, sondern auch andere Dinge wie Beziehungen. “Man hat Angst vor Abhängigkeit und ist sehr individualistisch”, führt Pater Wenzeslaus aus. Einerseits besteht für ihn Freiheit auch in der Gemeinschaft: “Man muss Entscheidungen nicht allein treffen, erhält Unterstützung und ist somit freier von Druck.” Andererseits sei Begrenzung nicht immer schlecht, wie man am Aufziehen von Kindern erkennen könne.

Mangel an Ordensmännern

Die Franziskaner haben Pater Wenzeslaus immer fasziniert, unter anderem wegen der Gemeinschaft. Auch seine Mutter war dem Orden verbunden. Es war also ein natürlicher Prozess, dass er nach einer technischen Schule und drei Jahren Arbeit im Alter von 24 ins Kloster ging.

Warum ein Pater aus Polen für Vorarlbergs Klöster so wichtig wurde
Pater Wenzeslaus gemeinsam mit Bruder Simeon bei einem Besuch seines leiblichen Bruders in Ghana, der sich ebenfalls für eine Ordensgemeinschaft – die Steyler Missionare – entschieden hat. privat

1983 empfing er die Priesterweihe und kam ein Jahr später in ein Kloster nach Deutschland, ohne bis dahin Deutsch zu sprechen. Zum franziskanischen Leben gehört neben der Besitzlosigkeit auch, kein dauerhaftes Zuhause zu haben und deshalb alle paar Jahre das Kloster zu wechseln.

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Heute trägt Pater Wenzeslaus als Guardian, also Vorsitzender, die Verantwortung für das Franziskanerkloster Bludenz. Guardian ist man drei Jahre lang und kann grundsätzlich nur für eine zweite Periode verlängert werden.Roland Paulitsch

So kam es, dass der Pater 1988 in das Franziskanerkloster Bezau kam. Hauptgrund dafür war der Mangel an Ordensmännern und die damit drohende Schließung des Klosters. Dasselbe Problem gab es Jahre später in Bludenz und Dornbirn. Somit wechselte er auch in diese Klöster, wobei er aufgrund des Personenmangels länger als üblich dort lebte: 18 Jahre in Bludenz, 16 Jahre in Dornbirn und im vergangenen Jahr kehrte er wieder nach Bludenz zurück. In allen drei Franziskanerklöstern in Vorarlberg leben ausschließlich polnische Ordensbrüder. Warum es in seinem Ursprungsland mehr davon gibt? “Das müsste man Gott fragen”, antwortet der Pater schmunzelnd.

Klostermarkt

Nach der Renovierung des Bludenzer Franziskanerklosters vor 30 Jahren entschied man sich, anlässlich der Einweihungsfeier einen Klostermarkt mit anderen Ordensgemeinschaften zu veranstalten. Pater Wenzeslaus war damals Mitinitiator und hätte nie gedacht, dass der Markt nach so langer Zeit noch immer stattfinden würde.

Warum ein Pater aus Polen für Vorarlbergs Klöster so wichtig wurde
Eröffnung des ersten Klostermarktes mit Diözesanbischof Klaus Küng im Jahr 1996. Während früher das Kloster Hauptorganisator des Klostermarktes war, ist es heute die Stadt Bludenz. privat

Insgesamt werden rund 30 verschiedene Ordensgemeinschaften kommen. Nicht nur aus Österreich, sondern auch aus Deutschland, Italien und Belarus. Außerdem kommt eine franziskanische Gemeinschaft aus Polen, die am Freitag und Samstag für musikalische Untermalung sorgt.

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Pater Wenzeslaus Dabrowski gemeinsam mit Klostervater Bertram Bolter, der tatkräftig an der Organisation des Klostermarktes beteiligt ist. Roland Paulitsch

Beim Klostermarkt steht nicht der Verkaufserlös der Klosterprodukte im Vordergrund. Vielmehr soll er Einblicke in die Ordensgemeinschaften ermöglichen und vielleicht den einen oder anderen für das klösterliche Leben begeistern.

30. Bludenzer Klostermarkt

  • Auftakt am Donnerstag, 10. September: Feierliche Messe im Franziskanerkloster Bludenz um 19 Uhr. Anschließend gibt es eine Fotoausstellung mit Eindrücken aus 30 Jahren Klostermarkt sowie eine Agape im Klostergarten.
  • Freitag, 11. September: Von 10 bis 19 Uhr (offizielle Eröffnung um 10 Uhr mit Bischof Benno Elbs) in der Altstadt Bludenz
  • Samstag, 12. September: Von 9 bis 16 Uhr in der Altstadt Bludenz
Warum ein Pater aus Polen für Vorarlbergs Klöster so wichtig wurde
Pater Wenzeslaus Dabrowski zeigt die Produkte, die von einem anderen Ordensbruder hergestellt werden und am Klostermarkt verkauft werden: Kräutersäckchen und -salz. Roland Paulitsch

Zur Person:

Pater Wenzeslaus Dabrowski, Mitinitiator des Bludenzer Klostermarktes

  • Geboren: 31. März 1953
  • Wohnort: Bludenz
  • Ausbildung: Matura an einer technischen Schule sowie zwei Jahre Philosophie- und vier Jahre Theologiestudium
  • Beruf: Ordensmann – aktuell Guardian, also Vorsitzender des Franziskanerklosters Bludenz
  • Familie: Franziskanische Ordensgemeinschaft
  • Hobbys: Tennis, Fahrradfahren, Schwimmen

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