Zwischen Stoff, Farbe und Fantasie

Für Johanna Mark sind Nadel und Faden Werkzeuge, mit denen Kreativität zu Kunst wird.
Lauterach Johanna Mark sitzt auf einem Sofa in ihrem kleinen Atelier, gekleidet in ein oranges Gewand, das ihr einen feenhaften Zauber verleiht. Neben ihr haben außergewöhnliche Geschöpfe Platz genommen: handgefertigte Künstlerpuppen, jede mit einer ganz eigenen Ausstrahlung und einer Geschichte, die man erahnen kann. Die Art Dolls sowie weitere textile Werke wie Taschenaltäre und Wandschreine zeugen von der Fantasie und dem Geschick ihrer Schöpferin und machen neugierig auf die Geschichte der in Hörbranz lebenden Künstlerin.

Wenn Johanna an ihre Schulzeit denkt, muss sie lachen. Statt Matheaufgaben zu lösen, verzierte sie lieber kunstvoll ihre Hefte – und trotzdem kämpfte sie sich erfolgreich bis zur Matura durch. Eigentlich ging sie sogar gern zur Schule: weniger wegen des Unterrichts als vielmehr, weil sie dort ihre Freunde traf. Zwang und starre Strukturen waren allerdings nie ihr Ding. Kreative Leidenschaft entwickelte die empathische 37-Jährige hingegen schon in der Kindheit. Die Liebe zum Nähen hat sie von ihrer Mutter geerbt, „Sie hat ihre Garderobe immer selbst genäht. Ich bin quasi neben der Nähmaschine aufgewachsen.“ Eine eher ungewöhnliche Begegnung entzündete den Näh-Funken in Johanna endgültig. „Ich sah in einem Geschäft ein goldenes Lama und hätte es gern gehabt. Es war jedoch zu teuer. Also griff ich selbst zu Nadel und Faden, und es entstand ein pinkfarbenes Lama“, erzählt sie.
Dieses Lama begleitete Johanna nach Wien, wo sie nach der Matura Kunst und Kommunikation sowie Mode und Styles studierte – eigentlich mit dem Ziel, als Kunstlehrerin zu arbeiten. „Abends war es für mich das Schönste, an der Nähmaschine zu sitzen. Es entstanden aus Altkleidern Fantasiefiguren, die ich auf Märkten verkauft habe“, erzählt sie. Inspirieren lässt sich die Künstlerin seit jeher von alten Märchen- und Fantasiefilmen, aber ebenso von der Mythologie, Alltag und Populärkultur.

Der Liebe wegen kehrte sie nach elf Jahren ins Ländle zurück, unterrichtete an einem Vorarlberger Gymnasium. Während dieser Zeit widmete sich Johanna nebenberuflich weiter dem Erschaffen von Figuren, die bewusst nicht perfektionistisch schön, sondern eher schaurig-schön daherkommen. Ihr kleines Atelier richtete sie sich in Lauterach ein. In dem Haus, in dem sie aufwuchs. Obwohl ihr die Arbeit mit den Schülern gefiel, merkte sie bald, dass ihr etwas fehlte: die Zeit, die eigene Kreativität mehr auszuleben. Kurz entschlossen kündigte sie den Vollzeit-Lehrerjob und wagte 2023 den Schritt in die Selbstständigkeit mit „Medulla Textiles“.
Ihr kleines Atelier hat Johanna immer noch in Lauterach. Inzwischen hat sich die sympathische Frau in der Welt der textilen Kunst längst einen Namen gemacht. Neben ihren Art Dolls erschafft die Künstlerin bemerkenswerte zweidimensionale Textilcollagen und -montagen. Jedes ihrer Werke zeigt, dass Kunst berühren und den Zauber des Alltäglichen sichtbar machen kann. Die einzigartigen Kreationen finden vor allem über das Internet und auf Kunstmärkten neue Besitzer. Ihre Werke entstehen in liebevoller Handarbeit – fernab von industrieller Perfektion. Jedes Stück ist ein Unikat mit eigener Seele. Nichts wirkt vollkommen, und genau darin liegt der Reiz.

Johanna liebt ihre eigene Welt – eine Welt voller Fantasie, Magie und skurriler Wesen. Eine Welt, in der das Kind im Erwachsenen weiterleben darf. Und vielleicht liegt genau darin die besondere Magie ihrer Arbeit: Sie erinnert daran, dass man nie zu alt ist, um wieder ein wenig Kind zu sein.
Zur Person
JOHANNA MARK
GEBOREN 18. Juli 1989 in Bregenz
WOHNORT Hörbranz
FAMILIENSTAND verheiratet mit Tobias Zwing
BERUF Künstlerin
HOBBY Arbeiten, Zeit mit Tobias, Kostümfeste, Tagebuch schreiben, lesen, mit Hund Bluna spazieren gehen, Freunde treffen