Dolce Vita

Mobilität / 20.03.2026 • 14:11 Uhr
Der Duetto ist eine Art Best-Of mehrerer Showcars, die Pininfarina in den Jahren davor für Alfa Romeo entworfen hatte. Die meisten Anpassungen finden über die Bauzeit am Heck statt
Der Duetto ist eine Art Best-Of mehrerer Showcars, die Pininfarina in den Jahren davor für Alfa Romeo entworfen hatte. Die meisten Anpassungen finden über die Bauzeit am Heck stattStefan Pabeschitz

Italo Hits auf vier Rädern: Vor sechzig Jahren debütierten die Cabrio-Ikonen Alfa Romeo Duetto und Fiat 124 Sport.
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h Alfa Romeo, Fiat. Das fröhliche Wettrüsten der beiden damaligen Erzrivalen beschert der Welt 1966 zwei Autos, die bis heute nicht nur Beliebtheits-Skalen sprengen, sondern auch zu Rekordhaltern an Baujahren werden – der offene Fiat 124 bleibt stolze 21 Jahre im Programm, der Alfa Romeo sogar 27. Gemeinsam haben beide, dass sie bei ihrer Geburt nicht die heute gängige Bezeichnung „Spider“ tragen. Alfa Romeo kann sich zunächst für keinen Namen entscheiden und startet deswegen eine schlaue PR-Kampagne in Form eines Preisausschreibens. Nach acht Wochen und über 140.000 Einsendungen steht „Duetto“ als Sieger fest. Der Urheber-Einspruch eines Keksherstellers führt zwar zu Komplikationen, in Italien ist es aber bis heute die übliche Bezeichnung aller vier bis 1993 gefertigten Baureihen. Die technische Basis bleibt über die gesamt Zeit gleich: Die Bodengruppe der kantigen Limousine Giulia, obwohl die 1978 eingestellt wird. Das elegante Design folgt den Entwürfen mehrerer zeitgenössischer Alfa-Showcars von Pininfarina.

Beim Fiat 124 Sport legt das US-Design-Talent Tom Tjaarda im Dienste von Pininfarina Hand an. Heckleuch-ten und Stoßstangen werden später modifiziert, die Karosserieform bleibt aber unverändert
Beim Fiat 124 Sport legt das US-Design-Talent Tom Tjaarda im Dienste von Pininfarina Hand an. Heckleuch-ten und Stoßstangen werden später modifiziert, die Karosserieform bleibt aber unverändert

Dass der Massenproduzent Fiat sich im gleichen Jahr mit dem offiziell „Sport“ genannten Cabrio traut, der Mailänder Sportmarke einen direkten Konkurrenten vor die Nase zu setzen, gilt damals als unerhörte Revierübertretung. Auch den Turinern steht ein Großserienmodell als Technik-Spender zur Verfügung: Die 124 Limousine, dessen Motor Fiat für den neuen Verwendungszweck ein Update auf zwei obenliegende Nockenwellen und – erstmals in der Großserienfertigung – Steuerriemen statt -Kette spendiert. Die eigenwillige Kubatur von 1438 cm3 genau zwischen 1,3 und 1,6 Liter-Klasse soll damals dem Selbstschutz dienen, das Aggregat womöglich im Motorsport einzusetzen. Das hat allerdings nicht geklappt – später wurde sogar einer der erfolgreichsten Rennmotoren aller Zeiten daraus.

Arbeitsplatz mit Stil: Mit dem Nussholz-Armaturenbrett und fünf chromgefassten Rundinstrumenten verbindet der Fiat 124 Sport damals wie heute Oberklasse-Ambiente mit robuster Großserien-Technik
Arbeitsplatz mit Stil: Mit dem Nussholz-Armaturenbrett und fünf chromgefassten Rundinstrumenten verbindet der Fiat 124 Sport damals wie heute Oberklasse-Ambiente mit robuster Großserien-Technik

Die Vorteile des Ur-Duetto dank seiner durchzugsstärkeren Doppelvergaser-Bestückung macht der 124 mit seinem deutlich belastbareren Handling wett. In der da wie dort aufgewerteten Großserien-Technik liegt auch mit einer der Gründe für die lange Erfolgsstory der beiden: Sie garantiert bis heute durchgehende und günstige Ersatzteil-Versorgung. Am Ende ihrer Bauzeit stoppt der Stückzahlen-Zähler des Fiat knapp unter 200.000, bei Alfa Romeo sind es 123.000 Fahrzeuge.

Beide Modelle erfreuen sich seinerzeit vor allem in Nordamerika großer Beliebtheit – an die 95 Prozent der Produktion des offenen 124 gehen dorthin, der Duetto wird in „Die Reifeprüfung“ mit Anne Bancroft und Dustin Hoffman sogar zum Filmstar. Ihre anhaltende Attraktivität verdanken sie aber anderen Talenten: Wie kaum ein anderes Modell treffen sie so sehr den Lebensnerv, dass der Reiz bis heute nachhallt. Sie folgen keinem Zeitgeist, sondern formen ihn – heutige Entscheider in der Autobranche sollten sich das zum Vorbild nehmen. Unmodern sind die beiden italienischen Bellas sowie nie geworden, weswegen es auch gestattet ist, den Damen zu ihrem sechzigsten Geburtstag zu gratulieren: Buon compleanno, Fiat 124 Sport und Alfa Romeo Duetto! Stefan Pabeschitz