Warum deutsche Navis den morgendlichen Stau bei Hörbranz schlimmer machen

So schnell wird sich die Situation nördlich des Pfändertunnels nicht entspannen. Deutsche Pendler berichten von ungewollten Nebenwirkungen, die Hörbranz belasten.
Hörbranz „Normalerweise ist hier um diese Uhrzeit weit mehr los“, verrät Kerstin Mäser und verweist auf die wenigen Gäste hinter ihr. Sie muss es wissen, arbeitet sie doch seit September 2021 in der Raststation Bodensee Hörbranz. Nun liegt die Raststätte jedoch mitten in der Rückstauzone und ist damit ein wenig verlockender Halt. „Es bleiben nur die stehen, die dringend eine Vignette brauchen.“

Am späten Vormittag ist vom Stau nicht mehr viel zu merken, schließlich reicht er zu diesem Zeitpunkt nur mehr bis zur Staatsgrenze zurück. Zu den Stoßzeiten ist es anders. „Ein Lkw-Fahrer brauchte von Weißensberg hierher gestern eineinhalb Stunden“, weiß Mäser. Und auch sie und ihre Arbeitskolleginnen kennen den Stau gut, dominiert er doch auch ihren Arbeitsweg.

Ausweichverkehr aus Deutschland
Der Stau ist gerade am Morgen so umfangreich, dass die Navis vielen Deutschen aus dem Bodenseeraum raten, erst in Hörbranz auf die Autobahn aufzufahren. Was ihnen helfen soll, den Stau auf der A 96 zu umfahren, sorgt in Hörbranz für Verkehrschaos. Viele Leiblachtaler benötigen so selbst eine Stunde und mehr, um ins Rheintal zu gelangen. Erst nach den zahlreichen Kreuzungen und Auffahrten könne man im Pfändertunnel und auf der A 14 selbst von einem langsam fließenden Verkehr sprechen, davor dominiert der Stillstand.

Bürgermeister Andreas Kresser ist sich bewusst, dass mit Beginn der Sanierungsarbeiten das Verkehrsaufkommen in Hörbranz sich verändert hat. Doch seine Möglichkeiten, den Verkehr auf deutscher Seite zu leiten oder den Ausweichverkehr durch Hörbranz zu verhindern, tendieren gegen null, befürchtet er.

Veränderung erst Mitte April
Wer auf eine baldige Entspannung hofft, muss sich leider in Geduld üben. Die Asfinag bedauert ihren fehlenden Einfluss auf die Navigationsgeräte. „Die aktuelle einspurige Phase in der Weströhre endet am 11. April. Dies ist notwendig, um ab dann die Arbeiten in der Nacht durchführen zu können“, erinnert Asfinag-Sprecher Alexander Holzedl. Erst Mitte April wird es dann möglich sein, beide Spuren zumindest untertags wieder für den Verkehr zu öffnen. In den Nachtstunden ist dann jedoch mit einer gesperrten Weströhre und einspurigem Gegenverkehr in der Oströhre zu rechnen. „An besonders verkehrsreichen Tagen wie Christi Himmelfahrt, Fronleichnam oder während der Bregenzer Festspiele und an den Wochenenden wird der Pfändertunnel überhaupt baustellenfrei betrieben“, versichert Holzedl. Im Herbst werde damit zu rechnen sein, dass die Weströhre für mehrere Tage auch untertags gesperrt bleiben müsse.

Seit dem 10. März laufen die Sanierungsarbeiten der Weströhre, die im Jahr 2012 in Betrieb ging, um eine Generalsanierung der im Dezember 1980 in Betrieb gegangenen Oströhre zu ermöglichen. Seit 2013 sind beide Tunnelröhren in Betrieb. Derzeit gilt daher eine Höchstgeschwindigkeit von 60 km/h im Pfändertunnel.
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Brückensanierung
Parallel werden seit dem 17. März die Fahrbahn und Brücken zwischen den Anschlussstellen Bregenz und Wolfurt-Lauterach saniert. Begonnen wird mit der Sanierung der Brücken über der A 14, dafür müssen die betroffenen Landes- und Gemeindestraßen zeitweise gesperrt werden. Auf der Autobahn selbst werden jederzeit jeweils zwei Fahrspuren garantiert. Es muss in den kommenden Monaten jedoch mit temporären Nachtsperren der Anschlussstelle Wolfurt-Lauterach gerechnet werden.
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Viele der Brücken, gerade aus den 1970er- und 1980er-Jahren, sind in einem schlechten bis mangelhaften Zustand, bemängelte nicht zuletzt der Landes-Rechnungshof 2022. Insgesamt 61 der 614 Landesbrücken galten als sanierungsbedürftig. Betroffen waren vor allem Brücken entlang der L 200 im Bregenzerwald.