“Man soll spüren, dass man auf uns schaut” – die Moosmahdstraße mitten im Umbau

Die Moosmahdstraße ist eine der wichtigsten Verbindungen in Dornbirn. Sie soll künftig für Passanten attraktiver werden, doch der Umbau ist für die Betriebe eine Belastung.
Dornbirn “Jetzt sind sie am Bauen, jetzt soll man auch spüren, dass man auf uns schaut. Das fehlt derzeit etwas”, fasst es Philipp Unger zusammen. Er führt die Stadtmetzgerei in der im Umbau befindlichen Moosmahdstraße.

Grundsätzlich sehe er den Umbau eher neutral bis positiv, doch fühlt er sich als Betroffener kaum gehört. “Eine Kommune muss nicht nur für die Instandhaltung sorgen, sondern auch, dass es Arbeit gibt”, erklärt er. Man habe viel reden müssen, um die Zahl der Parkplätze zu sichern. Unger macht sich Sorgen bezüglich der Zulieferung, wenn die Baustelle im Herbst vor der Metzgerei ankommt. Hier sucht er noch das Gespräch mit der Stadt. “Die Pläne, die man uns vorlegte, hätten ausgereifter sein können.”

Derzeit wird auf der Moosmahdstraße nur zwischen der Mozartstraße und der Pfarrgasse gebaut. Es ist eine Umleitung eingerichtet, die restliche Moosmahdstraße ist normal befahrbar. Die Umsatzeinbußen seien sehr spürbar, viele Kunden meiden den Mehraufwand, den die Baustelle bedeutet. “Die Stadt hat klargemacht, dass es keine finanzielle Unterstützung geben wird”, sieht Unger die Unternehmen in der Straße als Kollateralschaden. Man lasse einem die Wahl zwischen Betriebsurlaub oder Personalabbau. “Wir lassen uns nicht abschrecken, wir suchen immer noch Leute”, betont Unger. So gut geht es dem Vernehmen nach längst nicht allen in der Straße.
Wer von Laufkundschaft lebt, leidet

“Ich bin nicht von der Laufkundschaft abhängig. Meine Kundschaft kennt mich, die rufen an und informieren sich, wie sie am besten zu mir kommen”, hat Adrian Baldauf von Adi’s Guitar Glück. Er führt sein Fachgeschäft und die dazugehörige Gitarrenwerkstatt allein ohne weitere Angestellte. “Natürlich ist die Baustelle für alle hier lästig, aber ich halte es für ein tolles Projekt”, steht er hinter der Umgestaltung. Aktuell sei die Moosmahdstraße alles andere als einladend.

Straße soll klimafit werden
Die Pläne für die neue Moosmahdstraße begleiten Dornbirn bereits über ein Jahrzehnt. Im Rahmen der Kanalsanierung wird nun umgestaltet: Nach dem Schwammstadtprinzip sollen zusätzliche Grünflächen Regenwasser aufnehmen, das Kanalnetz entlasten und Dutzende neue Bäume den öffentlichen Raum mit Kühlung durch Verdunstung klimafitter machen.

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Bis Ende des Jahres soll der Umbau abgeschlossen sein: Die Gehwege werden breiter, Ampeln werden dafür verschwinden. “Wo früher fast ausschließlich der motorisierte Verkehr im Vordergrund stand, gelten die Bedürfnisse der Menschen glücklicherweise heute mehr”, betont die Stadt gegenüber den VN.

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Widerstand von der FPÖ
Beschlossen wurde dies von ÖVP, SPÖ, Grünen und Neos gegen die Stimmen der FPÖ. Deren Befürchtungen äußerte Christoph Waibel bereits beim Beschluss des Umbaus im Februar 2025: Da man die Straße enger gestalte, könnte es für Gelenkbusse knapper werden. Die Gesamtkosten von über neun Millionen Euro seien angesichts klammer Budgets nicht vertretbar. Die FPÖ erwartet, dass viele der etwa 5000 täglichen Fahrten auf der Moosmahdstraße dauerhaft auf die Stadtstraße ausweichen werden. Diese sei mit über 24.000 täglichen Bewegungen bereits überlastet, vor allem zu den Stoßzeiten.
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Stadt: Faktisch bereits jetzt Tempo 30
Dem widerspricht die Stadt: “Die Moosmahdstraße bleibt natürlich eine wichtige Erschließungsstraße und wird auch nach dem Umbau dieselbe Leistungsfähigkeit haben.” Sie soll nach dem Umbau dieselbe Fahrspurbreite wie die funktional vergleichbare Rohrbachstraße haben. Mit Tempo 30 würde die Sicherheit und Lebensqualität verbessert. “Auch im aktuellen Zustand waren kaum höhere Geschwindigkeiten möglich.”

“Neun Millionen ist für diese Straße nicht viel”, hält auch Baldauf dagegen. “Wäre man dagegen, hätte man vor zwei Jahren aufstehen müssen, nicht erst, wenn die Bagger auffahren.”