Schicker Kia ProCeed: Nur schön, oder auch gut?

Mobilität / 03.11.2019 • 09:00 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
VN/SAMS

VN-Test mit dem Kia ProCeed: Der Shooting Brake ist einer mit Seltenheitswert.

Kia Die Ceed-Familie ist breit aufgestellt, hat mit dem Kombi ein Modell mit bestem Raumangebot im Programm. Neu ist ein Shooting Brake mit schick gestalteter Ladefläche. Von der Vernunftseite her gibt es kaum Gründe, sich für den ProCeed zu entscheiden. Warum also dennoch? Weil er verdammt gut aussieht. Das wäre doch ein triftiger Grund. Und weil es ihn im Gegensatz zum Ceed SW mit 204 PS starkem Benziner gibt, der dafür sorgt, dass der dynamische Look kein leeres Versprechen bleibt. Individualisten aufgepasst: Das hier ist einer mit Seltenheitswert. Kein anderer Hersteller im Segment bietet ein kompaktes fünftüriges Shooting Brake. Überhaupt sind derzeit nur drei Modelle am Markt. Mercedes spielt mit dem CLA in einer anderen Liga und Porsche fährt mit dem Panamera Sport Turismo in einem abgehobenen Preissegment vor.

So ist er also alleine auf weiter Flur. Mit einer Länge von 4,6 Metern steht da grundsätzlich viel Auto am Asphalt. Vorne prägt den Neuzugang das gewohnte Familiengesicht, das Heck und die Seitengrafik sind eigenständig. Markant ist das flach abfallende Dach, das den Shooting Brake erst zu dem macht, was er ist: eben eine Art Kombi, nur hübscher verpackt. Wer Autos jetzt nur nach Nutzwert beurteilt, könnte zu nörgeln beginnen. Der Kofferraum ist ein wenig kleiner als jener des Kombis. Fahrgäste über 1,85 streifen im Fond mit dem Kopf am Dachhimmel. Das ließe sich noch um den ein oder anderen Nachteil ergänzen. Aber wie viele Riesen reisen schon hinten, und sind 594 Liter Ladevolumen im Alltag nicht mehr als ausreichend? Lassen wir das mit dem Meckern. Viel zu schick und viel zu gut ist, was Kia in Europa entwickelt und baut und das ausschließlich auf dem alten Kontinent gefahren wird. Entsprechend kompromisslos ist auch die Fahrwerksabstimmung ausgefallen. Ein Auto nach dem Geschmack der Europäer mit präziser Lenkung und agilem Handling. Und für die Langstrecke bietet der ProCeed beste Komforteigenschaften.

Soweit also alles richtig gemacht. Angeboten wird der Kompakte im sportlichen Kleid mit verschiedenen Motorisierungen, darunter einem 1,6-Liter-Benziner, der satte 204 PS Leistung bereithält. Die Topmotorisierung als GT passt wunderbar zum Gesamtcharakter des Fahrzeugkonzepts. In kurzen 7,5 Sekunden ist Tempo 100 erreicht, die Spitze gibt Kia mit 225 km/h an. Für Gangwechsel sorgt wahlweise ein 7-Gang-Doppelkupplungsgetriebe, das im Vergleich zum manuellen Schalten auch einen Spritvorteil verspricht. 6,2 Liter sind es laut Norm, 7,3 Liter im VN-Test.

Wer gerne schöne Autos mag, der wird Gefallen an Kias Sonderling finden. Wenn es eine berechtigte Kritik am Fahrzeugkonzept eines Shooting Brakes gibt, dann die eingeschränkte Sicht durch die „Sehschlitze“ am Heck. Ein bisschen muss Schönheit dann eben doch leiden.

Kia ProCeed

Motor/Antrieb 1,6-Liter-Benziner mit 204 PS, 265 Nm; 7-Gang-Doppelkupplungsgetriebe, Frontantrieb

Fahrleistungen/Verbrauch 0 auf 100 in 7,5 Sek; Spitze 225 km/h, Verbrauch 6,2 Liter (Testverbrauch: 7,3 Liter)

Preis 43.090 Euro