Großer Gleiter

Mobilität / 20.02.2026 • 10:00 Uhr
Ungewöhnliche Linienführung und Bodenfreiheit wie sein SUV: Der elektrische Volvo ES90 bricht mit gän-gigen Standards und besticht durch hohen Fahrkomfort
Ungewöhnliche Linienführung und Bodenfreiheit wie sein SUV: Der elektrische Volvo ES90 bricht mit gän-gigen Standards und besticht durch hohen FahrkomfortStefan Pabeschitz

Mit dem ES90 besetzt Volvo auch das große Limousinen-Segment elektrisch.

Volvo Nach dem SUV EX90 ist die bei Konzernmutter Geely im chinesischen Chengdu gefertigte Limousine ES90 das zweite Schweden-Modell mit 800 Volt-Architektur. Das anfangs ein wenig ungewohnte Erscheinungsbild resultiert unter anderem aus der eher SUV-artigen Bodenfreiheit von knapp 18 Zentimetern und der weit nach hinten versetzten Fahrgastzelle samt Fließheck-Linie. Das Aerodynamik-Diktat wurde hier merkbar priorisiert, der Look ist extrem glatt und bündig, bis auf die eindeutige Scheinwerfer-Grafik mit „Thors Hammer“-Layout und die Logos gibt es praktisch keine markentypische Elemente.

Interieur mit hoher Materialqualität bei gleichzeitiger Sparstift-Anmutung – alternativ zur hellen Variante wird auch eine im gedeckten schwarz/grau-Look angeboten
Interieur mit hoher Materialqualität bei gleichzeitiger Sparstift-Anmutung – alternativ zur hellen Variante wird auch eine im gedeckten schwarz/grau-Look angeboten

Der Innenraum gibt sich ebenfalls geglättet und stilistisch reduziert, die skandinavische Aufgeräumtheit atmet hier aber trotz hochwertiger Materialauswahl auch ein wenig Sparstift-Spirit – etwa beim freistehende Fahrerdisplay, dessen Anzeigen mangels Größe kaum ablesbar sind. Der gar dominante 14,5 Zoll Hochformat-Touchscreen, der im Alltag kaum für mehr genutzt wird, als Navigations-Angaben zu folgen, würde diese Aufgabe dagegen auch mit unaufdringlicheren 10 Zoll gut erfüllen. Eine analoge Lenkrad- und Spiegel-Verstellung sucht man erneut vergeblich – dafür muss auch im ES90 ebenso ein Untermenü im Infotainment-System aufgerufen werden, wie zum Öffnen des Handschuhfachs. Inexistent ist auch die Sicht nach hinten – die Miniatur-Heckscheibe wird auch noch weitgehend von den drei prächtigen Nackenstützen im Fond verdeckt. Angenehm gelöst hat Volvo das Thema der anderswo oft aufdringlichen Ambiente-Beleuchtung, die hier als dezenter Hintergrund-Effekt eingearbeitet wurde.

Zumindest in den Heckleuchten des ES90 hat sich ein wenig typischer Volvo-Look erhalten. Darüber öff-net sich statt des erwarteten Kofferraumdeckels eine flache Heckklappe
Zumindest in den Heckleuchten des ES90 hat sich ein wenig typischer Volvo-Look erhalten. Darüber öff-net sich statt des erwarteten Kofferraumdeckels eine flache Heckklappe

Auch beim Reisekomfort insgesamt gibt es keinerlei Kompromisse, von den bequemen Sitzen über die Akustik-Verglasung bis zur Beinfreiheit in Reihe zwei gibt es ausschließlich Premium-Feeling rundum. Die Einstiegmotorisierung fährt mit Hinterradantrieb und 333 PS vor, darüber rangiert der 456 PS starke 4WD Twin Motor, die Spitze der Baureihe markiert das ebenfalls allradgetriebene Performance-Modell mit 680 PS. Für beiden stärkeren Varianten mit jeweils 103 kWh-Akku gibt Volvo WLTP-Reichweiten von 561 bis 711 Kilometern an, beim Basismodell mit 90 kWh-Batterie sind es 554 bis 651 Kilometer. Der Testwagen wies bei vollem Ladestand eine Streckenleistung von 470 Kilometern aus, der Reichweitenverlust lag ohne Autobahn-Passagen durchgehend etwa 21 Prozent höher als die zurückgelegte Distanz, woraus sich rund 390 Kilometer Real-Reichweite ergeben. Die sich allerdings außerordentlich stressfrei und entspannt zurücklegen lassen – Umwelteinflüsse filtert der ES90 souverän weg, auch die Oberflächenbeschaffenheit der Straße dringt so gut wie gar nicht bis zu den Passagieren vor.

Fahreindruck: „Ein kraftvolles Lebenszeichen der gefährdeten Gattung Limousine für komfortorientierte Fahrer ohne hohe Ansprüche bei der Real-Reichweite.“

Weniger ansprechen wird der ES90 eventuell dynamisch orientierte Fahrer, die Gewichte von 2,4 bis 2,6 Tonnen wirken den ansprechenden Leistungsdaten vehement entgegen. Der große Schwede ist ein kraftvoller Gleiter und nicht zum Hetzen gedacht. Die Grundausstattung Core ist mit Wärmepumpe, 20 Zoll-Rädern, Sitzheizung vorne und Glas-Panoramadach bereits gut bestückt, das Single Motor-Modell startet hier ab 68.490 Euro. Der Plus-Trimm kostet 4.000 Euro mehr und bietet unter anderem Bose-Sound, Head Up-Display und Sitzheizung hinten, für Ultra werden weitere 8.200 Euro für 21 Zoll-Felgen, Luftfahrwerk und belüftete Massagesitze fällig. Die stärkeren Varianten werden nur in der Top-Ausstattung ab 85.640 und 90.990 Euro angeboten. PAB

Fakten und Daten

Motor/Antrieb 1/2 Elektromotor(en) mit je 333, 456 und 680 PS, 470, 680 und 870 Newtonmeter Drehmoment; Li-Ionen-Akku mit 92/106 kWh netto; Hinterrad/Allradantrieb; 1-Gang Direktübersetzung L/B/H 5000/2042/1545 mm; 2410-2610 kg

Fahrleistungen/Verbrauch 0-100 km/h 4,0-6,6 Sek., Höchstgeschwindigkeit 180 km/h, Verbrauch 15,9 -20,7 kWh/100 km; Reichweite 554-711 km, Ladedauer 310/350 kW DC 10 auf 80% ca. 22 min, 11 kW AC 0 auf 100 % ca. 10/11 Std.

Preis ab 68.490 Euro