Warum ein Pater aus Polen für Vorarlbergs Klöster so wichtig wurde

Pater Wenzeslaus wurde nach Vorarlberg geschickt, um Klöster zu erhalten. Das steckt dahinter.
Bludenz Pater Wenzeslaus Dabrowski (73) stammt aus Nordpolen und hat gemeinsam mit anderen Ordensbrüdern verhindert, dass drei Vorarlberger Klöster geschlossen werden. Außerdem ist der Guardian, also Vorsitzender des Franziskanerklosters Bludenz, Mitinitiator des Klostermarktes, der am 11. und 12. September sein 30. Jubiläum feiert.

Freiheit in der Religion
Pater Wenzeslaus wuchs in einem christlichen Haushalt im damals kommunistisch geprägten Polen auf. Speziell in der Schule spürte er den Druck in Richtung des kommunistischen Kollektivs. “Es ging nicht darum, selbst zu denken, sondern sich steuern zu lassen”, erinnert er sich.
Wer sich gegen dieses System stellte, sei gefangen genommen, gefoltert oder getötet worden. “In der Kirche ist im Gegensatz zu dieser kommunistischen Denkweise das Gemeinwohl wirklich wichtig. Der Mensch wird geschätzt, anerkannt und beschützt”, schildert der Franziskaner.

Für ihn bedeutete Religion schon früh Freiheit. “Zum Beispiel kann man sich in der Kirche frei aussprechen”, sagt er. Viele Menschen würden heutzutage nicht nur die Kirche als begrenzend ansehen, sondern auch andere Dinge wie Beziehungen. “Man hat Angst vor Abhängigkeit und ist sehr individualistisch”, führt Pater Wenzeslaus aus. Einerseits besteht für ihn Freiheit auch in der Gemeinschaft: “Man muss Entscheidungen nicht allein treffen, erhält Unterstützung und ist somit freier von Druck.” Andererseits sei Begrenzung nicht immer schlecht, wie man am Aufziehen von Kindern erkennen könne.
Mangel an Ordensmännern
Die Franziskaner haben Pater Wenzeslaus immer fasziniert, unter anderem wegen der Gemeinschaft. Auch seine Mutter war dem Orden verbunden. Es war also ein natürlicher Prozess, dass er nach einer technischen Schule und drei Jahren Arbeit im Alter von 24 ins Kloster ging.

1983 empfing er die Priesterweihe und kam ein Jahr später in ein Kloster nach Deutschland, ohne bis dahin Deutsch zu sprechen. Zum franziskanischen Leben gehört neben der Besitzlosigkeit auch, kein dauerhaftes Zuhause zu haben und deshalb alle paar Jahre das Kloster zu wechseln.

So kam es, dass der Pater 1988 in das Franziskanerkloster Bezau kam. Hauptgrund dafür war der Mangel an Ordensmännern und die damit drohende Schließung des Klosters. Dasselbe Problem gab es Jahre später in Bludenz und Dornbirn. Somit wechselte er auch in diese Klöster, wobei er aufgrund des Personenmangels länger als üblich dort lebte: 18 Jahre in Bludenz, 16 Jahre in Dornbirn und im vergangenen Jahr kehrte er wieder nach Bludenz zurück. In allen drei Franziskanerklöstern in Vorarlberg leben ausschließlich polnische Ordensbrüder. Warum es in seinem Ursprungsland mehr davon gibt? “Das müsste man Gott fragen”, antwortet der Pater schmunzelnd.
Klostermarkt
Nach der Renovierung des Bludenzer Franziskanerklosters vor 30 Jahren entschied man sich, anlässlich der Einweihungsfeier einen Klostermarkt mit anderen Ordensgemeinschaften zu veranstalten. Pater Wenzeslaus war damals Mitinitiator und hätte nie gedacht, dass der Markt nach so langer Zeit noch immer stattfinden würde.

Insgesamt werden rund 30 verschiedene Ordensgemeinschaften kommen. Nicht nur aus Österreich, sondern auch aus Deutschland, Italien und Belarus. Außerdem kommt eine franziskanische Gemeinschaft aus Polen, die am Freitag und Samstag für musikalische Untermalung sorgt.

Beim Klostermarkt steht nicht der Verkaufserlös der Klosterprodukte im Vordergrund. Vielmehr soll er Einblicke in die Ordensgemeinschaften ermöglichen und vielleicht den einen oder anderen für das klösterliche Leben begeistern.
30. Bludenzer Klostermarkt
- Auftakt am Donnerstag, 10. September: Feierliche Messe im Franziskanerkloster Bludenz um 19 Uhr. Anschließend gibt es eine Fotoausstellung mit Eindrücken aus 30 Jahren Klostermarkt sowie eine Agape im Klostergarten.
- Freitag, 11. September: Von 10 bis 19 Uhr (offizielle Eröffnung um 10 Uhr mit Bischof Benno Elbs) in der Altstadt Bludenz
- Samstag, 12. September: Von 9 bis 16 Uhr in der Altstadt Bludenz

Zur Person:
Pater Wenzeslaus Dabrowski, Mitinitiator des Bludenzer Klostermarktes
- Geboren: 31. März 1953
- Wohnort: Bludenz
- Ausbildung: Matura an einer technischen Schule sowie zwei Jahre Philosophie- und vier Jahre Theologiestudium
- Beruf: Ordensmann – aktuell Guardian, also Vorsitzender des Franziskanerklosters Bludenz
- Familie: Franziskanische Ordensgemeinschaft
- Hobbys: Tennis, Fahrradfahren, Schwimmen